Steam: Wieso ein explizites Horrorspiel gebannt wurde – und wie das Studio damit umgeht
Ist das Spiel Horses zu extrem für Steam? (Bild: Shutterstock/Krakenimages.com)
Das italienische Indie-Studio Santa Ragione will am 2. Dezember 2025 sein neues Spiel Horses veröffentlichen. Das Horrorgame soll bei Epic Games Store, GOG, Itch.io und Humble Store an den Start gehen. Doch die mit Abstand größte Plattform fehlt. Steam weigert sich laut Santa Ragione, das Spiel zu veröffentlichen. Gründe nennt der Seitenbetreiber Valve nicht.
Absage erstmals im Sommer 2023
Laut einer Webseite zu dem Spiel bekam Santa Ragione Horses erstmals im Juni 2023 eine Absage von Steam. Das Game befand sich damals noch in einem frühen Entwicklungsstadium, nach Angaben des Studios war nicht einmal die Hälfte fertig.
Einen konkreten Grund für die Zurückweisung nannte Steam nicht, die Spieleentwickler bekamen nur einen allgemeinen Text als Erklärung. „Wir haben festgestellt, dass dieser Titel Themen, Bilder oder Beschreibungen enthält, die wir nicht vertreiben werden“, heißt es darin. Das Studio versuchte immer wieder herauszufinden, was genau die Ursache für den Bann lieferte. Doch Valve habe darauf nicht reagiert.
Spiel stellt laut Valve „sexuelle Handlungen mit Minderjährigen“ dar
An einer Stelle wird die Nachricht aber konkreter. „Unabhängig von den Absichten des Entwicklers mit seinem Produkt werden wir keine Inhalte vertreiben, die nach unserer Einschätzung sexuelle Handlungen mit Minderjährigen darstellen“, steht dort. Und: „Obwohl jedes eingereichte Produkt einzigartig ist, wird Ihr Produkt von Steam abgelehnt, wenn es solche Darstellungen enthält – selbst wenn diese nur subtil sind und als Grauzone definiert werden könnten“.
Das Spielestudio hat einen Verdacht, auf welche Stelle sich dieses Statement beziehen könnte. Horses spielt auf einer Farm, auf der Besucher:innen nicht auf Pferden, sondern auf nackten Menschen mit Pferdemasken auf dem Kopf reiten. Zu den Gästen zählt auch ein junges Mädchen, das dann auf der Schulter einer nackten Frau reitet.
Nacktheit in Horses laut Studio nicht pornografisch
Später habe man das Alter der Figur angehoben. Nicht nur, um eine Zensur zu entgehen, sondern auch aus inhaltlichen Gründen. Das Alter der Figuren werde in dem Spiel klar kommuniziert, sie seien alle älter als 20 Jahre. Die Nacktheit in Horses sei laut Santa Ragione nicht sexuell konnotiert, pornografische Szenen gebe es nicht.
In Horses gehe es laut den Machern um „die Last familiärer Traumata und puritanischer Werte, die Dynamik totalitärer Macht und die Ethik persönlicher Verantwortung.“ Das Spiel verwende „groteske, subversive Bilder, um Macht, Glauben und Gewalt zu konfrontieren“.
Gegen „subjektive Obszönitätsstandards“ von Valve
Santa Ragione wehrt sich gegen „subjektive Obszönitätsstandards“. Das Studio findet, dass „diese Art der moralisierenden Zensur Erinnerungen an eine dunklere Vergangenheit weckt, in der vage Vorstellungen von ‚Anstand‘ dazu benutzt wurden, Künstler zum Schweigen zu bringen“.
Das Verhalten von Steam, das Santa Ragione als „monopolistischen Shops“ bezeichnet, beeinflusse, „welche Titel Entwickler ohne Bedenken erstellen können, und fördert damit präventive Zensur“.
Santa Ragione droht nun die Pleite
Santa Ragione hat laut eigenen Angaben über 50 000 in die Entwicklung von Horses gesteckt. Nach der Zurückweisung habe man versucht, externe Partner oder Publisher zu finden. Doch ohne Aussicht auf eine Distribution auf der größten Plattform überhaupt sei dies unmöglich gewesen. Man habe das Spiel nur mit finanzieller Unterstützung von Freunden fertigstellen können.
Santa Ragione droht nun laut eigener Aussage die Schließung, wenn nicht ein Wunder geschieht und Horses außerhalb von Steam seine Entwicklungskosten einspielt.
Die kleineren Plattformen, bei denen Horses im Dezember an den Start geht, hatten laut Santa Ragione keine Beanstandungen. Obwohl das Studio ihnen dieselbe Version vorgelegt habe wie Valve.
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