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Schluss mit versteckter PR: Wikipedia führt Transparenzregelung für bezahlte Autoren ein

Wikipedia. (Zeichnung: Giulia Forsythe / Flickr Lizenz: CC BY 2.0)

Eher subjektive als neutrale Artikel haben die meisten von euch bestimmt schon einmal in der Wikipedia gesehen. Teilweise sind diese von bezahlten Autoren verfasst, was aber nicht weiter kenntlich gemacht werden muss. Damit soll jetzt Schluss sein.

Selbstdarstellung in der Wikipedia: Beliebt bei Unternehmen und Verbänden

Die Wikipedia wird viel zitiert – und seit die Online-Enzyklopädie im Mainstream angekommen ist und in immer mehr Schulen und Universitäten akzeptiert wird, prüfen wohl die wenigsten noch jede übernommene Angabe genau nach. Natürlich bietet sich hier ein Spielfeld für Firmen und andere Organisationen: Immer wieder wird versucht, die eigene Darstellung in der Wikipedia aufzuhübschen oder überhaupt einen Artikel über das eigene Unternehmen dort zu platzieren – schon 2007 lieferte das Tool WikiScanner einige illustre Beispiele für diese Praxis.

Allzu werberische Artikel oder Formulierungen werden zwar ohnehin meistens von der Autoren-Community erkannt und entfernt – wer sich ein wenig geschickt anstellte und dieses Korrektiv austrickste, konnte den Wikipedia-Nutzern bisher aber ohne Kenntlichmachung seiner Intentionen seine Sicht der Dinge präsentieren – und verstieß damit gegen keinerlei Richtlinien. Jetzt hat die Wikimedia Foundation mit einer Änderung der Nutzungsrichtlinien reagiert.

Wer fürs Editieren bezahlt wird, muss das ab sofort offenlegen

Die Ankündigung der Richtlinien-Änderungen durch die Wikimedia Foundation, die unter anderem bezahlte Wikipedia-Autoren betreffen. (Screenshot: Wikimedia)

Die Ankündigung der Richtlinien-Änderungen durch die Wikimedia Foundation, die unter anderem bezahlte Wikipedia-Autoren betreffen. (Screenshot: Wikimedia)

Wikipedia-Autoren müssen ab sofort kennzeichnen, für wen sie die Artikel schreiben. Das muss auf der Autorenseite, auf der Seite mit den Änderungen des Artikels oder auf der Diskussionsseite geschehen. Für Professoren oder Mitarbeiter in Galerien, Museen, Archiven oder Büchereien gilt die Transparenzregelung nur, wenn sie explizit über ihre eigene Einrichtung schreiben oder die entsprechende Seite editieren, nicht, wenn sie als Privatpersonen Artikel verfassen.

Die Richtlinien-Änderungen gelten nicht nur für die Wikipedia selbst, sondern auch für die weiteren Projekte der Wikimedia Foundation. Wie das Gremium der Wikimedia-Foundation angibt, ist man sich der Komplexität der Problematik und der Abgrenzungsschwierigkeiten bewusst: Man wolle genau im Auge behalten, wie effektiv die nun vorgestellte Änderung ist und gegebenenfalls nachbessern.

Warum die Transparenzregelung der Wikipedia auch der PR-Branche hilft

Die neue Transparenzregelung der Wikimedia Foundation dürfte durchaus auch in der Kommunikationsbranche Anklang finden: Denn längst nicht alle PR-Fachkräfte versuchen, die Einträge bei Wikipedia im Sinne ihrer Kunden über den normalen Informationsgehalt hinaus zu verschönern. Und doch werfen die in der Vergangenheit immer wieder aufgetretenen Skandale um Werbung auf Wikipedia – einige jüngere Beispiele hat Petra Sorge für den Cicero zusammengetragen – ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche.

Um sich von dieser Dynamik freizusprechen, haben vergangene Woche elf PR-Agenturen aus den USA eine freiwillige Selbstverpflichtung in der Wikipedia veröffentlicht, in der sie sich zu den Maßstäben einer akkuraten und objektiven Online-Enzyklopädie bekennen – dies sei nicht nur im Interesse der Wikipedia-Nutzer, sondern auch der Kommunikationsbranche.

Insofern könnte die Kennzeichnungspflicht für bezahlte Wikipedia-Autoren zur Anti-Missbrauchsregelung mit breiter Akzeptanz avancieren.

via www.heise.de

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3 Kommentare
Wikator

Wo ist die Kontrollmöglichkeit? Ohne Kontrolle werden sich wohl kaum Erfolge einstellen.

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