Kommentar

Das Ende vom Dax, wie wir ihn kennen

Markus Braun ist CEO und CTO von Wirecard. (Foto: dpa)

Das Fintech Wirecard ist wertvoller als die Commerzbank – und steigt damit in den Dax auf. Für den größten Börsenindex in Deutschland ist das der Anfang einer überfälligen Stammzellenkur.

Es ist an der Zeit, sich von einigen Symbolen der Deutschland AG – kurz: Dax – zu verabschieden: Da ist erstens die Commerzbank. Das Dax-Gründungsmitglied verliert, trotz anhaltender Umbaumaßnahmen bei einem Börsenwert von immerhin zehn Milliarden Euro, den Platz im bundesweit größten Börsenindex.

Wirecard steigt in den Dax auf

Und da ist zweitens die SAP: Mit seinen knapp 50 Jahren gibt der Software-Pionier nun den Nimbus des jüngsten Dax-Vertreters ab. Denn drittens ist heute bei der Neusortierung des deutschen Leitindex der Zahlungsdienstleister Wirecard in die hiesige Aktien-Bundesliga aufgestiegen. Ein ehemaliges Startup aus München durchbricht damit die Phalanx der Etablierten in der Deutschland AG.

Die Firmenzentrale von Wirecard in München. (Foto: dpa)

Für die Deutschland AG ist das eine Zäsur: Der nach eigenem Bekunden größte Mittelstands-Finanzierer – die Commerzbank – wird gegen ein Fintech mit peripherem Geschäftsmodell ausgetauscht. Zudem ist Wirecard aus Sicht der Börsianer auch noch wertvoller als die heimliche Zentrale der Deutschland AG – die Deutsche Bank.

Während in den USA seit Jahren Internet-Unternehmen die Liste der wertvollsten Firmen aufmischen und einen Tag, nachdem mit Amazon ein Unternehmen aus der gleichen Generation wie Wirecard den Börsenwert von einer Billion Dollar überschritten hat, erreicht der digitale Fortschritt endlich auch die deutsche Börse.

Der Anfang einer Stammzellenkur für den Dax

Das 1999 gegründete Wirecard ist ein Beispiel dafür, wie eine verkrustete Branche durch disruptive Geschäftsmodelle aufgebrochen werden kann. Dass Wirecard mit seinen Finanzlösungen inzwischen vom Markt als wertvoller bewertet wird als alle anderen deutschen Banken, ist weniger ein Urteil über die knapp 20-Jährige Firma, sondern vielmehr über das kollektive Versagen im deutschen Finanzwesen.

Die Deutschland AG braucht das Innovationspotential der jungen Unternehmen, die dem Wirtschaftsstandort Deutschland neue Dynamik und neue Visionen geben. Das muss kein Gegeneinander sein. Startups und etablierte Unternehmen müssen zu mehr Kooperation finden, wenn wir im digitalen Wandel wettbewerbsstark bleiben wollen. Die Commerzbank hat dafür einen eigenen Startup-Accelerator in Frankfurt gegründet, in dem Technologien und Geschäftsmodelle austariert werden. Sie wird von dieser Stammzellenkur profitieren. Andere operieren mit ähnlichen Modellen.

Der Dax darf nicht vergreisen. Ein fast 20 Jahre altes Unternehmen wie Wirecard ist als Neuaufnahme noch lange keine Stammzellenkur. Aber sie ist – immerhin – ein Anfang. Bis der Startup-Hoodie neben dem Anzug und Zalando neben Siemens als Symbole für den Deutschen-Aktien-Index taugen, dauert es hoffentlich nicht mehr lang. Dass seit heute SAP nicht mehr das einzige Unternehmen im Dax ist dessen Gründer noch leben, ist ein Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

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