Kommentar

Wirecard: Warum der Skandal eine bittere Pille für die deutsche Fintech-Szene ist

Seite 2 / 2

Fall Wirecard beschädigt die Bafin und die Fintech-Szene

Der Fall Wirecard ist nämlich mehr als nur eine filmreife Geschichte über ein Unternehmen, das in den letzten zwanzig Jahren vieles erreicht hat, manchem suspekt blieb, zugleich aber auch insbesondere in den letzten fünf Jahren als eine deutsche Erfolgsgeschichte galt. Jetzt könnte Wirecard zu einem Imageschaden für die deutsche Finanz- und Bankenszene führen, insbesondere auch Investoren abschrecken, die in den letzten Jahren die Startups der Finanztechnologie als durchaus interessante Spielwiese sahen.

Beschädigt ist aber auch der Ruf der deutschen Finanzaufsicht, die zumindest in der internationalen Fintech-Szene einen Ruf als gerechte Aufsichtsbehörde genoss. Die Bafin gilt als weniger pingelig, als es der britischen Financial Conduct Authority (FCA) nachgesagt wird – und dadurch in Maßen auch aufgeschlossen für Unternehmen der Fintech-Szene, die in den letzten Jahren weltweit einen bemerkenswerten Aufstieg erlebte. Hier gilt es, in Zukunft fein zu trennen: zwischen technologischen und bilanziellen Themen. Denn unterm Strich könnte der Fall Wirecard in ähnlicher Form auch in anderen (komplexen) Branchen passieren.

Zunächst leidet vor allem die Wirecard-Aktie: Rund 14 Euro ist das Papier derzeit an den Märkten wert, mehr als 190 Euro wurden vor gerade einmal zwei Jahren aufgerufen, als die Wirecard die Commerzbank aus dem Dax stieß – welch symbolträchtiges Bild. Sieht so aus, als ob der Traum des Payment-Vorzeigeunternehmens erst einmal ausgeträumt ist. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich ein Teil der Vorwürfe als nicht ganz so gravierend herausstellen würde, wird Wirecard ein Unternehmen bleiben, dem diese Skandal auf Dauer anhaften wird. Hoffen wir, dass Fintechs mit interessanter Technologie und sauberer Bilanz nicht ebenfalls darunter leiden müssen.

Das könnte dich auch interessieren:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Ricardo

Es ist wirklich absolut heftig was bei Wirecard in den letzten Tagen geschehen ist. Ich erinnere mich hier an den Bilanzskandal von Steinhoff International, bei welchem unter anderem einige Luftbuchungen die Bilanz deutlich aufgebläht haben. Es bleibt abzuwarten, OB das Geld, das ursprünglich auf den Treuhandkonten liegen sollte, überhaupt je existierte. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass die aktuell finanzierenden Banken ihre Kredite fällig stellen… Eine Zahlungsunfähigkeit von Wirecard und die daraus resultierenden, unvorhersehbaren Auswirkungen dürften in keinermanns Interesse sein.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung