Reportage

Wissenschaftler erklären, wie man zum Social-Media-Star wird

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So einer will Paul Pieczyk (16) nicht werden, sagt er. Oder nur ein bisschen: „Ich wollte schon immer bekannter werden – weil es mir Spaß macht, wenn ich gute Sachen mache für Leute, denen genau das gefällt.“ Er ist Youtuber, macht als „Mcquasi“ Gaming-Videos. 300 Follower hat er. „Als ich noch unter 100 hatte, wollte ich die 100 erreichen“, sagt er. „Jetzt wären es die 500.“ Mehr Abonnenten seines Kanals bedeuten eine größere Reichweite – und das bedeutet für ihn: „Dann kann man auch mit anderen Leuten was machen, auch mal wo mitmachen.“ Bei bekannteren Gaming-Youtubern.

(Foto: Alexey Boldin/Shutterstock)

Genau das wiederum ist den Bamberger Wissenschaftlern zufolge ein guter Weg, um erfolgreich zu werden auf Youtube. Gute Kameras und Beleuchtung, HD-Qualität und professioneller Schnitt reichen jedenfalls nicht. Essentiell ist, sich zu vernetzen mit Kanälen, die wiederum viele oder sehr wichtige Abonnenten haben. Fischbach und seine Kollegen nutzen die Popularität der Plattform, um Jugendliche in Workshops für die Forschung zu begeistern – und ihnen Problembewusstsein zu geben. Denn Unternehmen denken, erklärt er, sehr viel drüber nach, welche Kanäle sie bedienen müssen, um mit ihrem Marketing erfolgreich zu sein. Die Daten und wissenschaftliche Methoden erlauben es, vorauszusagen, wer oder welches Thema in ein paar Wochen groß wird – wer die kommenden Stars sind.

Jugendliche wissen wenig über Geschäftsmodelle

Dabei wissen Jugendliche äußerst wenig über die Geschäftsmodelle in sozialen Netzwerken, wie eine Studie des JFF-Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis zeigt. Youtube-Stars funktionierten aber anders als Film- oder Musikstars, erklärt der Forschungsleiter des Instituts, Niels Brüggen. Denn sie wirkten lebensnaher und eigneten sich deshalb noch besser zur Identifikation und als Vorbild. „Dass der Erfolg aber nicht selbstgemacht ist oder kommt, weil diese Personen so nett sind, sondern dass da Agenturen dahinter stecken – das ist gut, wenn man das durchblicken kann.“

Mehrere Stunden pro Tag schaut Annemarie Videos auf Youtube, die von LeFloid zum Beispiel. Die Wirtschaftsinformatiker fragen: Welche Youtuber verbinden Nutzergruppen miteinander – und warum? Was machen sie, um ihre wichtige Position zu bekommen? Annemarie findet das spannend. „Mich interessiert, ob alle in so einem Netzwerk der gleichen Meinung sind – oder ob sie da zufällig sind.“ Sie will Youtube verstehen, sagt sie, und „wie gläsern man ist.“

Von Sophie Rohrmeier, dpa

Mehr zum Thema: 60 Millionen Views in 30 Tagen: Wie Promiflash bei Youtube alle anderen Kanäle abhängt

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2 Kommentare
Steph Zett
Steph Zett

Warum bin ich der erste Kommentar ?
Ich finde den Artikel sehr interessant, aber mein Youtube-Star fällt nicht in diese
Sparte. Vielleicht ist es in Deutschland anders als in Amerika.
Ich glaube, Werbung macht gar nicht so viel aus, sondern Leute
die eine Idee finanzieren wollen.
Wenn ich Geld habe, dann unterstütze ich etwas was mir von
der Message her gefällt. Ich würde es nicht als Lobbyismus
bezeichnen, sondern als Weltgestaltung oder Gesellschaftsgestaltung.
In Deutschland wird glaube ich gerne quer geschossen
und
die finanzielle Unterstützung und das Konzept stehen vorher.
Das wirkt dann intransparent und Leute fragen sich dann halt
warum Bibi ? In so kurzer Zeit usw. …
Vorallem, wenn sie auch YouTubern in anderen Ländern
folgen.
Ich komme von der McJugger-Seite, hier geht es um den jahrelangen
Kampf um die eigene YouTube-Intentidät, was authentisch
wirkt, Geld ist lange ein Problem usw. …
Dagegen kann das Bibi-Konzept provokant wirken.
Sie hat ein paar kleine Videos gemacht über nacht das
gesamte Style geändert und drei Videos später zieht sie
schon in die neue, sehr teure Wohnung.
Da sind Lücken in der Handlung, das zieht Fragen und auch Neid
auf sich. Nicht dass der McJugger-Channel nicht auch
mit Neid und Hass zu kämpfen gehabt hätte.
Aber jetzt als normaler, intelligenter und kritischer Bürger
geht das alles nicht zusammen.
Bibi hätte eine viel gesichertere Fan-Base, wenn man einen langen
Kampf auch finanziell sehen könnte.
Da kommt erst der Mensch rüber, es wirkt realistisch, man gönnt
ihr einen späteren Erfolg.
Mädchen in teuren Wohnungen sprießen ja wie Schwammerl
aus dem Boden, da stellt man sich zwangsläufig Fragen.
Vorallem wenn man Euginia Cooney im Hinterkopf hat.

Antworten
Tim
Tim

Ich habe gelernt, dass man als kleiner YouTuber einfach nur ansprechende Themen, auffällige Thumbnails und für den Anfang ein wenig Werbung in sozialen Medien braucht (zBs Kommentare mit Link zum Video posten).

Ich bin jetzt 14 und mache YouTube Videos jetzt schon seit ca 3 Jahren gezogen über 4 verschiedene Kanäle. Wie soll ich sagen, aus Fehlern lernt man wirklich. Schaue ich mir heute meine alten Videos an schäme ich mich schon. Damals habe ich Videos mit dem Movie Maker bearbeitet, heute mit Sony Vegas.

Mein jetziger Kanal basiert nur auf einem Spiel (MMO) mit einer relativ großen Reichweite. Mein erstes erfolgreiches Video hat ganze 40.000 Views, der 2. Teil der Reihe kommt auf 20.000 . Vor meinem ersten erfolgreichen Video hatte ich gerade Mal 20-25 Abonnenten, mittlerweile 800. Ich setze mir keine Ziele mehr, meine Videos haben ca 1/10 der Zielgruppe des Spiels auf YouTube erreicht, was der Wahnsinn ist.

Den Durchbruch von meinem ersten Video habe ich bekommen, indem ich auf der Facebook Seite das Video verlinkt habe. Ich habe nicht gespamt, sparsam war ich aber auch nicht.
Bis ca 500 Views kamen die meisten Views noch von Facebook, ab da wurde dann der YouTube Algorithmus auf mein Video aufmerksam und Zack hätte ich innerhalb von zwei Wochen 10.000 Views mit gerade Mal 20-25 Abonnenten. :)

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