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Interview

Warum sich Withings in Nokia Digital Health umbenannt hat

Mit dem Tracker Steel soll der Nutzer auch seine Schlafphasen überwachen und in einer App ansehen können. (Foto: Nokia)

Die Gadget-Marke Withings wird zu Nokia Digital Health. Warum sich das Unternehmen für diesen Schritt entschieden hat, erklärt Withings-Gründer Cédric Hutchings im Interview.

Schon auf dem Mobile-World-Congress im Februar hatte es Nokia angekündigt, in der vergangenen Woche wurde es dann umgesetzt: Withings heißt nun Nokia Digital Health. Damit verschwindet das Label des 2008 gegründeten Gadget-Herstellers vom Markt. Die Franzosen hatten Withings im April 2016 an Nokia verkauft. Warum die Marke nun verschwindet und was sich seit der Übernahme geändert hat, erklärt Cédric Hutchings, Withings-Gründer und jetzt Vizepräsident von Nokia Digital Health, im Interview mit t3n.de.

„Nokia zieht besser als Withings“

t3n.de: Cédric, ihr habt am Dienstag große Neuigkeiten bekanntgegeben: Aus Withings wird Nokia Digital Health. Warum?

Cédric Hutchings: Aus drei Gründen. Nokia als Marke ist bei den Verbrauchern sehr bekannt. Studien zeigen, dass 95 Prozent der Menschen den Namen kennen. Das ist eine ganz andere Größenordnung als bei Withings. An zweiter Stelle steht der kulturelle „fit“. Die Marke Nokia wird mit Vertrauen und Verantwortlichkeit assoziiert und das sind zwei relevante Säulen, wenn du ein Produkt rund um Gesundheit herausbringst. Dein Wohlbefinden ist schließlich ein sehr persönliches Thema.

t3n.de: Zieht Nokia denn wirklich besser als Withings?

Das haben wir uns auch gefragt und das ist eben der dritte Punkt. Wir haben eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben, das Ergebnis ist eindeutig: Die Ziehkraft liegt bei demselben Produkt in derselben Zielgruppe deutlich höher, wenn Nokia drauf steht statt Withings. Auch wenn es nach Marketing klingt: Das war für uns ein wichtiger Prozess, den wir schon im Oktober begonnen haben.

„Nokia ist schnell genug vom Markt verschwunden.“

t3n.de: Nokia ist natürlich eine bekannte Marke, aber sie wird auch mit Scheitern assoziiert. Ist der Name dadurch überhaupt noch ein positives Label?

Auf jeden Fall. Von den 95 Prozent der Menschen, die Nokia kennen, sehen 80 Prozent die Marke positiv. Natürlich ist Nokia ein Unternehmen, das einmal Mobiltelefone herstellte und dann sehr schnell vom Markt verschwunden ist. Aber ich glaube, dass dieses Verschwinden schnell genug ging, um die Marke nicht nachhaltig zu schädigen. Jetzt geht es darum, die Marke neu zu besetzen. Das Unternehmen ist immer noch riesig und zählt mehr als 100.000 Mitarbeiter. Die Verbraucher kennen die Marke, aber es gibt eigentlich kein Produkt mehr für den Konsumenten. Das müssen wir ändern.

t3n.de: Man könnte also sagen, dass ihr einfach dieselben Produkte nehmt und ihnen einen neuen Namen verpasst.

Das stimmt zur Hälfte. Ich höre das ganz gerne, denn wir nehmen unsere Vision und bauen sie aus. Das ist ja keine neue Vision, sie wird einfach nur größer. Wenn du jetzt in einen Media Markt oder Saturn gehst, dann siehst du die neuen Produkte unter dem Label Nokia – das hoffe ich zumindest, ich war noch nicht in jedem einzelnen Laden. Aber es stimmt auch nur halb, weil die App, die wir jetzt gebaut haben, wirklich neu ist.

Cédric Hutchings hat Withings gegründet und arbeitet jetzt als Vizepräsident Digital Health bei Nokia. (Foto: Nokia Digital Health)

t3n.de: Das Thema digitale Gesundheit steht allerdings noch am Anfang, auch wenn die Investitionen seit Jahren steigen. Wie wollt ihr es salonfähig machen?

Es ist ein wachsender Markt und das ist wichtig. Für Nokia soll Digital Health ein Wachstumstreiber darstellen. Wir haben ein breites Portfolio aus unregulierten und regulierten Produkten. Und wir wollen das Thema beim Individuum ansiedeln. Wir müssen das richtige Gerät an den richtigen Nutzer bringen.

t3n.de: Ihr habt am Mittwoch schon einige neue Geräte angekündigt, etwa eine digitale Waage, die mir den BMI verrät, oder auch ein digitales Blutdruckmessgerät. Was stellt ihr euch noch vor? 

Mehr Auswahl und Annehmlichkeit. Wir haben ja nicht nur die beiden Produkte auf den Markt gebracht, sondern auch eine neue App. Die beinhaltet ein Coaching-Programm, das einen gesunden Lifestyle fördern soll, aber eben angepasst auf jeden Einzelnen.

t3n.de: Kannst du dafür ein Beispiel nennen?

Es soll die persönlichen Anforderungen berücksichtigen. Nehmen wir Schwangerschaft als Beispiel. Es bringt der Nutzerin in einem solchen Zustand wenig, wenn die App ihr sagt: Du hast Gewicht zugelegt. Unsere App setzt diese Gewichtszunahme in den richtigen Kontext und hilft dir in dieser spezifischen Phase.

t3n.de: Was ist mit den alten Produkten, die noch unter Withings verkauft wurden? Funktionieren die auch mit dieser App?

Ja, sie wurden entsprechend aktualisiert. Das war uns sehr wichtig.

Nokia Digital Health: „Wir haben jetzt mehr Ressourcen“

t3n.de: Wie wollt ihr euch von Konkurrenten wie etwa Jawbone absetzen?

Der Wettbewerb kommt ja nicht nur von Jawbone. Wir stehen natürlich mit Fitnesstrackern in Konkurrenz, aber auch mit Elektronikunternehmen oder traditionellen Healthcare-Konzernen. Wir wollen als Unternehmen in die Breite gehen und all das vereinen.

t3n.de: Withings wurde schon vergangenes Jahr von Nokia übernommen. Was hat sich seitdem für euch verändert, abgesehen jetzt vom Namen?

Sagen wir so: Die Grundidee hat sich nicht verändert, Nokia teilt unsere Vision. Was sich aber geändert hat, ist, dass wir jetzt mehr Ressourcen haben, mit denen wir unsere Pläne umsetzen können. Ich meine damit nicht nur Finanzen, sondern auch den Bereich Entwicklung oder Mitarbeitergewinnung. Die neue App ist beispielsweise schon aus einem Team von Withings und Nokia entstanden.

t3n.de: Wie hat die Integration genau funktioniert?

Man muss hier zwischen dem Team und der Führungsebene unterscheiden. Die Teams befinden sich noch in Paris, Boston und Hongkong, wie früher. Ein paar Leute, inklusive mir selbst, sind aber an die Westküste gezogen, wo die Führungsetage von Nokia Tech sitzt. Für die Koordination war das einfach wichtig.

Der Tracker Steel zählte ursprünglich unter der Marke Withings. Jetzt steht auf dem Gadget Nokia. (Foto: Nokia)

t3n.de: Vorher warst du der Geschäftsführer des ganzen Unternehmens, jetzt hast du noch einen Chef über dir. Ist das ungewohnt?

Es ist kein riesiger Wandel, weil ich ja immer noch in leitender Funktion bin. Mein Boss ist der Chef von Nokia Tech und hat viele Geschäftsfelder. In meinem Feld habe ich immer noch die Zügel in der Hand. Es ist zwar nicht mehr mein Unternehmen, aber ich bin ja immer noch verantwortlich für alles, was hier passiert, für die Ziele und wie wir sie erreichen. Genauso wie vorher.

t3n.de: Was ist eure Vision? 

Unsere Vision ist es, Tools und Lösungen herzustellen, die dir dabei helfen, auf deine Gesundheit zu achten. Langfristig wollen wir auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient verändern durch neue Einblicke in das Wohlbefinden.

„Wir wollen die Nummer eins auf dem Markt werden.“ 

t3n.de: Wie wollt ihr das erreichen? Durch Zukäufe? 

Das kann ein Teil sein, ganz klar. Aber grundsätzlich können wir uns alles vorstellen, da gibt es keine Grenzen. Nokia hat sich dem Feld Digital Health verschrieben und wir wollen die Nummer eins auf dem Markt werden. Daran arbeiten wir jetzt.

t3n.de: Cédric, danke für das Gespräch.

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