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Startups

Workaway: Wie ein einsamer Freelancer das Gründen zum All-Inclusive-Abenteuer macht

Workaway ist Gründen All-Inclusive. (Foto: Workaway)

Pfeif’ auf dein ödes Büro, bringe dein Business auf das nächste Level und erklimme dafür den Gipfel des Kilimandscharo. Klingt das verlockend? Mit Workaway, einer Online-Reiseagentur für Gründer, macht der Däne Nikolaj Astrup Madsen genau solche Abenteuer möglich. Was hinter der Idee steckt und warum interessierte Gründer statt einer Badehose lieber eine lange To-Do-Liste in den Koffer packen sollten, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Nein, wie ein normaler Tag im Leben eines Gründers sieht das Foto auf dem Twitter-Profil von Nikolaj Astrup Madsen wirklich nicht aus. Lässig mit Sonnenbrille und einer Hand in der Hosentasche posiert er da zwischen Schlafsäcken, blechernen Wasserkochern und gelben Trekkingzelten. In seinem Arm die lächelnde Freundin. Hinter ihm: Blauer, wolkenloser Himmel – und der 5.895 Meter hohe, schneebedeckte Gipfel des Kilimandscharo.

Ein majestätischer, ja, irgendwie unwirklicher Anblick.

Workaway-Gründer Nikolaj Astrup Madsen auf einem Trip seiner Online-Reiseagentur für Entrepreneur. (Foto: Nikolaj Astrup Madsen/Twitter)
Workaway-Gründer Nikolaj Astrup Madsen auf einem Trip seiner Online-Reiseagentur für Entrepreneure. (Foto: Nikolaj Astrup Madsen/Twitter)

Doch Madsen, gebürtiger Däne, lebt seinen Traum – und gerne teilt er ihn an diesem herrlichen Frühlingstag mit 20 anderen Gründern, die hier nicht nur das Klettererlebnis, sondern vor allem nach dem richtigen Erfolgsrezept für ihr Geschäftsmodell suchen. Denn das ist das Business von Nikolaj Astrup Madsen: Das Foto zeigt einen Trip von Workaway, einer Art Online-Reiseagentur für Internet-Unternehmer, die er vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat.

Workaway, Erlebnisreisen für Webworker und Gründer

Wer die Webseite von Workaway besucht, bekommt schnell Abenteuerlust. Derzeit werden dort vier Trips angeboten, darunter eine Klettertour auf Europas höchsten Berg, den russischen Elbrus, und mehrere Erlebniswochen in Luxus-Fincas. Zur Auswahl stehen Italien, Spanien und Marokko. Im Unterschied zu gewöhnlichen Pauschalreisen geht es bei Workaway aber nicht ums Urlaubmachen. „Das Ziel all dieser Reisen ist es, dein Business voranzubringen oder direkt eines vor Ort zu starten“, erklärt Erfinder Madsen.

So bucht man bei Workaway auch nicht allein, sondern immer mit 20 anderen Gründern aus allen Bereichen. Entwickler, Designer und Shopbetreiber seien laut Madsen ebenso vertreten wie SEO-Spezialisten, Studenten und CEOs. „Sogar einen ehemaligen Einrad-Weltmeister hatten wir schon dabei.“

Für den 28-Jährigen ergibt sich daraus eine magische Mischung: „Es entstehen Beziehungen, die irgendwo zwischen professionellem Netzwerken und lockeren Freundschaften liegen.“ Das mache es viel leichter, so Madsen weiter, einander zu helfen und wichtiges Wissen zu teilen. Wer gerade an einem Geschäftsmodell arbeitet, der kann davon nur profitieren. „Manchmal erhält man von einem Teilnehmer einen Tipp zu einem Feature, auf das man Zuhause vielleicht gar nicht gekommen wäre“, sagt Madsen. Dies könne man dann sofort in sein Produkt einbauen und es so nachhaltig verbessern. Oft gehe es auch um Überlegungen zur Strategie eines Produkts, in jedem Fall aber biete Workaway „das perfekte Ambiente, um sich voll auf das eigene Projekt zu fokussieren“, verspricht Madsen.

„Irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr, einsam im Home-Office zu versauern“

Workaway-Erfinder Nikolaj Madsen: Die Idee kam, als ihm die Decke auf den Kopf fiel. (Foto: Twitter)
Workaway-Erfinder Nikolaj Madsen: Die Idee kam, als ihm die Decke auf den Kopf fiel. (Foto: Twitter)

Gekommen ist ihm die Idee zu Workaway im Sommer 2012. Damals war Madsen noch als dänischer Country-Manager für eine schwedische E-Commerce-Firma tätig. Erfüllt hat ihn das nicht. „Es war immer mein Traum, im Ausland zu arbeiten“, sagt er. Außerdem habe seine Freundin zu dieser Zeit die Zusage für einen Masterplatz an der Universität Peking bekommen. „Das war die ideale Chance.“

Madsen geht mit nach China, wird Freiberufler, berät Firmen im Online-Marketing, arbeitet von Zuhause aus. Doch es dauert nicht lange, da fällt ihm die Decke auf den Kopf. „Ich habe schnell gemerkt, dass der Übergang vom richtigen Büro mit Kollegen hin zum reinen Home-Office viel schwieriger ist, als ich das anfangs erwartet hatte. Irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr, einsam Zuhause zu versauern.“

„Innerhalb von 24 Stunden buchen sich 20 Leute per Überweisung ins Camp nach Barcelona ein.“

Die Not verhilft Madsen zu einem Einfall: Wie wäre es, einige Gleichgesinnte zu finden und mit ihnen für eine Woche nach Spanien zu fahren? Ein bisschen arbeiten, ein bisschen relaxen. „Ich hielt das für einen guten Ansatz, um mein Kontaktnetzwerk zu vergrößern“, erklärt Madsen in der Rückblende.

Daraufhin veröffentlicht er einen Blogpost, teilt seine Idee und wirbt um fünf Mitstreiter für einen Testballon: eine Reise nach Barcelona. Der Plan geht auf: Innerhalb von nur 24 Stunden buchen sich 20 Leute per Überweisung für den Trip ein. Eine „große Überraschung“ sei das gewesen. Durchgezogen habe er die Aktion trotzdem. Mit Erfolg, wie sich herausstellt: „Das war das mit Abstand wertvollste Networking, das ich je betrieben habe“, resümiert Madsen. Natürlich, es gebe Tech-Konferenzen und viele weitere Events. „Wenn man aber für eine Woche gemeinsam mit anderen Gründern unter einem Dach lebt, isst und arbeitet, dann ist das viel mehr als das.“

Schöner und besser gründen – ab 800 Euro

In diesem Landhaus in der italienischen Umbria-Region werden im Mai 2015 rund 20 Entrepreneure an ihrem Geschäftsmodell basteln. )Foto: Workaway)
In diesem Landhaus in der italienischen Umbria-Region werden im Mai 2015 rund 20 Entrepreneure an ihrem Geschäftsmodell basteln. (Foto: Workaway)

Wie viel mehr, das zeigt das Beispiel „Workaway Italy“, ein sechstägiger Trip, der im Mai kommenden Jahres stattfinden soll. Auf einer Farm im Herzen der Umbria-Region werden dann 20 Gründer unterschiedlichster Herkunft an ihrer Geschäftsidee arbeiten. Damit sich dabei auch jeder wohl fühlt, hat Madsen für die richtigen Rahmenbedingungen gesorgt:

Es gibt einen Pool, einen Koch, einen Weinkeller, ein Lagerfeuer, eine schöne Natur und natürlich WiFi. Alles inklusive, versteht sich, für 800 Euro.

„My goal is to put more value in a Workaway trip than you would ever get in a lousy tech-conference.“

Die Zeit können sich die Gründer während der sechs Tage frei einteilen. Ob man sich durchgängig seinem Projekt widmet oder zwischendurch auch mal mit Wanderstiefeln oder dem Mountainbike ausbricht, spiele keine so große Rolle. Hauptsache man vergesse bei allem Komfort eben nicht, warum man bei so einem Ausflug in die Pampa überhaupt mitmacht. Und zumindest Madsen hat da klare Vorstellungen: „My goal is to put more value in a Workaway trip than you would ever get in a lousy tech-conference.“ Dafür sorgen vor allem Workshops und Feedback-Gespräche, die es in jedem Camp gibt. „Bei unserem letzten Trip hatten wir zum Beispiel einen Experten für Facebook-Ads zu Gast“, sagt Madsen.

Impressionen aus den Workaway-Camps

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Im Kern gehe es bei Workaway immer um den sozialen Aspekt auf der einen und den praktikablen Nutzen auf der anderen Seite. Gründern rät Madsen, sich dafür eine lange ToDo-Liste mit klaren Zielen zurechtzulegen, die in der Workaway-Woche erreicht werden sollen. Es lohnt sich, betont Madsen. Glaubt man ihm, kann man sich in jedem Fall auf gute Kontakte freuen: „Wir haben sowohl Studenten mit kleineren Startup-Projekten als auch erfolgreiche Serial-Entrepreneurs dabei, die ihr Unternehmen für mehrere Millionen Euros verkauft haben.“ Das lustige dabei sei, so der Workaway-Gründer weiter, dass beide Seiten gleichermaßen voneinander lernen können – vorausgesetzt, sie lassen sich drauf ein.

Workaway: Der Traum vom globalen Franchise

„Ich wüsste nicht, warum es nicht 100 Workaway-Trips pro Jahr geben sollte.“

Zweifler mögen das für eine leere Versprechung halten, wie sie von Tech-Konferenzen gerne ausgegeben wird. Doch der Erfolg gibt Madsen, der heute in Barcelona lebt, Recht. Aus dem anfänglichen Hobby-Projekt ist längst das tragfähige Business eines Solopreneurs geworden. Madsen hat kein Team, ist Mädchen für alles. Er hat alles aus eigener Tasche finanziert. Natürlich könne er als Berater mehr verdienen, doch von Workaway kann er inzwischen leben, wie Madsen verrät. Etwa 15 Buchungsanfragen bekommt er jeden Monat. Steht ein Workaway-Trip – wie der nach Marokko im Januar – kurz bevor, seien es noch mehr.

Damit das so bleibt, denkt Madsen aber schon an die Zukunft. Denn er weiß auch: Workaway im Alleingang skalieren und zu einem richtig großen Ding machen? Das geht nicht. Und so ist ihm vor kurzem die Idee zu einer Art Franchise-System gekommen. „Jeder soll Workaway-Trips hosten können“, erklärt Madsen. „Wie wäre es, wenn ein Gründer aus Deutschland die Leitung für einen Trip übernimmt, 20 Leute einsammelt und mit ihnen in eine unserer Locations fährt? Er würde die Flüge und vielleicht noch ein kleines Gehalt ausgezahlt bekommen.“

Nikolaj Astrup Madsen hält das für eine gute Idee: „Ich wüsste nicht, warum es nicht schon bald 100 Workaway-Trips pro Jahr geben sollte.“

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