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Microsoft im Kaufrausch: Wie es mit Wunderlist jetzt weitergeht

Was wird aus Wunderlist? (Screenshot: Wunderlist)

Mit dem Kauf von Wunderlist komplettiert Microsoft vorerst seine Vision einer magischen Produktivitätssuite. Wie aber geht es mit der beliebten To-do-App jetzt weiter? Drei Szenarien für die Zukunft.

Wunderlist: Microsoft vollendet „magisches Dreieck“

Die deutsche Gründerszene ist um einen Exit mit großer Signalwirkung reicher: Microsoft hat 6Wunderkinder gekauft. Der Kaufpreis für den Pionier der Berliner Startup-Bewegung soll bei bis zu 200 Millionen US-Dollar liegen. Eine Menge Geld für eine augenscheinlich nicht mehr als hübsch gestaltete To-do-App. Die aber passt hervorragend in die von Microsoft propagierte Neuausrichtung.

Wunderlist gehört jetzt Microsoft. Wie aber geht es mit der von 15 Millionen Menschen genutzten To-do-App weiter? (Bild: Wunderlist)
Wunderlist gehört jetzt Microsoft. Wie aber geht es mit der von 15 Millionen Menschen genutzten To-do-App weiter? (Bild: Wunderlist)

Der Windows-Konzern konzentriert sich angesichts großer Defizite im eigenen Haus verstärkt auf den Zukauf mobiler und plattformübergreifend verfügbarer Produktivitäts-Apps mit großer Nutzerbasis. So hat Microsoft erst im Dezember die beliebte von CEO Satya Nadella sollen Nutzer so stärker an das Ökosystem von Microsoft gebunden werden und in der Konsequenz die eigenen Smartphone- und Tablet-Verkäufe ankurbeln.

Wie es mit Wunderlist jetzt weiter geht

Unbeantwortet ist indes noch die Frage, wie es mit Wunderlist jetzt im Detail weitergeht. Zwar soll das Entwickler-Team weiter in Berlin arbeiten, dass die softwareseitige Zukunft von Wunderlist aber erheblich von Microsoft als neuem Schirmherr über das von 15 Millionen Menschen genutzte To-do-Tool abhängt, ist logisch.

Auf entsprechende Veränderungen werden sich Nutzer mittelfristig einstellen müssen. Ob Wunderlist dabei das anvisierte Ziel von 100 Millionen Nutzern erreichen kann, hängt davon ab, wie Microsoft die To-do-App in sein Ökosystem integriert. Dabei sind grundsätzlich drei Szenarien denkbar.

Szenario 1: Wunderlist bleibt Wunderlist

Microsoft verzichtet vorerst auf eine Verzahnung des Windows-Ökosystems mit Wunderlist. Das Unternehmen hinter der To-do-App operiert weitgehend unabhängig als 100-prozentige Tochter des Konzerns und flankiert das „Mobile-first“-Geschäft mit starken Wachstumsraten. Neue, wie bestehende Nutzer sind nicht an ein Microsoft-Konto gebunden. Wie das funktionieren kann, zeigt Facebook bis heute mit WhatsApp.

Dafür spricht:

  • Microsoft gefährdet vorerst nicht Spirit, Design und Innovationskraft von Wunderlist. Mit Skype beispielsweise hat Microsoft den Messaging-Trend komplett verschlafen.
  • Man sammelt Sympathiepunkte bei bestehenden Nutzern.
  • Das Team soll weiter eigenständig in Berlin arbeiten.

Dagegen spricht:

  • 6Wunderkinder, die Firma hinter Wunderlist, ist nicht profitabel. Im letzten Jahr konnte das Startup mit seinem kostenpflichtigen Premium-Account gerade mal 30 Prozent seiner Kosten decken.
  • Wunderlist wächst nicht schnell genug. Mit tiefgreifenden Integrationen in den Windows-Kosmos sieht das ganz anders aus.

Szenario 2: Wunderlist ereilt das Schicksal von Acompli

Nach der Übernahme von Acompli durch Microsoft ist abgesehen von der Technologie nichts mehr von der E-Mail-App übrig geblieben. Ereilt dieses Schicksal auch Wunderlist? (Screenshot: t3n)
Nach dem Kauf von Acompli durch Microsoft ist abgesehen von der Technologie nichts mehr von der E-Mail-App übrig geblieben. Ereilt dieses Schicksal auch Wunderlist? (Screenshot: t3n)

Microsoft verleibt sich die Technologie und das berüchtigte Design-Team ein und veröffentlicht einfach eine ganz neue To-do-Anwendung unter eigenem Namen. Mit der App stirbt dann auch langsam die Marke Wunderlist. Dieses Schicksal ereilte zum Beispiel die erst kürzlich übernommene E-Mail-App Acompli, die jetzt unter Microsofts „Outlook“ firmiert.

Dafür spricht:

  • Die Marke Wunderlist ist verglichen mit Skype nicht groß, beziehungsweise strahlkräftig genug, um sie weiter eigenständig zu betreiben.
  • Microsoft verfügt bislang über keine vollwertige mobile Produktivitätssuite. Das könnte sich schlagartig ändern, wenn man OneNote und Wunderlist vereint.

Dagegen spricht:

  • Ein Startup, das man nur wegen seiner Technologie und der Mitarbeiter zukauft (siehe auch: Acqui-hire), lässt man nicht weiter in Berlin arbeiten, sondern holt es ins Hauptquartier – in diesem Fall nach Redmond. Das aber soll dem Vernehmen nach nicht passieren.
  • Der zu erwartende Unmut von etwa 15 Millionen Nutzern.

Szenario 3: Microsoft wählt die goldene Mitte

Microsoft fährt eine Mischstrategie und integriert Wunderlist nach dem Vorbild von Skype eng mit Hausdiensten wie Outlook oder OneNote. Die To-do-App als solche aber bleibt weiter eigenständig bestehen. Einzige Einschränkung: Neue Nutzer kommen um ein Microsoft-Konto dann nicht mehr herum.

Dafür spricht:

  • Gesunder Kompromiss zwischen dem Erhalt der Unabhängigkeit für alte Nutzer und der Bindung neuer Nutzer an Microsoft.
  • Das geringste Risiko.
  • Der kleine, aber beachtliche Markenwert von Wunderlist.
  • Das Beispiel der Kalender-App Sunrise.

Dagegen spricht:

  • Weniger zugkräftige Bindung der rund 15 Millionen bestehenden Nutzer an das Microsoft-Ökosystem.

Und welches Szenario wünscht ihr euch für Wunderlist?

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