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Interview

Wysker: Warum wir auf Cryptocurrency und einen ICO setzen

Erster deutscher ICO: Wir haben bei Wysker nachgefragt. (Screenshot: Wysker)

Wir haben mit den Erfindern der Shopping-App Wysker gesprochen und sie gefragt, wie sie zu ihrem Geschäftsmodell kamen und warum sie es mit Kryptogeld finanzieren wollen.

Wysker ist angetreten, Entdeckungen in der Shopping-Welt leichter zu machen. Die Idee dahinter: Schaufenster checken, Teil finden, kaufen. Und genau das macht die Wysker App. Die App ist ein Schaufenster, in der mit unendlicher Geschwindigkeit Produktbilder an deinen Augen vorbeirasen. Wenn dir was Tolles auffällt, klickst du einfach und bestellst es.

Die Macher, die beiden Geschwister Tobi und Ann-Lauriene Haag sowie Kai Jaeger, haben Tausende von Produkten ausgewählt und bieten damit eine Alternative zu Instagram. Genau genommen sieht sich Wysker irgendwo zwischen Pinterest, Instagram und Amazon. Pinterest liefert Inspiration, doch der Nutzer kann dort nichts kaufen. Amazon wiederum ermöglicht shoppen, ohne dass der Kunde inspiriert wird. Der Vorteil gegenüber Instagram: Der Kunde ist direkt in der Customer Journey auf dem Weg zum Kauf. Wysker kann damit Kaufabsichtsdaten identifizieren und ist so die bessere Werbeplattform.

t3n.de: Wysker soll am 1. Dezember 2017 mit 200.000 Produkten starten. Was muss bis dahin noch passieren?

Tobi: Bislang haben wir 50.000 Produkte ausgewählt, die zum Launch in der App zu sehen sein sollen. Starten wollen wir mit 200.000 Produkten. Es gibt also noch einige Perlen im Web zu entdecken, die wir in die App aufnehmen wollen. Parallel läuft der ICO.

So sieht die Wysker-App aus. (Screenshot: Wysker )

Zum ICO Kommen wir später. Jetzt erst einmal zur Wysker App: 50.000 Produkte im Web zusammensuchen – wird das nicht irgendwann langweilig?

Tobi: Nein, im Gegenteil. Du wirst eher kaufsüchtig. Du kuratierst die geilsten Produkte und kannst nix kaufen, weil du all dein Geld in dein Unternehmen investiert hast. Ich habe mich inzwischen auf das Wesentliche reduziert: weißes T-Shirt und schwarze Hose. Wenn wir mit unserer App Geld verdienen, dann werde ich mir aus jedem Stream (wir haben 300.000 bis 400.000 Streams!) ein Produkt kaufen. *lacht*

Wie schaffst du es, die nächsten 150.000 Produkte bis zum 1. Dezember zusammenzusuchen?

Tobi: Wir arbeiten wie Pinterest, aber schneller. Dabei werden wir von unserer Technik unterstützt, entwickelt von unserem Co-Founder und CTO, Kai Jäger. Wenn ich suche, habe ich in der Regel rund 20 Browser-Fenster offen. Ich tippe in die 20 Fenster 20 ähnliche Produkte ein. Dazu haben wir eigens eine Browser-Extension programmiert, die all diese Produkte in unser CMS pusht. Das sichert die Qualität, die wir unseren Nutzern in den Streams bieten wollen.

Anne-Lauriene: Die Quantität der Produkte bekommen wir durch Automatisierung. Wir bauen Crawler, die anhand der ausgewählten Produkte lernen, welche Produkte weiter ausgesucht werden sollen. Mit Hilfe von Machine Learning und Bilderkennung analysieren wir beispielsweise: Das ist ein T-Shirt. Das ist eine Hose. Das ist eine Jacke. Das Teil ist blau oder rot oder schwarz. Außerdem wissen wir, ob das Produkt für Frauen oder für Männer geeignet ist. So finden wir zu jeder Produktgruppe passende neue Produktgruppen.

Unterscheidet eure App auch zwischen Mann und Frau? 

Tobi: Ja klar. Unsere App fragt am Anfang ab, ob der Nutzer Mann oder Frau ist und welche Styles ihm/ihr gefallen. Die Konsequenz: Männer kriegen weniger Schuhe angezeigt.

Wie sah denn die Ursprungsidee von Wysker aus? Sollte es schon immer eine App werden?

Tobi: Ursprünglich wollten wir einen Browser bauen, der schneller ist als alle Browser, die wir kennen. Legt der User den Finger auf das Display, sollte die Seite nur so runterrollen – das war die Idee. Im nächsten Step wurde es dann ein Bilder-Browser. Schließlich kam uns die Idee, dass es praktisch wäre, Produkte durchlaufen zu lassen. Alle, denen wir den Prototyp gezeigt haben, fanden die Geschwindigkeit top. Und dann haben wir versucht, einen Use-Case für diese schnelle, technische Funktion zu finden.

Ann-Lauriene: Ich wollte keinesfalls eine Shopping-App bauen. Daher einigten wir uns auf das Thema „Entdecken“. Grundsätzlich finde ich Entdeckungsprozesse super interessant. Jeder will immer neue Dinge entdecken in diesem immensen Internet. Und dennoch schaut sich jeder immer nur die gleichen 20 Seiten an. Den coolen kleinen Shop aus Japan dagegen kennt niemand. Doch genau diesen einen Wow-Shop oder dieses eine Traum-Produkt zu finden – das hat mich inspiriert.

Was ist eure Version von E-Commerce?

Erstens: Wir wollen eine App rausbringen mit top Performance. Zweitens: Wir wollen Tokens integrieren. Das bedeutet, wir müssen als Webshop überzeugen und die Werber überzeugen. Drittens: Wir wollen dem Nutzer ein perfektes Einkaufserlebnis bieten. Je mehr die App genutzt wird, desto wertvollere Kundendaten können wir den Werbern bereitstellen. Unser Vorbild ist Netflix: Netflix weiß genau, wie es Daten nutzen muss. Ein Ergebnis daraus war House of Cards.

A propos Tokens: Ihr seid das erste deutsche Startup, das ein ICO wagt. ICO steht für Initial Coin Offering und ist ein Finanzierungsmodell mit Hilfe von Kryptowährungen. Wieso gerade diese Finanzierungsmethode?

Tobi: Meine Schwester und ich hatten einen Freund, einen Australier, zu Besuch. Wir zeigten ihm unser Produkt und er sagte: Wow! Warum macht ihr kein ICO? Ein paar Tage später traf ich eine Freundin und die sagte genau das gleiche. Dann musste ich erst mal googeln, was das eigentlich genau ist – ein ICO.

Ann-Lauriene: Dann haben Tobi und ich die Token-Idee erarbeitet. Wir nahmen ein großes, weißes Blatt Papier und brainstormten: Unser größtes Gut sind Daten. Denn in unserer App befindet sich der Kunde mitten im Kaufprozess, kurz vor einer Kaufentscheidung. Normalerweise werden solche Daten teuer verkauft. Was, wenn die Nutzer ihre persönlichen Daten behalten? Und wie können wir uns trotzdem für Werber interessant machen? Die Lösung sieht für uns so aus: Die Daten sind anonymisiert. Werber können nach Kaufinteresse buchen, zum Beispiel nach karierten Hemden. Wenn sich der Nutzer für karierte Hemden interessiert und der Werbung zugestimmt hat, nur dann soll er auch Werbung sehen. Zudem haben wir zwei Arten von Streams: von uns kuratierte Streams und Sponsored Streams.

Das Wys Token Model. (Screenshot: Wysker)

Tobi: Nachdem das grundsätzliche Konzept geklärt war, haben wir uns überlegt, wie die Beziehungen aussehen zwischen Nutzern und Werbern, wenn das Token im Mittelpunkt steht. Wir haben uns gefragt: Wie ist der Fluss? Nach einer Woche Tüfteln hatten wir ein Modell. Darauf konnten wir aufbauen. App plus Token ist unsere zukünftige Vorstellung von E-Commerce.

Wie sieht euer ICO genau aus?

Tobi: Wir haben drei Milliarden Tokens erschaffen. 1,7 Milliarden Tokens sind jetzt im Vorverkauf. Zehn Prozent, also 300.000.00 Tokens, wollen wir für die User-Incentivierung einsetzen. Die Nutzer können die Tokens später einlösen, wenn sie bei uns einkaufen, und bekommen damit einen Rabatt auf die Preise. Sie können die Tokens aber auch wieder an einer Krypto-Börse zurücktauschen.

Warum setzt ihr auf Cryptocurrencies und Tokens?

Wir bieten eine Wette darauf an, dass die Nachfrage von Werbern nach Werbeplätzen in unserer App steigt. Damit die Werber bei uns werben können, müssen Sie Tokens kaufen.

ICO und das Thema Cryptocurrencies erfordern ja ziemlich viel Wissen. Über welche Medien informiert ihr euch eigentlich?

Tobi: Zum Ablenken bin ich auf Imgur, um mich zu informieren, auf Reddit. Fürs Business schwöre ich auf medium.com oder ich nutze die Google-Suche für konkrete Themen. Dabei stoße ich übrigens auch häufiger auf die Website von t3n.

Ann-Lauriene: Ich gehe regelmäßig auf Spiegel Online sowie auf kanadische und amerikanische News-Seiten. Außerdem bin ich ein großer Fan des Schweizer News-Magazins 20 Minuten. Und wie mein Bruder nutze ich die Google Suche und die Reddit- und Steamit-Foren. Und schließlich tummle ich mich auf vielen Krypto- und E-Commerce-Seiten, um tiefer reinzugehen in das Thema.

Tobi, du hattest einen coolen und sicheren Job, warst Google Manager für Affiliate-Kanäle. Wie kommt es, dass du dich selbstständig gemacht und jetzt eine eigene App gebaut hast? Ann-Lauriene, wie sieht deine Vergangenheit aus?

Tobi: Während ich bei Google war, habe ich oft gedacht: Es macht mehr Sinn, die echte Welt zu entdecken. Irgendwann bekam ich dann eine Geschäftsführerstelle von Googles zweitgrößtem Kunden angeboten. Auf dem Posten habe ich aber schnell gemerkt, dass ich eigene Entscheidungen treffen möchte und daher nur mein eigener Gründer sein kann.

Ann-Lauriene: Mein Bruder und ich, wir haben uns immer gut verstanden und viel zusammen gemacht. Daher haben wir auch zusammen 1K Ventures gegründet. Parallel habe ich dazu meine Doktorarbeit in Physik geschrieben. Wir hatten immer Ideen, trauten uns aber nicht, sie umzusetzen. Daher gründeten wir das Ideen-Lab 1K Ventures und letzten Endes Wysker.

Viel Erfolg mit Wysker und dem ICO! Und danke für das Gespräch.

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