Analyse

Xbox Series X vs. PS5: Mit diesen Strategien wollen Sony und Microsoft euch überzeugen

(Foto: Barone Firenze/ Shutterstock)

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Preis und Releasedatum der neuen Konsolen stehen nun fest. Aber an wen richten sich diese Geräte eigentlich? Ein Blick auf die Strategien von Sony und Microsoft.

Es sind schon Produkte am Namen gescheitert. Die Wii U von Nintendo etwa: Im Jahr 2012 erschienen, wurde sie bis zum Schluss nur als ein Addon der Erfolgskonsole Wii gesehen. Der Name verwirrte, die Verkäufe blieben aus. Während Sony die nächste Konsole schlicht Playstation 5 nennt, geht Microsoft einen anderen Weg – und der verrät einiges über die Strategie des Konzerns.

Gestern hat Sony Preis und Release-Datum ihrer neuen Konsole bekannt gegeben. Die Playstation 5 wird 499 Euro für das Modell mit Blu-Ray-Laufwerk, 399 Euro in der rein digitalen Version kosten und am 19. November in Europa erscheinen. Bereits vor zwei Wochen tat Microsoft diesen Schritt: Xbox Series S und Xbox Series X sollen am 10. November erscheinen und 299 beziehungsweise 499 Euro kosten. Zwei Hersteller, zwei Konsolen-Familien, vier unterschiedliche Geräte.

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Exklusivspiel oder Abo-Service?

Spätestens in der siebten Konsolengeneration – mit der Playstation 3 und der Xbox 360 – war klar: Das Grundangebot der beiden Konsolen gleicht sich stark. Dritthersteller wie Electronic Arts, Ubisoft oder Activision entwickeln ihre wichtigsten Spielereihen für beide Konsolen. „Call of Duty“, „Fifa“ oder „Assassin’s Creed“; gleicher Inhalt, gleiche Grafik. Die Herausforderung ist also, sich unterscheidbar zu machen. Warum sollen sich Käufer*innen gerade für ihre Hardware erscheinen? Lange Zeit war die Antwort: Exklusivspiele sind nötig, um Hardware zu verkaufen.

Schon seit einigen Jahren veröffentlicht Microsoft keine Hardware-Verkaufszahlen mehr. Der Konzern nutzt andere Metriken, um Erfolg zu eruieren: Anzahl der Online-User oder gespielte Stunden etwa. Diese veränderte Kommunikation schien ein Versuch zu sein, der deutlich erfolgreicheren Playstation 4 etwas entgegenzusetzen. Die hat sich bereits etwa 110 Millionen Mal verkauft, während sich die Xbox One schätzungsweise 50 Millionen Mal verkauft hat. Es gilt, diese Lücke zu schließen.

Die Änderung in der Kommunikation setzte sich in der Herangehensweise Microsofts an Hardware-Entwicklung und Spielverkäufe fort. Am 1. Juni 2017 startete der Xbox Game Pass. Ein Abo-Service, für den User monatlich ab zehn Euro zahlen, um Zugang zu einer wachsenden Games-Bibliothek zu bekommen, vergleichbar mit Streaming-Services wie Spotify. Das Besondere: Auch PC-User können diesen Service nutzen.

So ist die neue Xbox eine Hardware-Serie, auf der es möglich ist, den Game Pass zu nutzen. Die Xbox Series S ist die günstigere Hardware mit heruntergefahrenen Specs, die in vielen Aspekten sogar der Xbox One X unterlegen ist – eine Konsole, die bereits November 2017 erschien. Die Xbox Series X soll die leistungsstärkste Konsole auf dem Markt sein, die alle Spiele in bester Grafik darstellen kann. Zwei Konsolen, zwei Preise für unterschiedliche Grafik-Ansprüche, doch immer Zugang zu den Spielen des Game Pass. So ließe sich die Strategie Microsofts für die kommenden Jahre beschreiben: Welche Hardware ihr kauft, ist egal, solange ihr ein Abo abschließt.

Wenn der Name zum Problem wird

Der Name ist Programm – und gleichzeitig Problem. Bereits die Xbox One – die Vorgänger-Konsole – erschien in den Versionen Xbox One S und Xbox One X. Die Series S und Series X sind fähig, die Spiele der Xbox One abzuspielen, die Series S, obwohl sie die neuere Konsole ist, aber nicht in 4K-Auflösung wie die Xbox One X, während die Series X sowohl Spiele der Xbox One S als auch X in bester Qualität abspielen kann. Und wenn euch diese Sätze ein wenig verwirrt haben, versteht ihr vielleicht bereits, wo das Problem dieser Namensgebung liegt.

Neben den Namen, die nicht leicht zu kommunizieren sein werden, hat Microsoft noch ein anderes Problem: die vielen Exklusivspiele der Playstation. Seit 2013 haben die Studios von Sony Interactive Entertainment viele preisgekrönte und erfolgreiche Spiele entwickelt. „God of War“, „Spider-Man“ oder „The Last of Us 2“. Spiele, die die Grafik der Playstation 4 ausreizten und von so hoher Güte waren, dass sie die Hardware-Verkäufe ordentlich ankurbelten. In der gleichen Zeit hat Microsoft: Studios gekauft. Studios, die neu organisiert, bestückt und entwickelt werden mussten, sodass die Früchte dieser Käufe wohl erst in den kommenden Jahren wirklich zu sehen sein werden.

Mit der Playstation 5 geht Sony den bewährten Weg. Sie entwickeln Spiele, die vor allem auf den Singleplayer-Modus ausgelegt sind, halten diese weitestgehend frei von Mikrotransaktionen oder Lootboxen, stecken Hunderte Millionen Euro in Produktion und Marketing – kurzum, sie schaffen Spiele, die Spieler*innen kaufen wollen. Die aber nun auch 80 Euro kosten werden.

Wie es mit den Spielen weitergeht

So unterscheiden sich die Strategien der beiden Hardware-Hersteller deutlich. Die Playstation 5 wird wohl wieder von AAA-Spiel zu AAA-Spiel die Userbase aufbauen, während die Xbox Series S und X stetig für mehr Abonnements im Game Pass sorgen sollen.

Das kann Auswirkungen auf die Spiel-Entwicklung haben. Während die Playstation-Spiele weiterhin größtenteils frei von Zusatzkäufen bleiben dürften und mehrheitlich ein Spielerlebnis bieten werden, das auf ein einmaliges Durchspielen ausgelegt ist, könnten sich die Xbox-Spiele mehr in Richtung Liveservice bewegen. Das würde bedeuten, dass die Spiele, die direkt zum Release über den Xbox-Game-Pass erhältlich sind, eher Onlinespiele sein werden, die die Spieler*innen dazu animieren, immer wieder kleine Summen an Geld für Inhalte auszugeben. Zumal ein Abo-Service nur dann gut für den Hersteller funktioniert, wenn die User über längere Dauer bleiben, nicht für einen Monat zahlen, mehrere Spiele durchspielen und dann wieder kündigen. Und was wäre ein höherer Anreiz als Spiele, die immer wieder kleine Updates bekommen und eigentlich nie ganz zu Ende sind?

Der Dritte im Ring

Und Nintendo? Ist der Hersteller, der derzeit mit Abstand die meisten Konsolen verkauft: Während der Pandemie hat sich die Hybrid-Konsole Nintendo Switch weltweit so oft verkauft wie nie zuvor, das derzeitige Fiskaljahr dürfte Rekorde für Nintendo brechen. Bemerkenswert, da die Vorgänger-Konsole Wii U ein großer Flop für den Konzern war. Die Gründe für den Erfolg? Neben dem Form-Faktor, der Möglichkeit also, das Gerät als Handheld wie auch als klassische TV-Konsole zu nutzen, und dem Marketing, das diesen Umstand hervorragend kommunizieren konnte, sind es vor allem: die Spiele. Kein Hersteller verfügt über bekanntere Marken als Nintendo. Und diese Marken setzt kaum ein Konzert so gekonnt in erfolgreiche Spiele um wie Nintendo. Kein elaborierter Onlineservice, kein Abo-Modell: Spiele!

Es braucht mehr als nur ein Standbein. Gute Hardware ohne aufsehenerregende Spiele funktioniert nicht. Hervorragende Spiele auf einer nicht intuitiv verständlichen Hardware aber auch nicht. In keiner Konsolen-Generation hat es wohl drei Hersteller gegeben, die so unterschiedliche Wege gehen wie in der kommenden. Es ist an den Käufer*innen, zu entscheiden, wie sie gerne spielen wollen.

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Ein Kommentar
MrX
MrX

Ich habe die Xbox One S nur wegen einem Spiel gekauft:
Forza Horizon
Genau wie damals die PS2 wegen Gran Turismo

Ich würde die XBOX Series X auch nur kaufen, wenn der Nachfolger von Horizon 4 kommt.

Antworten

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