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Zahl nur, was du auch wirklich hörst: Deezer will Bezahlmodell umstellen

Deezers  UCPS-Kampagnen-Seite. (Screenshot: t3n.de)

Der Streaming-Dienst startet unter dem Hashtag #MakeStreamingFair eine Kampagne zur Umstellung des Bezahlsystems auf das benutzerbasierte Modell. Profitieren würden unbekanntere Künstler.

Fairere Künstlervergütungen werden durch antiquiertes Abrechnungssystem verhindert

Deezer braucht Unterstützung und ruft mit #MakeStreamingFair seine Nutzer und sonstige Musikliebhaber dazu auf, über die sozialen Medien für die Einführung eines Bezahlmodells für Künstler zu votieren. Anstelle des bisherigen in der Branche üblichen Pro-Rata-Modells will Deezer auf ein sogenanntes nutzerbasiertes Bezahlmodell umsteigen.

Im Pro-Rata-Modell fließen alle Nutzergelder in einen Topf. Aus diesem Topf werden dann die Künstler gemäß ihrer Marktanteile bezahlt. Das führt zum einen dazu, dass große und bekannte Künstler immer gut verdienen und zum anderen dazu, dass von euren Gebühren Gelder an Künstler fließen, die ihr im Zweifel nicht nur nie hört, sondern auch freiwillig niemals hören würdet.

Deezer schlägt mit dem UCPS (User-Centric-Payment-System) daher nun ein Modell vor, bei dem die Zahlungen des einzelnen Nutzers auf den Hörverlauf eben dieses Nutzers verteilt würden. So können Nutzer sicher sein, dass von ihren Zahlungen nur Künstler profitieren, die sie sich auch tatsächlich angehört haben. An dieser Stelle informiert Deezer in englischer Sprache zum Thema.

Pro-Rata- und UCPS-Modell im direkten Vergleich

Dabei liefert Deezer zwei Grafiken, die die Problematik schnell auf den Punkt bringen. So läuft das Pro-Rata-Modell:

Das Pro-Rata-Modell. (Grafik: Deezer)

Amber hört von ihren zehn Euro 90 Mal den Künstler eins, Sasha hört für seine zehn Euro zehnmal den Künstler zwei. Jetzt werden die Beträge und die Streams zusammengeworfen. Heraus kommt, dass zu 90 Prozent Künstler eins gehört wurde und nur zu zehn Prozent Künstler zwei. Deshalb erhält Künstler eins nun mehr als Amber überhaupt bezahlt hat, weil Sashas Anteile mit in die Berechnung einfließen. Klingt komisch, ist aber so.

Bei einem benutzerbasierten Modell sähe die Sache indes so aus:

Das UCPS-Modell. (Grafik: Deezer)

Amber hört Künstler eins und zahlt dafür. Sasha hört Künstler zwei und zahlt dafür. Das ist fair, bedeutet aber für Künstler eins erhebliche Einbußen.

Dauerschleife ohne Ohren: Bots manipulieren Abrechnung

Dieses Ungleichgewicht will Deezer mit dem Umstieg auf das neue Bezahlmodell, das bereits im kommenden Jahr umgesetzt werden könnte, beseitigen. Dafür braucht Deezer eine neue Vereinbarung mit den Rechteinhabern. Die indes gilt als unsicher.

Ein angenehmer Nebeneffekt des neuen Systems bestünde darin, dass Bot-Accounts, die nichts anderes tun, als bestimmte Streams in Dauerschleife zu halten, keinen Effekt mehr auf den Verteilmechanismus ausüben könnten.

Die Argumente für das nutzerbasierte Bezahlmodell bestätigt eine Studie, die bereits 2018 erschien und im Auftrag der finnischen Musikindustrie erstellt worden war.

t3n meint:

Das ist wieder so eine Nachricht, die mich kalt erwischt. Denn natürlich bin ich, wie sicherlich die meisten vernunftbegabten Vertreter unserer Spezies, davon ausgegangen, dass ich mit meinen Beiträgen die Streams bezahle, die ich auch tatsächlich höre. Alles andere ist doch schlicht Blödsinn.

Aber, wie es so ist auf dieser Welt, Blödsinn ist alltäglich. Insofern ist Deezer zu wünschen, dass sich die Rechteinhaber auf das neue Modell einlassen. Das wäre sicherlich fairer, würde aber möglicherweise zu Verwerfungen in den Einnahmestrukturen der Rechteinhaber der Sangesgrößen führen können. Wenn dadurch die Musikmanufakturen profitieren und die Massenmusikhaltung leidet, bin ich dennoch dafür.

Dieter Petereit

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