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Zalando in der Kritik: Zu wenig Lohn, zu wenig Pause

Zalando-Mitarbeiter wehren sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen. (Foto: dpa)

Erneut stehen die Arbeitsbedingungen bei Zalando in der Kritik. Von fragwürdigen Pausenzeiten und ungerechten Löhnen ist die Rede. Doch es gibt auch Verbesserungen.

Zalando und die Arbeitsrechte – es ist kompliziert. Schon mehrfach stand Europas größter Modeversandhändler wegen seiner Arbeitsbedingungen am Pranger. Vor Jahren berichtete unter anderem das ZDF über die Zustände in den Warenlagern, wo die Schuhe, Hosen oder Jacken aus den Regalen geholt und verschickt werden.

Die Hallen seien unklimatisiert und es gebe zu wenige Toiletten für die Mitarbeiter, hieß es damals. Auch wenn sich das nach Angaben von Gewerkschaften und Zalando-Beschäftigten inzwischen geändert haben soll, sieht sich der einst als Startup gegründete Konzern mit 11.000 Beschäftigten nun neuen Vorwürfen ausgesetzt.

Nur 20 Minuten Pause pro Schicht

Im Mittelpunkt der Kritik stehen vor allem die „zu rigiden Pausenregeln“, wie die „taz“ unter Berufung auf Informationen aus Arbeiterkreisen berichtet. Zalando-Mitarbeiter am Standort Brieselang hätten demnach pro Schicht lediglich zwei Pausen für jeweils 20 und 25 Minuten. Problematisch ist dies vor allem wegen der langen Wegzeiten, die Mitarbeiter beispielsweise für den Gang in die Kantine angeblich zurücklegen müssen. Von einem bis zu sechsminütigen Marsch durch die Hallen ist die Rede.

In der Folge schmilzt die Netto-Pausenzeit zum Ausruhen und Essen bis auf die Hälfte zusammen. Das Arbeitszeitgesetz schreibt mindestens 30 Minuten Pause vor. Zudem müssen Pausenräume so gelegen sein, dass sie von den Arbeitnehmern möglichst innerhalb von 5 Minuten je Wegstrecke zu erreichen sind. Trinken sei an den Packbändern von Zalando erlaubt, Essen dagegen nicht.

In den Warenlagern von Zalando sorgen vor allem die Pausenzeiten für Kritik. 4kclips / Shutterstock.com

In den Warenlagern von Zalando sorgen vor allem die Pausenzeiten für Kritik. (Foto: 4kclips / Shutterstock.com)

Die Gewerkschaft Verdi hat die Angaben gegenüber der „taz“ bestätigt. Angestoßen vom Betriebsrat sollen deshalb 700 der insgesamt 1.200 Mitarbeiter am Standort mit einer Unterschriftensammlung gegen die Praxis protestiert haben. Eine spätere Befragung ergab, dass 95 der Teilnehmer nicht mit der Pausenregelung einverstanden sind. Der Widerstand zeigte offenbar Wirkung: Wie ein zuständiger Verdi-Gewerkschaftssekretär der Zeitung berichtet, konnte Zalando vom Betriebsrat an den Verhandlungstisch bewegt werden. Zwar habe es noch keine endgültige Lösung gegeben, vorerst sollen die Pausen aber erst dann beginnen, wenn die Arbeiter ein Drehkreuz passieren. Die Gewerkschaft sprach von „klaren Verbesserungen“.

Sogar Amazon soll besser zahlen

Die fragwürdigen Pausenzeiten sind aber nicht das einzige Problem für Zalando. Auch die vergleichsweise geringen Löhne in Höhe von 10,12 Euro pro Stunde sind nach wie vor ein Streitthema. „Das ist zu niedrig für diese Arbeit“, zitiert die Zeitung einen Arbeiter. Sogar Amazon, das in Brieselang ebenfalls ein Warenlager betreibt und in der Vergangenheit weit öfter für seine Arbeitsbedingungen gescholten, soll wegen einer Staffelung nach Berufsjahren mehr Lohn zahlen. Einen Tarifvertrag gibt es nicht.

Ungerecht geht es dem Bericht zufolge auch in den schicken Großraumbüros in Berlin zu, wo Zalando unter anderem seine Callcenter-Mitarbeiter für den ausländischen Kundensupport beschäftigt. Die Telefonisten, die „taz“ zum Gespräch getroffen hat, verfügen demnach in der Regel über einen Hochschulabschluss und verdienen lediglich 10,50 Euro pro Stunde. Zudem gebe es Länder, aus denen die Mitarbeiter im Minutentakt Anrufe entgegennehmen müssten, und andere, in denen vergleichsweise wenig los ist. In den Augen der Beschäftigten sei dies zusätzlich ungerecht.

Immer mehr Betriebsräte bei Zalando

Zalando selbst nahm dazu in dem Bericht nicht Stellung. Die Gewerkschaft Verdi zeichnet gegenüber der Zeitung ein geteiltes Bild von Europas populärstem Modeversender. Zwar monierte ein Sprecher die fehlende Bereitschaft von Zalando, von sich aus für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einzustehen, gleichzeitig betonte er aber auch die „konstruktiven Kontakte“ zum Management. Anders als beispielsweise Amazon stelle sich Zalando nie offen gegen Gewerkschaften. Inzwischen soll es an mehreren Standorten einen Betriebsrat geben.

Mehr zum Thema: Zalando: Wie der Mode-Konzern seine Tech-Bewerberzahlen vervierfachte

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2 Kommentare
Philipp Blum
Philipp Blum

Okay, zu dem Thema Pausen und dem folgendem Satz:
„pro Schicht lediglich zwei Pausen für jeweils 20 und 25 Minuten“

Der Gesetzgeber sagt:
„Die Arbeit ist durch im voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen.[…]“

Just sayin…

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Martin
Martin

Das hört sich alles ganz schön nach Mimimi an. Ich vermute mal, dass niemand gezwungen wird, dort zu arbeiten…

Und sorry, wenn jemand mit Hochschulabschluss sich für 10 Euro ans Telefon setzt, dann ist das mit Sicherheit nicht die Schuld des Unternehmens sondern desjenigen, der das freiwillig macht. Bei Überqualifikation sollte die Qualifikation die zuviel ist auch irrelevant fürs Gehalt sein. Oder dieser Hochschulabschluss ist das Papier nicht wert, auf den er gedruckt ist. So oder so, das hört sich ziemlich merkwürdig an.

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