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MIT Technology Review Analyse

Zugverkehr vs. Straße: Warum hohe Trassenpreise die Bahn immer unattraktiver machen

Um das deutsche Schienennetz zu nutzen, müssen Zugbetreiber für jeden gefahrenen Kilometer eine Gebühr bezahlen. Wie werden diese Trassenpreise festgelegt? Sie sind unfair und fördern den Straßenverkehr.

Von MIT Technology Review Online
2 Min.
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(Foto: Tobias Arhelger / Shutterstock)

Ab Dezember 2024 sollen die Trassenpreise für den Fern- und Güterverkehr drastisch steigen. Die Preise legt der Schienennetzbetreiber InfraGo fest, unter Mitsprache der Bundesnetzagentur und der Politik. Greift die Politik nicht ein, werden die Trassenpreise laut Interessensverband Mofair bald um weitere 40 Prozent steigen. Ein Spiegel-Artikel verweist aktuell auf ein internes Dokument, wonach aufgrund gestiegener Trassenpreise einige IC-Fernverbindungen gestrichen werden sollen. Doch die Deutsche Bahn dementiert dies.

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Trassenpreise - Tatsächliche Kostensteigerung

Kostensteigerung bei Trassenpreisen. (Grafik: MIT Technology Review)

Der ursprüngliche Plan sah vor, die Trassenpreise für Nahverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr gleichermaßen um jeweils 6 Prozent zu erhöhen.

Grafik: Neue Trassenpreise

Neue Trassenpreise. (Grafik: MIT Technology Review)

Da die Politik den Nahverkehr nicht so stark belasten wollte, werden die anderen Sparten nun kräftiger zur Kasse gebeten.

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Wettbewerbsverzerrung

Zahlen alle in einem Segment die gleichen Preise, wo liegt dann das Problem? Es liegt in der nur formalen Umstrukturierung der Netzsparte der Deutschen Bahn AG. Die drei unabhängigen (und oft unkoordinierten) Netzbereiche der DB wurden Ende 2023 zu einer eigenen gemeinwohlorientierten Gesellschaft zusammengeführt, die Regularien für die Entgelte aber nicht angepasst.

 

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Grafik: Aufteilung der Netzsparten

Aufteilung der Netzsparten. (Grafik: MIT Technology Review)

Die InfraGo ist zwar gemeinwohlorientiert, muss Gewinne aber an die DB abführen. Das Geld, das etwa der DB Fernverkehr für höhere Trassenpreise ausgibt, kann also indirekt wieder zurück zur Muttergesellschaft fließen. Für die privaten Wettbewerber gilt das nicht. Deshalb protestiert etwa Flixtrain gegen diese Preisanhebung. Die vom Bundesverkehrsministerium angekündigte „grundlegende Neuausrichtung der Schienenwege“ sei „nicht gelungen“, urteilte der Bundesrechnungshof denn auch im April 2024.

Trassenpreise im Personenfernverkehr pro Zugkilometer

Trassenpreise im Personenfernverkehr pro Zugkilometer. (Grafik: MIT Technology Review)

Für einmaliges Befahren der gut 600 Kilometer langen Strecke von Hamburg nach München werden mehr als 8000 Euro Gebühr fällig. In anderen EU-Ländern sind die Preise deutlich niedriger. Die Ursache: Sie werden nach dem Grenzkostenmodell berechnet, umfassen also nur die Betriebskosten. InfraGo hingegen rechnet mit Vollkosten.

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Komplizierte Struktur

Aufteilung der Trassenpreise.

Aufteilung der Trassenpreise. (Grafik: MIT Technology Review)

Vorteil Straße

Regional- und Güterverkehr bekommen staatliche Zuschüsse zu den Trassenpreisen. Allerdings senkte der Bund Anfang des Jahres die Zuschüsse für den Güterverkehr von 350 auf 180 Millionen Euro.

Höhe der Zuschüsse vs. Trassenpreise.

Höhe der Zuschüsse vs. Trassenpreise. (Grafik: MIT Technology Review)

Durch die gestiegenen Trassenpreise verliert die Bahn weiter an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Straße.

Nutzungskosten Straßen vs. Schiene.

Nutzungskosten Straßen vs. Schiene. (Grafik: MIT Technology Review)

Quellen für die Grafiken: ARD plusminus, Mofair, Stand 2023; Quellen: eigene Recherche; Beratung: Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher Bündnis 90/Grüne

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Der Text stammt von dem Technik-Journalisten Karl-Gerhard Haas.

 

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