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Kommentar

6 Thesen zur Zukunft der Arbeit: „Disruption ist unser ständiger Begleiter“

6 Thesen zur Zukunft der Arbeit: Disruption ist unser ständiger Begleiter. (Foto: Shutterstock-OPOLJA)

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Experten rundum den Globus diskutieren Szenerien bereits seit Jahren. t3n-Autor Andreas Weck erklärt, wie ihr eure Position auf Dauer stärken könnt.

Was braucht es, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu bestehen? Was für Fähigkeiten sind gefragt? Welche Eigenschaften sind unabdingbar? Diese Fragen sind wichtiger denn je, denn klar ist, dass der Karrieretunnel, wie wir ihn zu kennen glaubten, bereits einsturzgefährdet ist. Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft schafft Gegebenheiten am Arbeitsmarkt mit völlig neuen Vor- und Nachteilen, derer sich sowohl Unternehmer als auch Berufstätige bewusst sein sollten. In den letzten zwölf Monaten habe ich mich vermehrt mit diesen Fragen beschäftigt. Als leitender Redakteur für das Karriere-Ressort habe ich Experteninterviews und Befragungen unter unseren Lesern durchgeführt sowie einiges an Zeit mit dem Durchsehen neuer Forschungsergebnisse verbracht. Vom aktuellen Standpunkt aus wage ich ein paar persönliche Thesen zur Zukunft der Arbeit. Thesen, die gerne diskutiert werden sollen. Denn klar ist auch: Behauptungen sind keine Beweise, jedoch ist eine kühne These meist mehr wert als ein ideenleerer Raum.

6 Thesen zur Zukunft der Arbeit: „Wer beruflich weiterkommen will, braucht Mentoren“

t3n-Autor Andreas Weck hat sich in den letzten zwölf Monaten auf Themen zur Zukunft der Arbeit konzentriert. (Foto: Johannes Schuba)

1. Es ist die Zeit der Intrapreneure

Früher haben die Menschen studiert, starteten anschließend ins Berufsleben und kletterten langsam, aber sicher die Karriereleiter hinauf. Man diente sich quasi hoch. Bekam irgendwann etwas Personalverantwortung und vielleicht sogar Gestaltungsspielraum. So sah meiner Auffassung nach der klassische Karriereweg noch im letzten Jahrhundert aus. Mit dem Etablieren von flachen Hierarchien und dem damit zusammenhängenden Wegbrechen der mittleren Managementebene wird das jedoch immer schwerer. Wir arbeiten zunehmend in Units, die wie kleine Startups organisiert sind. Mitarbeiter werden zu Unternehmern im Unternehmen, sie werden zu Intrapreneuren. Jetzt zählt nicht mehr, wer politische Spielchen am besten beherrscht, sondern wer mit Ideen und Eifer den Unternehmenserfolg vorantreibt. Die Karriereleiter steigt hinauf, wer echten Wert schafft. Mach dir bewusst: Es beginnt die Zeit der Intrapreneure – und sie beginnt jetzt!

2. Wer beruflich weiterkommen will, braucht Mentoren

Probleme selbst lösen und Herausforderungen alleine meistern. Ganz ehrlich, das macht alles nur noch schwerer. Nein, es ist nicht schlimm, um Hilfe zu bitten. Es ist sogar schlau. Sich einen Mentor oder eine Mentorin zu suchen, ist dabei ein wichtiger Baustein, um in der zukünftigen Arbeitswelt erfolgreich zu sein. Ein Mensch, der in der gleichen oder einer ähnlichen Branche arbeitet, die Fallstricke kennt und mit Rat und Tat zur Seite steht, ist Gold wert. Diese Person kann Vorbild für alles sein, worin man selbst (noch) nicht gut ist. Du kannst nach wichtigen Eigenschaften und Fähigkeiten schauen, die du dir aneignen willst. Das kann beim fachlichen Know-how anfangen und bei einer besonderen Arbeitsweise dieser Person enden. Das kann der Umgang mit Kollegen, Kunden und Vorgesetzten sein. Oder der Umgang mit heiklen Situationen. Gleichzeitig ist es wichtig, deine eigenen Erkenntnisse zu teilen. Über positive und negative Erfahrungen zu reden, heißt nicht zuletzt, auch einen positiveren Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen vorzuleben.

3. Neugierde ist der Soft Skill dieses Jahrhunderts

Meinen Schulabschluss habe ich 2003 gemacht. Dann eine Ausbildung absolviert. Dann nochmal die Schulbank gedrückt. Viele meiner Wegbegleiter während dieser Zeit arbeiten heute in Jobs, die es damals noch gar nicht gab. So wie ich arbeiten die meisten nicht einmal mehr in den Berufen, die wir einst gelernt haben. Viele haben mit 30 schon häufiger umgesattelt als meine Großeltern in ihrem gesamten Berufsleben zusammen. Wer glaubt, dass das irgendwann ein Ende hat, der irrt gewaltig. Lebenslanges Lernen ist nicht nur eine Phrase. Lebenslanges Lernen ist eine Notwendigkeit, um dir in der schnelllebigen Arbeitswelt weiterhin einen Platz an der Sonne zu sichern. Was es dafür braucht, ist Neugierde. Ich würde sogar behaupten: Neugierde ist der Soft Skill dieses Jahrhunderts. Nur wer aufmerksam und wissbegierig bleibt, wird die Zeichen der Zeit frühzeitig erkennen und sich tiefergehend mit ihnen beschäftigen. Nur so werden Talente in der Lage sein, gute strategische Entscheidungen zu treffen und im Einklang mit ihnen auch nachhaltig zu handeln. Dabei geht es nicht nur um Selbsterhalt, sondern auch um Zufriedenheit. Also: Bleib hungrig!

Erfolgreicher im Job: Diese Apps helfen euch bei der Karriere
Jobsuche: Die kostenlose „Truffls“-App für iOS und Android ist ein Tinder für Bewerber. Wer auf der Suche nach einem interessanten Job ist und fündig wird, swipt einfach nach rechts und schickt einen Lebenslauf ab. Antwortet das Unternehmen, kommt es zum Match. (Grafik: t3n.de / dunnnk)

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4. Bewerber können mehr verlangen als nur gute Bezahlung

Ein gutes Gehalt ist wichtig. Es bedeutet, dass ein Berufstätiger sich im Privatleben weniger Sorgen machen muss. Wer einmal in einer Lebenslage steckte, in der zur Monatsmitte eigentlich kaum mehr Geld übrig war, weiß, wie sehr so eine Situation den Fokus raubt. Trotzdem ist mit Geld nicht alles getan. Kein Mensch will heutzutage mehr sein Gehalt als Schmerzensgeld betrachten. Nicht nur Arbeitgeber erwarten Flexibilität von ihren Angestellten. Auch Berufstätige fordern sie vom Chef und der Chefin zunehmend ein. Schau also bei einem potenziellen Arbeitgeber ganz genau hin: Wie steht es um die Unternehmenskultur? Wie wird mit Überstunden umgegangen? Gibt es Möglichkeiten, sich weiterzubilden? Ist das Unternehmen offen für flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle? Gibt es eine betriebliche Alters- und Gesundheitsvorsorge? Wer sich als Arbeitgeber die besten Leute ins Haus holen will, muss heute mehr bieten. Das gilt vor allem für Unternehmen im ländlichen Raum, denen der Brain-Drain in die Städte auch in Zukunft weiter zusetzen wird. Profitiere davon!

5. Offenheit für Veränderung ist essenziell

Mit der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft werden Branchen und Berufszweige ordentlich durchgerüttelt. Disruption ist unser ständiger Begleiter – und das bleibt auch so in den nächsten Jahrzehnten. Amazon hat vor 20 Jahren damit begonnen, den Einzelhandel in die Zange zu nehmen. Der Automobilsektor wird von Firmen wie Tesla derzeit zu neuen Geschäftsmodellen gezwungen. Das Blockchain-Startup Bitfury ist soeben zum Einhorn aufgestiegen und wird seinen Teil dazu beitragen, dass die Banken- und Finanzbranche sich modernisieren muss. Was heute noch funktioniert, kann morgen schon wieder obsolet sein. Oft geht das mit Reibungen einher, denn Veränderungen bedeuten auch, dass die Komfortzone unbequem wird. Offenheit für Veränderungen ist jedoch heutzutage das A und O, um Teil der zukünftigen Arbeitswelt zu bleiben. Wenn du das nicht verstehst, sägst du mittelfristig am eigenen Stuhl. „Das haben wir schon immer so gemacht“, zählt nicht mehr! In dem Moment, in dem du neue Ideen nur noch genervt vom Tisch wischst, anstatt sie anzuhören, wirst du zum Teil des Problems.

6. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das stimmt nicht mehr

Sprich über dich und deine Erfahrungen! Was im ersten Moment nach Eigenlob oder Selbstdarstellung klingt, hat heutzutage einen großen Wert. Nicht nur, dass dein Selbstvertrauen davon profitiert, wenn du dir deine Erfolge bewusst machst. Auch andere Gleichgesinnte können von deiner Entwicklung lernen. Nicht zuletzt erfährt auch dein Arbeitgeber davon und kann sie entsprechend honorieren. Klar sollte dabei sein, dass dahinter auch ein echter Wert stehen muss. Hochstapelei und Schaumschlägerei bleiben auch in der zukünftigen Arbeitswelt tabu. Branchen und Berufe sind im Wandel – neue Jobs kommen hinzu, neue Chancen tun sich auf. Umso wichtiger ist es, sich über die eigenen Fähigkeiten und den persönlichen Marktwert da draußen klar zu werden. Nur wer sich selbst und seine Leistung in Gesprächen mit anderen Menschen überprüft, weiß, wo er steht. Diese Fähigkeit brauchst du im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit in jedem Fall. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das schlag dir mal ganz schnell wieder aus dem Kopf.

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Eine Reaktion
Siegfried Breyer

Ich stimme diesen Aussagen voll und ganz zu. Aber ist habe doch meine Zweifel, ob das wirklich was Neues ist. Ich selber habe 1983 mein Informatik Studium beendet und Übergänge von hierarchischen zu relationalen Datenbanken, von Mainframecomputern zu Client Server Architekturen bis hin zu Internet und Cloud Computing waren m.E. ebenfalls disruptive Veränderungen. Die ganze Zeit hat mich aber die Erkenntnis begleitet: "Das war schon immer so !"
Als Beispiel führe ich ein Zitat aus den Wahlverwandschaften von J.W.v. Goethe von 1809 an:
"Es ist schlimm genug, daß man jetzt nichts mehr für sein ganzes Leben lernen kann. Unsre Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen."

Irgendwie kommt einem das bekannt vor in 2018. Meine Conclusio: Da hat sich gar nicht viel geändert, aber heute tun wir als wäre disruptive Veränderung eine Erfindung der letzten Jahre.

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