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Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky: „Wird es die Ehefrau verzeihen, wenn du trotz App ein Couchpotato bleibst?”

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Und auch Autos liefern Daten. Die Versicherungen rechnen heute schon durch, wie sie KfZ-Beiträge neu berechnen, wenn sie wissen, ob es sich beim Fahrer um einen chronischen Raser oder einen typischen 30km/h-Schleicher in der Stadt und 80km/h auf dem Land handelt. Und sollte sich das autonome Fahren einmal durchgesetzt haben, wird es in der Übergangsphase, wo Selberfahren und autonomes Fahren parallel stattfinden, sicherlich auch neue Policen geben. Menschen, die auf autonomes Fahren umsteigen, werden Rabatte bei der KfZ-Versicherung gewährt, weil davon auszugehen ist, dass sich weniger Unfälle ereignen, wenn eine Maschine fährt.

Wie verändern sich also die Entscheidungen der Menschen, wenn die Folgen der Entscheidungen jederzeit intelligent prognostiziert werden? Wie verändert sich menschliche Expertise und Erfahrung, wenn sie immer gegen die intelligente Computerprognose konkurriert? Spannend wird sein, ob sich dadurch unser Einkaufsverhalten ändert. Heute operiert der Handel noch mit Vorhersage-Modellen, die die Frage beantworten, wie viele Produkte werde ich am Samstag verkaufen und wie viele Produkte muss ich bestellen? Unter dem Einfluss von künstlicher Intelligenz ist ein automatisierter Preis der zweite Schritt. Der dritte Schritt, so Jánszkys Prognose, werden personalisierte Preise sein. Und auch wenn Supermärkte heute noch nicht auf personalisierte Produkte gehen: In Zukunft wird nicht der Abverkauf von Produkten verfolgt, sondern der Verkauf von individualisierten Produkten. Entsprechend werden wir uns fragen, wer ist Händler und wer ist Hersteller? Und natürlich: Wem gehören die Daten?

Der Algorithmus ist nur so gut wie seine Datenbasis

Und wie sieht es mit der Güte der Vorhersagen aus, die die KI-Systeme treffen? „100 Prozent richtige Vorhersagen gibt es nicht. Aber die Menschen akzeptieren 80 Prozent Verlässlichkeit, weil der Nutzen so hoch ist“, ist sich Sven Gábor Jánszky sicher. Durchsetzen wird sich künstliche Intelligenz dennoch, weil die Entwicklung schleichend ist. Spannend wird es, wenn die kognitive Intelligenz der KI-Systeme die normale Intelligenz von uns Menschen übersteigt. Das soll etwa 2050 der Fall sein. Die Frage ist dann, ob die kognitive Intelligenz auch emotionale Intelligenz beeinflussen kann. Werden die KI-Systeme dann zu menscheln anfangen?

Wie auch immer die Zukunft aussehen wird: Für beste Ergebnisse braucht es eine gute Datenbasis. Es ist wie mit dem Truthahn-Prinzip: Der Bauer kommt einen Monat lang regelmäßig in den Stall und füttert die Truthähne. Anfangs, wenn der Bauer kommt, rennen die Vögel weg. Doch bald lernen sie, dass der Bauer ihnen Futter bringt und werden zutraulich. Zwei Tage vor Thanksgiving wird jedoch geschlachtet. Dass an Thanksgiving großes Truthahnessen angesagt ist, wissen die Puter natürlich nicht. Und was können wir daraus lernen: Wenn auch nur eine Information fehlt (Thanksgiving = Truthahnessen), kommt es zu Fehlentscheidungen. Flucht statt Zutraulichkeit wäre die richtige Entscheidung gewesen. Das Problem für Unternehmen wird in Zukunft also sein, wie sie die Vollständigkeit von Informationen gewährleisten können, sagt Sascha Pulijc, Country-Manager-Germany bei Teradata.

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