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Analyse

Der Chip in der Hand – bald vom Chef verordnet?

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Das Bahnticket unter der Haut

Vorreiter sind in der Angelegenheit ausnahmsweise mal nicht die Amerikaner sondern die Schweden, genauer: die schwedische Staatsbahn. Sie erlaubt neuerdings, sich das Zugticket vom Telefon auf sein Chip-Implantat zu laden. Der Schaffner scannt es mit einem Lesegerät aus der Hand. Schweden hat allerdings auch eine andere Mentalität, was beispielsweise Datenschutz betrifft. Dort besitzt seit 1967 jeder Bürger eine einheitliche Nummer, die vom Finanzamt, der Krankenversicherung, aber auch dem schwedischen Pendant der Schufa benutzt wird. In Deutschland wäre das undenkbar.

Kein Wunder also, dass das Epizentrum der Chip-Epidemie in Schweden liegt: ein Co-Working-Space mit dem passenden Namen „Epicenter“ in der Stockholmer Innenstadt. In einigen Meldungen wird behauptet, das Epicenter sei die erste Firma, die ihre Mitarbeiter chippt. Das stimmt so nicht: Als Co-Working-Space hat es fast keine Angestellten sondern vor allem Freelancer, die sich dort einen Raum oder einen Tisch mieten – und sich auf Wunsch eben auch einen Chip unter die Haut setzen lassen können. Damit entriegeln die Mieter dann die Eingangstür, nutzen verschiedene Dienste des Hauses und kaufen Getränke. Ein Restaurant und ein Fitnessstudio in der Nähe des Epicenters akzeptieren ebenfalls den Chip anstelle eines vorgezeigten Mitgliedsausweises. Das Ganze erinnert ein wenig an die Bitcoin-Community in Kreuzberg.

Wer selbst so ein Implantat ausprobieren möchte, kann es für rund 50 bis 150 Euro online bestellen und muss anschließend damit noch zum Piercer gehen. Einfache RFID-Tags gibt es in der Großpackung schon für wenige US-Dollar das Stück, sie sind aber nicht empfehlenswert. Die Gesundheitsgefahren sind vergleichbar mit Piercings: Eine Entzündung ist möglich, aber selten. Mit den benutzten Materialien gibt es jahrzehntelange Erfahrung beim Chippen von Tieren. Herausnehmen lässt sich der Chip beim Chirurgen mit einem wenige Millimeter langen Schnitt unter örtlicher Betäubung. Manchmal bildet sich um das Implantat aber eine Gewebetasche, die das Herausnehmen kompliziert macht. Beim Heimwerken oder in Schlägereien sollen auch schon mal Glaskörper der Chips zerbrochen sein. Die anschließend nötige Operation kann zu einer unangenehmen Angelegenheit werden.

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Für Firmen tabu

Derzeit sind diese Chips also eher doch nur was für Bastler mit Affinität zur Body Modification, die sonst auch schon mal ein Piercing tragen und sich von Rangeleien fernhalten. Problematisch wird‘s, wenn Chefs ihre Angestellten bitten, sich chippen zu lassen. Nicht so sehr wegen der möglichen Überwachung: Wenn Arbeitgeber automatisch protokollieren, wann ich mit einer Keycard das Haus betrete oder mich am PC einlogge, tun sie das mit oder ohne Chip. Mögen diese Implantate auch unterm Strich eher harmlos sein, so gehen sie doch unter die Haut. Und wenn jemand das nicht möchte, ist das unter allen Umständen zu akzeptieren. Auch wenn ein Vorgesetzter noch so sehr betont, das Ganze sei freiwillig: Ein subtiler Druck kann bei typischen Arbeitgeber-Angestellten-Verhältnissen leicht entstehen.

Ein subtiler Druck kann bei typischen Arbeitgeber-Angestellten-Verhältnissen leicht entstehen.

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Eine Reaktion
Thomas

Wie schon erwähnt, hat man mit einem Chip unter der Haut wesentlich mehr Kontrolle über seine Daten als bei "herkömmlichen" Verfahren. Das wird den meisten eben erst dann bewusst, wenn man ihnen, wie im Beitrag ansatzweise geschildert, vor Augen hält, wie gut man sie bis jetzt schon tracken kann - OHNE dass man irgendeine Kontrolle über die eigenen Daten hat. im Gegensatz zu einem geklauten Portemonnaie, was idR genug "Stoff" enthält, um (zumindest online) die Identität stehlen zu können. Und da nützt auch nur das Sperren von Karten wenig bzw. schützt nur teilweise.

Aktuell gehen die meisten ja (noch) den Umweg über das Smartphone, was sie persönlich als sicherer empfinden... die Ironie dahinter wird den meisten erst dann bewusst, wenn's weg ist.

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