Böse Zungen behaupten, auch in der Softwarebranche gelte die Naturkonstante Pi. Softwareentwicklungsprojekte würden demzufolge die Planwerte für Dauer und Kosten meist um den Faktor 3,14 überschreiten. Das ist sicherlich übertrieben. Doch Tatsache ist, dass sehr viele Softwareentwicklungsprojekte nicht nach Plan verlaufen und manche ihr Ziel nie erreichen. Man denke nur an das spektakuläre Scheitern des Projekts „Toll Collect“. Die Suche nach verbesserten Entwicklungsmethoden ist daher sinnvoll und notwendig.
In den vergangenen 40 Jahren hat es immer wieder neue Methoden und Modelle der Softwareentwicklung gegeben. Einige Merkmale sind all diesen Methoden gemein:
- Strenge Regeln mit ausführlichen Prozessbeschreibungen
- Eine (oft weit) vorausschauende Planung
- Die Möglichkeit einer Anpassung der Methoden über ein so genanntes „Tailoring“
- Risikominimierung beim Auftraggeber durch Vereinbarung von Festpreisen und Festterminen
Agile Methoden: Flexibilität und Geschwindigkeit
Das häufige Scheitern von Softwareentwicklungen führte um die Jahrtausendwende zu Überlegungen, ob nicht der grundsätzliche Ansatz falsch sei. Man suchte die Ursache für das Scheitern nicht bei den handelnden Personen oder bei der unzureichenden Anwendung der Methoden, sondern bei den Methoden selbst. Statt mehr und bessere Regelwerke aufzubauen, versuchte man, mit viel weniger auszukommen. Ziel war es, alle Prozesse flexibel und schnell zu machen und so agil zu werden. Dies zog sich durch alle Bereiche, von der Anforderungsdefinition über die Programmierung bis zum Projektmanagement und der Organisation selbst.
Es entstanden sehr unterschiedliche Ansätze mit dem Ziel, diese Agilität zu erreichen. Im Jahr 2001 wurden alle Lösungsansätze erstmals gebündelt und im so genannten „Agilen Manifest“ [1] zusammengefasst und veröffentlicht. Darin werden Prioritäten neu gesetzt:





