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Erfolg durch gutes Design – Das Auge klickt mit!

Für manche ist Design reines Dekor. Es spielt sich an der Oberfläche ab und ist das Sahnehäubchen auf einem Projekt: toll, aber nicht zwingend notwendig. Dabei ist Design weit mehr als das: Ein elementarer Bestandteil des Projektprozesses. Warum Design so wichtig für den Erfolg eines Projektes ist, darum geht es in diesem Beitrag.

Für mich als Designerin hat Design berufsbedingt einen höheren Stellenwert als für andere. Ich schätze visuelle Details, ich sehe typografische Satzfehler sofort und ärgere mich, wenn andere meine visuelle Begeisterung nicht teilen, eben weil es für mich so elementar ist, ob Objekte, Websites, Benutzeroberflächen und Produkte gut gestaltet sind. Die Welt wäre ein fader und unfunktionaler Ort, wenn sie ungestaltet wäre, davon bin ich fest überzeugt.

Mag es früher noch sehr einfach zu definieren gewesen sein, wer oder was ein Designer ist, hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren massiv verändert. Was genau ein Designer eigentlich macht, erschließt sich nicht sofort über den Begriff. Es gibt Grafik-Designer, Web-Designer, Screen-Designer, Interface-Designer, Info-Designer, Interaction-Designer, neuerdings auch Service-Designer und Design-Thinker. Darüber hinaus gibt es Produkt-Designer, Industrie-Designer, Mode-Designer, Raum-Designer, Software-Designer, sogar Food-Designer. Alles kann, alles muss designed werden, könnte man meinen.

Die Notwendigkeit von Design

Die lateinische Herkunft des Begriffs Design bedeutet „(be)zeichnen“ und auch deshalb wird genau das oft mit dem Beruf eines Designers assoziiert: Zeichnen können, malen, „machen, dass es gut aussieht“ oder „etwas hübsch machen“. Gerade letzten Satz höre ich im beruflichen Alltag häufig. Früher zuckte ich dann innerlich kurz zusammen und dachte „Autsch! Das versteht ihr unter dem, was ich mache?“ Mit zunehmender Berufserfahrung allerdings weiß ich, dass mein Gegenüber damit nicht meine Berufsehre in Frage stellt. Im Gegenteil: Meist ist mein (zukünftiger) Kunde an einem Punkt angelangt, an dem er erkannt hat, dass seine Idee, sein Produkt oder seine Website ohne professionelle Gestaltung nicht funktionieren werden. Und genau dort fängt dann die Arbeit eines Designers an.

Was ist gutes Design?

Gerade aus der weit verbreiteten Annahme heraus, Designer wären automatisch begnadete Künstler und könnten toll mit Pinsel und Stift umgehen, ergibt sich ein falsches Bild. Im Gegensatz zur Kunst ist Design rein zweckgebunden und verfolgt eine funktionale Absicht. Im Deutschen gibt es den Begriff der „Gebrauchsgrafik“, der zwar nicht so sexy klingt, im Grunde aber sehr treffend ist: Gestaltung für etwas, das gebraucht wird, das benutzt werden soll.

Was aber genau ist gutes Design? Was bringt uns dazu, Produkt A zu kaufen und Produkt B nicht? Wieso bestellen wir lieber bei Online-Shop C statt bei Shop D – trotz des gleichen Angebots? Weil es uns subjektiv besser gefällt.

Gutes Design erkennt man nicht daran, ob ein Logo grün oder blau ist. Man erkennt es daran, dass es zur Marke passt und deswegen grün oder blau ist. Denn gutes Design ist in erster Linie eines: ansprechend. Und das ist wörtlich zu nehmen: Es muss den Betrachter oder Benutzer in irgendeiner Form emotional berühren. Gutes Design holt Menschen ab, weil es ein vordergründiges oder unterbewusstes Bedürfnis anspricht. Die weichen Faktoren also sind es, die gute Gestaltung ausmachen.

Die Zielgruppe kennen

Genau das stellt die Herausforderung für die Arbeit des Designers dar. Der erste Schritt eines jeden Design-Prozesses ist deswegen die Auseinandersetzung mit der Zielgruppe, für die das Produkt gemacht ist. Wichtig ist dabei vor allem, sich in die Rolle des zukünftigen Nutzers zu versetzen, im Bereich des Web- und Interaction-Designs gerne liebevoll DAU (Dümmster anzunehmender User) genannt. Designer und DAU kollidieren sehr häufig in ihren Vorstellungen. Ein Button in Unternehmensfarbe bedeutet nicht automatisch, dass der User ihn wegen seiner offensichtlich ansprechenden Ästhetik klickt.

Überträgt man das auf Web-, Screen- oder Interface-Design, spricht man von Interaktionsdesign oder gerne auch User-Experience-Design. Es hat in erster Linie zum Ziel, den User auf der Website oder in der Anwendung zu führen, was meist dadurch gelingt, dass im Gestaltungsprozess Elemente so definiert und gestaltet wurden, dass der User darüber nicht nachdenken muss, sondern sie einfach und intuitiv benutzen kann. Das Benutzen einer Anwendung wird so über dessen Design gelenkt.

Eine keineswegs repräsentative Umfrage in meinem Nicht-Designer-Umfeld hat gezeigt, dass unter Design häufig das „Verschönern von Oberflächen“ oder „etwas schön zu machen, was auch so eigentlich funktionieren würde“ verstanden wird. Dabei ist all das unter der Oberfläche (also dem Interface, das gestaltet wird) ein ebenso fester Bestandteil des Konzeptions- und Gestaltungsprozesses. Der Gestalter muss verstehen, wie der Prozess hinter einer Anwendung funktioniert, um ihn visuell funktional aufzubereiten. Nicht zuletzt muss er das Medium, auf dem die Anwendung läuft (z. B. Website oder App) verinnerlicht haben, er muss die technischen Anforderungen in die Gestaltung mit einbeziehen, der Benutzer erwartet das. Man stelle sich nur eine Website vor, die Text komplett als Grafiken einbettet in Zeiten von Webfonts – oder eine Unternehmenswebsite aus reinem Flash. Undenkbar!

Persönliche Bilder sorgen für einen sypmpathischen Eindruck.
Persönliche Bilder sorgen für einen sypmpathischen Eindruck.

Eine gelungene Alternative zu Fotos können individuelle Illustrationen sein.
Eine gelungene Alternative zu Fotos können individuelle Illustrationen sein.

Visuelles Design

Soviel zum „Untergrund“ und konzeptionellem Design. Im Gegensatz dazu ist das visuelle Erscheinungsbild leichter zu erfassen und zu verstehen. Es ist das, was man als erstes wahrnimmt, weil man es sofort sieht, und das, worüber sich der Web- oder Screendesigner (die Bezeichnung Screen schließt auch alle mobilen Endgeräte mit ein) zunächst Gedanken machen muss. Wichtig ist auch hier anfangs die Frage: Was bin ich und was will ich sein? Website oder App? Landingpage oder Microsite? Information oder Entertainment? Aus der Beantwortung dieser Fragen ergeben sich zentrale Ansatzpunkte für die visuelle Umsetzung. Gutes Interface-Design ist ein Zusammenspiel verschiedener, gleichwertiger grafischer Elemente:

  • Definition eines Gestaltungsrasters
  • Farbauswahl (Berücksichtigung von Farbwirkungen – auch in kulturellem Kontext – und Farbkombinationen)
  • Formen und Positionen (rund oder eckig, aufstrebend und absteigend)
  • Typografie und Schriftwirkung (z. B. Serifenlose oder Grotesk, modern oder konservativ, massiv oder leicht)
  • Bildsprache (Fotorealistisch oder abstrakt, Stockmaterial oder eigene Fotos, Illustrationen, Infografiken, Piktogramme)

Dieses Zusammenspiel gekonnt zu arrangieren, so dass die Elemente wie Bausteine ineinander greifen, unterscheidet den Designer vom Nicht-Designer und mündet in der Umsetzung des Gestaltungsprozesses.

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9 Reaktionen
D. Schmitz

Design is immer schwer. Jedem gefällt doch was anderes. Es muss halt einfach stimmig sein und selbst schlechte Designs können authentisch wirken....

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Christian
Christian

Guter Artikel. Allerdings bin ich der Meinung, dass man aus einem Template auch ein individuelles Design zaubern kann und einem einiges an Coding Arbeit erspart bleibt. Und wenn man fair bleibt, kann man die Kostenersparnis an den Kunden weiter geben. Denn nicht jeder hat 2000€ oder mehr übrig für ein Webdesign.

Auch sollten die erfolgreichen Designer die mit Talent und Grips gesegnet sind, nicht immer darüber jammern das es andere nicht so talentierte gibt die ihnen das Geschäft kaputt machen würden. Aber das scheint normal bei den Großkopferten zu sein.

Ich habe auch schon wirklich tolle Produktseiten gesehen wo der Designer tolle Arbeit geleistet hat, das Produkt dahinter aber nicht überzeugen konnte. Gutes Design mag vielleicht förderlich sein, potenzielle Kunden sollten sich aber nicht über den nutzen des Produkts hinwegtäuschen lassen.

Gutes Design ist nicht gleich gutes Produkt und schlechtes Design ist nicht gleich schlechtes Produkt und Individualität sollte nicht überteuert sein und an Features wie JS Slider oder Ajax Forms gemessen werden.

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Alex
Alex

@Stefan: kann mich nur anschließen.

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Markus Kah
Markus Kah

Kennt eigentlich jemand valide Tests, wie man das Design einer Webseite quantitativ bemessen lassen kann? Wie kann man den unbewussten Bewertunsgprozess beim User transparenter machen, außer auf Conversiontests (z.B. a/b Tests) zurückzugreifen? Gibts da was? Vielleicht eine Art Rating mit vielen Testpersonen?

Diese Bewertung (von Screendesign) erfolgt innerhalb weniger Sekunden und geschieht meist unterbewusst. Der normale Nutzer weiß nicht, dass die Seite ihm wegen der guten Typografie, der gelungenen Bildsprache oder der idealen Farbkombination zusagt, sondern nur, dass sie ihm zusagt.

Letzten Endes steckt die Frage dahinter, was unterscheidet eine "gute Website" von einer "schlechten Website". Es scheinen sich modeabhängige Quasistandards zu etablieren, die eine Zeit lang anhalten. Also: Wie misst man die Schönheit von Webseiten?

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mendo
mendo

Design ist in unserer Zeit ungeheuer wichtig geworden und ist mitunter zum Hauptentscheidungskriterium geworden, denn Fehlerfreiheit und gute Qualität wird erwartet/gefordert und stellt kein Argument mehr dar, mit dem man jemandem hinter dem Ofen hervorlocken kann. Doch eine Vielzahl von Unternehmen hier in Deutschland scheinen das noch nicht begriffen zu haben. Allen voran finde ich es beschämend wie viele sich hierzulande selbst "Webdesigner" schimpfen und "Designs" abliefern, die selbst bei eher unbedarften Nutzern nur Brechreiz auslösen. Ganz zu schweigen davon, dass die meisten dieser Designer/Webentwickler technologisch im Jahre 1999 stehen geblieben zu sein scheinen.

Ich persönlich kenne nur eine Handvoll gute Designer/Agenturen hier in Deutschland die im Stande sind ein ansprechendes und vor allem perfekt an den Auftraggeber (oder dessen Produkt) angepasstes Design zu liefern, was dann auch die Stimmung transportiert die es transportieren soll. Aber in Zeiten von "Mach's dir selbst - Homepages für nur XX,XX pro Monat" wird gutes Deisgn immer mehr mit Füßen getreten und billiger Einheitsbrei zum absoluten Standard erklärt. Das heißt: Ein guter Designer muss sich bei seinem (logischerweise teueren) Entwurf einer perfekt abgestimmten Website am billigsten DIY-Produkt messen lassen.

Vergleicht man beispielsweise die Web-Designs von US-Startups und den Startups aus Deutschland, wird schnell klar das für Deutschland der Design-Zug klar abgefahren ist (bis auf ein paar wenige Leuchtfeuer). Persönlich gesehen ist es mir immer noch für ein Rätsel warum es "hässliche" Designs überhaupt bis in den Produktivbetrieb schaffen, denn ob man nun eine ansprechendes oder ein "hässliches" Design umsetzt, die Arbeit bleibt annähernd die selbe. Diese Mentalität von "gut muss es nicht sein, nur billig", ist auch einer der Gründe warum ich mich in Sachen Webdesign und Webtechnologien ausschließlich in Richtung USA orientiere. Wir in Deutschland haben m.E. den Anschluss hier schon lange verloren.
Beispiele gefällig? Während es in den Staaten mehrere PAAS-Angebote (Heroku, Cloudfoundry, GAE, Engine Yard etc.) gibt, werden hier in Deutschland einfach VServer-Angebote in Cloud-Server umbenannt und schon haben wir auch "Cloudlösungen". Während es mit Dropbox einen technisch einfach zu bedienenden und v.a. "intelligenten" Cloud-Speicher gibt, verscherbeln dt. Hoster billigen (FTP)Webspace als Cloud. Einfach nur lächerlich...

Mit Hr. Sarazins Worten: "Deutschland hat sich schon abgeschafft - zumindest im Bereich Web".

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Stefan Flame
Stefan Flame

Liebe Nadine,

Bauchschmerzen bekomme ich, wenn ich "ansprechenste" lesen muß.
Von Trivialitäten bekomme ich Kopfschmerzen, z.B. wenn mir der Begriff "DAU" erklärt wird.

Und bei unsäglichen Verallgemeinerungen wie bei der Bausch-und-Bogen-Verurteilung von Comic Sans stellt sich bei mir urplötzlich Harndrang ein.

Zwar wird am Ende des Artikels die Wichtigkeit der Kommunikation betont, der größere Teil jedoch ist m.E. eher eine wichtigtuerische Belehrung über die Bedeutung des Designs für den Erfolg eines Projektes. Wobei ein Projekt im Kontext des Artikels wohl die kurzfristige Betrachtung einer Webseite zu sein scheint.

Daneben wird im Artikel noch über Kürzungen im Marketingbudget gejammert und H&M als Billigheimer gebrandmarkt.

Das ist schlechter Stil.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan

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tholie
tholie

Super Artikel, aber liebes T3N Team, die fotolia Werbung ist zwar an dieser Stelle ziemlich gut getroffen, nur leider nicht das Werbebild. Das sugeriert doch unterbewusst: Designer nehmen alle Drogen. :).

Zum Artikel:
Ich würde diesen Artikel gerne meinen Kunden unter die Nase halten, nur leider befürchte ich das diese daran weder Zeit noch Interesse haben, diesen zu lesen. Ich denke einfach das dies bei den Leuten bekannt ist die damit zu tun haben. Aber die Entscheider beim Kunden werden solche Artikel leider niemals lesen. Also stellt sich für mich die Frage: Wie bekomme ich den Inhalt dieses Artikels in die Köpfe derer die über das Design und damit den finanziellen Rahmen entscheiden.

Mit freundlichen Grüßen
tholie

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R. Furrer
R. Furrer

Toller Artikel - passende Vergleiche (H&M :)! Vielen Dank!

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Andreas Simon

Hej Nadine,
großartiger Artikel mit sehr guten und anschaulichen Argumenten!
Den Artikel müsste ich unseren Kunden zum Teil 1:1 vor die Nase legen :-)

Vielen Dank und Gruß,
Andreas

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