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E-Learning: Wie das Netz zum Klassenzimmer wird

Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

Seit einigen Jahren wird die Wichtigkeit von „lebenslangem Lernen“ betont. Dies erfordert jedoch ein enormes Maß an persönlicher Informationskompetenz, was somit zu einer Schlüsselaufgabe des modernen Menschen wird. Der wichtigste Begleiter ist dabei das Netz: Was es zu wissen und zu lernen gibt, findet sich hier. Doch welche Möglichkeiten bietet es konkret?

E-Learning: Wie das Netz zum Klassenzimmer wird

Manche setzen die Entwicklung, die das Internet in Gang gesetzt hat, mit den Auswirkungen des Buchdrucks gleich – und diese waren bekanntermaßen enorm. Kein Bereich, auf den das Internet keinen Einfluss hätte. Doch wie sieht das im Bereich Lernen und Bildung aus?

Das Netz hält unendlich viele Möglichkeiten bereit für alle, die sich privat weiterbilden, die lernen und sich – in welchen Gebieten auch immer – entwickeln wollen. Zum 18. Mal findet in diesem Herbst die Online-Educa Berlin statt, eine der größten E-Learning-Konferenzen weltweit [1]. „Reaching beyond tomorrow“ lautet das Thema und hält viel Spannendes zu neuen Technologien, Tools und entwicklungspolitischen Zusammenhängen bereit. Ein Fokus liegt dabei auf dem Thema Videos, denn diese werden unverzichtbar, wo es um Online-Bildung geht.

Allerdings: Die endgültige Revolution bleibt bisher aus. Auch wenn das Netz jegliches nur erdenkliche Infomaterial bereithält – bisherige Lern- und Bildungskonzepte hat es bisher nicht umgewälzt. So moniert zum Beispiel der Wiener Journalist Michael Maier, dass die fundamentalen Werte, die hinter dem Internet stehen – Partizipation, Interaktion und Peer-to-peer – noch viel zu geringen Einfluss auf Bildung und Erziehung haben [2]. Auch Adrian Sannier vom Pearson eCollege zeigte sich auf der vergangenen Online-Educa Berlin enttäuscht davon, dass die Einführung von Technologie in die Erziehung nicht wirklich geklappt habe. Stattdessen seien die klassischen Ansätze – eine Klasse, ein Lehrer, der Lehrer als Chef – einfach ins Netz adaptiert worden [3].

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In der Khan Academy bilden sich Nutzer mithilfe von über 3.200 Video-Tutorials fort.

Neue Konzepte treffen auf konservative Ansätze

Der Blick über Deutschland hinaus zeigt zum Glück ein anderes Bild. Laut Maier finden moderne Lern- und Bildungskonzepte, die mit den neuen Technologien verknüpft sind, in Entwicklungsländern größeren Anklang als in Westeuropa. Dies liege daran, dass in überalterten Gesellschaften wie Deutschland und Frankreich der Druck zu Veränderung nicht sehr groß ist, weshalb eher konservativ am Alten fest gehalten wird – ganz anders als in vielen Schwellenländern, wo Bildung überlebenswichtig ist und neue Wege gesucht und gefunden werden müssen.

Aber auch, wenn man hierzulande noch nicht von einer kompletten Umwälzung des Bildungssytems durch das Internet sprechen kann, ist doch spürbar, wie die neuen Möglichkeiten unsere Art des Lernens, Nachschlagens, unseren Wissenskonsum und damit die gesamte Bildung prägen. Entwicklungen wie Open Source und Wikipedia verändern bisherige Strukturen, Webcams und Messaging-Dienste ermöglichen neue Arten des ortsunabhängigen und trotzdem gemeinsamen Lernens. Smartphones samt entsprechenden Apps tragen zu noch größerer örtlicher Flexibilität bei. All dies gibt es immer häufiger auch in ansprechender und pädagogisch sinnvoller Form für Kinder – schade, dass dies in Schulen noch nicht entsprechend genutzt wird; aber die Voraussetzungen sind geschaffen.

Von den drei Urpfeilern des Netzes – Partizipation, Interaktion und „Peer-to-peer“ – findet sich doch schon manches wieder in den neuen Lernmöglichkeiten. So wird das Prinzip der Partizipation beispielsweise bei Wikipedia verwirklicht, weil plötzlich jeder am Prozess der Wissensvermittlung beteiligt ist. Interaktion geschieht, indem unterschiedlichste Medienformate wie Videos, Chats und Blogs zur Wissensvermittlung genutzt werden. Und auch das Peer-to-peer-Prinzip findet sich wieder, weil viele Konzepte nicht mehr von der klassischen Einteilung zwischen dem wissenden Lehrenden und dem unwissenden Schüler ausgehen, sondern die Rollen flexibel sind. Im Netz ist jeder Experte, der von anderen gehört und gelesen wird, unabhängig von Examen, Lebenslauf und sonstigen Qualifikationen. Es geht oftmals mehr um Wissensaustausch als um Wissensvermittlung durch Einzelne.

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Eine Antwort
  1. von Gerd Brünig am 20.01.2013 (15:51Uhr)

    Danke für den Überblick. Mir fehlt allerdings das aktuelle Projekt "Leuphana Digital School - Global Learning in Teams" der Uni Lüneburg mit dem Thema “ThinkTank – Ideal City of the 21st Century”, das morgen am 21. Januar beginnt. http://digital.leuphana.de

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