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Digitale Technologien als Chance für Journalismus: Wolfgang Blau im Interview

    Digitale Technologien als Chance für Journalismus: Wolfgang Blau im Interview
(Foto: Condé Nast International)

Ob Chatbots der Smartwatches: Neue digitale Technologien verändern nicht nur, wie wir Inhalte konsumieren, sondern auch was wir konsumieren. Wolfgang Blau sieht in dieser Entwicklung eine Chance.

Er war Chefredakteur von Zeit Online und hat den weltweiten Relaunch des britischen Guardian redaktionell verantwortet: Wolfgang Blau gehört zu den deutschen Journalisten, die die Digitalisierung nicht nur früh beschrieben, sondern auch vorangetrieben haben. Condé-Nast-CEO Jonathan Newhouse holte den 49-Jährigen wegen seiner Digitalexpertise als Chief Digital Officer in den Verlag. Dort verantwortet Wolfgang Blau seit Ende 2015 die digitalen Aktivitäten von Medienmarken wie GQ, Wired, Vanity Fair oder Vogue in den Märkten Europa, Lateinamerika und Asien.

Zum Mobiljournalismus hat er eine klare Meinung. Die Denkweise Mobile-First ist für ihn veraltet. Sein Arbeitscredo lautet: „Mobile ist der neue Standard.“ Wer in Zukunft noch gelesen werden wolle, müsse die neuen technischen Möglichkeiten nutzen und Inhalte dafür zuschneiden. Seine Arbeit mit Kollegen in China, wo Vogue Marktführer ist, hat seinen Fokus auf Smartphones noch verstärkt. Dort wüden digitale Produkte und Services mit einer noch höheren Geschwindigkeit als im Silicon Valley vorangetrieben, sagt der Vordenker.

t3n Magazin: Wolfgang, wie hast du dir heute Morgen einen Überblick über die Nachrichtenlage verschafft?

Wolfgang Blau: Ich habe auf Twitter die Suchbegriffe „Brexit“ und „Pound“ gescannt, ein paar Texte der Financial Times angelesen und dann in der U-Bahn Kurznachrichten von Deutschlandfunk, BBC, NPR und ein paar asiatischen Ländern gehört. Ich mag die Podcast-App Hourly News.

t3n Magazin: In einem Interview sagtest du kürzlich, dass der mobile Journalismus vermutlich die besten Texter der Branche hervorbringen und am Ende auch zu besserem Printjournalismus führen wird. Warum?

Auf dem Smartphone ist der jeweils sichtbare Textausschnitt in der Regel so klein, dass der erste Absatz exzellent sein muss, oder der Leser ist weg. Bei Magazinlesern oder Deskop-Usern ist das anders. In Eye-Tracking-Studien können wir sehen, wie die große Mehrheit der Leser einen Text erst einmal vertikal scannt und dann irgendwo im ersten Drittel des Artikels zu lesen beginnt. Ist der erste Absatz eines Textes dann nicht stark genug, haben der zweite oder dritte Absatz so immer noch eine Chance, gelesen zu werden. Auf dem Smartphone muss hingegen zwischen jedem weiteren Scrollen der jeweils sichtbare Textausschnitt wieder so gut sein, dass ein User die unbewusste Entscheidung trifft, noch einmal zu scrollen.

t3n Magazin: Das Smartphone hat in den vergangenen Jahren Konkurrenz bekommen, unter anderem durch intelligente Uhren. Dort lesen wir Texte ja noch mal anders. Nutzt du diese Möglichkeiten?

Wolfgang Blau: Ich habe meine Apple Watch nach ein paar Wochen wieder verkauft. Ich habe eh fast immer ein Smartphone in der Hand. Nützlich wird eine Smartwatch für mich, wenn sie vom Smartphone autonom ist und eigenen Netzzugang hat. Die Kombination Smartphone und Fitbit reicht mir im Moment noch.

t3n Magazin: Also keine Chance für den Journalismus auf der Smartwatch?

Doch, durchaus. Was journalistische Formate für Smartwatches angeht, würde es mich nicht wundern, bald Lesersegmente zu beobachten, die auch längere Texte gerne auf der Watch lesen. Ich selbst gehöre zu dieser seltsamen Gruppe. Auf der Einstiegsebene gerne Bullet-Points, aber dann auch bitte die Wahl, gleich den zugehörigen Volltext auf der Watch lesen zu können, statt ihn nur für das spätere Lesen auf Smartphone oder Desktop bookmarken zu dürfen.

t3n Magazin: Nachdem der Hype um Smartwatches wieder abgeklungen ist, lautet das derzeitige Buzzword Chatbots. Räumst du dem „conversational journalism“ eine Chance ein?

Auch wenn zum Beispiel der frühe Chatbot der News-App Quartz unterhaltsam ist, liegt das journalistische Potenzial von Chatbots vermutlicher weniger darin, Inhalte in einer gesprächsähnlichen Struktur zu vermitteln, sondern darin, eher beiläufig Informationen abzufragen, die dann die Erstellung personalisierter Inhalte ermöglichen.

Oliver Nermerich
Oliver Nermerich

ist Kommunikationswissenschaftler und leitet die Online- und Social-Media-Abteilung bei der Kölner Agentur Oliver Schrott Kommunikation. Der 35-Jährige verfolgt mit großem Interesse die Entwicklungen der Medienbranche und spricht dazu mit Journalisten, Medien- und Meinungsmachern auf der ganzen Welt.

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