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So funktioniert die Distributed Company

Aus dem
t3n Magazin Nr. 36

06/2014 - 08/2014

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Fördern oder verhindern Home Office, Coworking und weltweit verteilte Mitarbeiter die Innovations- und Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen? Das hängt ganz stark von der Kommunikations-Infrastruktur und seinen Regeln ab. Nur wenn diese strikt befolgt werden, funktioniert die Distributed Company.

So funktioniert die Distributed Company
Egal wo, immer erreichbar. (Quelle: photocase)

Immer und überall arbeiten können – was in der Startup-Szene zur hohen Kunst des Gründerseins dazugehört, verliert bei den deutschen Arbeitnehmern und -gebern an Attraktivität, so eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Gleichzeitig arbeiten die Mitarbeiter etablierter amerikanischer Technologieunternehmen verteilt über ganze Kontinente oder gar den Globus – und das mit Erfolg. Dafür bekannte Firmen wie Basecamp, bislang bekannt als 37signals, oder Automattic Inc., das Unternehmen hinter WordPress, zelebrieren diese „Distributed Companies“ sogar in Büchern wie „Rework“ (Jason Fried und David Heinemeier Hansson) oder „The year without pants“ (Scott Berkun, ehemals Automattic) als die Zukunft der Arbeit. Dank Globalisierung, Digitalisierung und der steigenden Bedeutung der Wissensarbeit gibt es tatsächlich mehr und mehr Unternehmen, deren Mannschaften dezentral arbeiten. Oft stehen solche Unternehmen hinter so bekannten Software- und Web-Service-Produkten wie GitHub, Mozilla und MySQL.

Wer sind die Distributed Companies?

Ein Blick auf das Geschäftsmodell und die Unternehmensstruktur der Distributed Companies reicht, um ein Gespür dafür zu bekommen, warum ihnen das verteilte Arbeiten so viel bedeutet: Es handelt sich hierbei in erster Linie um relativ junge Technologiedienstleister und -entwickler, die mit ihren Software-as-a-Service(SaaS)-Produkten – oft auf Open-Source-Basis – die Organisation von Teamarbeit, Produktivität und Kommunikation unterstützten. Wer anderen die Infrastruktur für virtuelles Arbeiten anbietet, der tut gut daran selbst das Organisationsmodell der Distributed Company zu wählen – schließlich zeigt man damit, dass man die dezentrale, webbasierte Organisation von Arbeit ernst nimmt.

Egal wo, immer erreichbar. (Quelle: photocase)
Egal wo, immer erreichbar. (Quelle: photocase)

Ihre interne und externe Zusammenarbeit haben diese Unternehmen oft schon als junge Startups in Netzwerkstrukturen und mit agilen Entwicklungs- und Managementmethoden organisiert. Meist arbeiten hier bis maximal 100 Mitarbeiter – Automattic ist mit 220 Mitarbeitern ein Ausreißer nach oben. Zwar hat Deutschland bisher noch kein prominentes Beispiel zu bieten. Dennoch findet man auch hierzulande viele kleine Unternehmen dieser Art – meist mit oft weniger als 10 Mitarbeitern.

Das mag an der europäischen Geografie und der dadurch höheren Mobilität liegen. Nichts desto trotz vereint sie alle eines: Sie sind innovativ und müssen es auch bleiben, um am Markt bestehen zu können. Die Grundlage ihres Erfolgs ist, dass sie die besten Köpfe hoch motiviert und engagiert an ihr Unternehmen binden können. Kein Wunder, dass sie von einer „artgerechten“ Organisation der komplexen, digitalen Wissensarbeit profitieren, mit der sie ihre Antwort auf die Globalisierung und der damit komplexer werdenden Arbeitsmärkte gefunden haben.

In einer „Distributed Company“ wird global rekrutiert

Doch die Organisationsform der Distributed Companies ist keineswegs ein reiner Selbstzweck. Sie hat auch handfeste Vorteile. Einer der dringlichsten Gründe in Zeiten schwer zu findender, hoch qualifizierter Wissensarbeiter ist das Recruiting. Für viele Unternehmen ist dabei der Standort ihres Hauptquartiers die größte Herausforderung. Nicht jeder potenzielle Mitarbeiter will oder kann in die Gegend der zentralen Firmenniederlassung ziehen. Das gilt nicht ein mal für Kalifornien, die Hochburg des Internet-Business, obwohl es ein Magnet für talentierte Webentwickler aus aller Welt ist.

Anstatt also neue Mitarbeiter zum Firmenhauptsitz zu zitieren, lassen Distributed Companies ihre Angestellten in ihrer Heimat. Dort arbeiten diese in lokalen Gemeinschaftsbüros, Coworking Spaces oder im Home Office. Das hat mehrere Vorteile: Erstens entlastet dies das Unternehmen bei den Fixkosten, wie Miete und ähnliches. Zweitens entsteht dadurch eine weltweite Vernetzung in die lokalen Entwickler- und Nutzergemeinschaften hinein. Drittens – und dies ist beim internationalen „War of Talents“ ebenfalls immer wichtiger – können die raren, hochqualifizierten Wissensarbeiter auch die Rahmenbedingungen ihres Jobs mitgestalten.

In einer Distributed Company haben sie bei der Gestaltung des Umfeldes, der Schnittstellen zu Kollegen, der Arbeitszeit und der Wahl des Arbeitsortes schlicht mehr Mitspracherecht. Eine alternative, antihierarchische, fluide Organisationsform signalisiert potenziellen Mitarbeitern: „Wir sind offen und beschreiten neue Wege“. Und das kann zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden gegenüber den Campus-Arbeitsgebern mit Anwesenheitspflicht und gefühlt engem Regelkorsett.

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