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Home-Office, Coworking Space oder Büro? Die Vor- und Nachteile im Überblick

Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

Home-Office, Coworking Space oder Büro? Die Vor- und Nachteile im Überblick

Durch die technologische bräuchte man eigentlich keinen festen mehr. Doch nicht für jeden ist das flexible Arbeiten geeignet, denn auch Home-Office oder Arbeiten im Coworkingspace haben nicht nur Vorteile. Ein Überblick.

Seit Jahren wird in vielen Branchen mit flexiblen Arbeitsplatzmodellen experimentiert: Die moderne Technologie lässt es zu, von nahezu jedem Platz der Welt arbeiten zu können. Gleichzeitig fällt so für Unternehmen ein nicht unerheblicher Kostenfaktor weg, wenn sie auf große Büros und den Betrieb der zugehörigen Infrastruktur verzichten können. Doch wann ist das Arbeiten von zu Hause, dem Home-Office, sinnvoll? Und wann bringt es mehr, den morgendlichen Weg zu einem Arbeitsplatz auf sich zu nehmen?

Das Home-Office bietet nicht nur Vorteile.

Im IT-Bereich haben sich drei Arten der Arbeit durchgesetzt: Konventionelle Arbeit in einem Büro, das ein Unternehmen betreibt. Das Home-Office, bei dem ein Angestellter oder Freiberufler von zu Hause aus arbeitet und über das Internet via mobilen Office-Systemen Kontakt zu Kollegen und Auftraggebern hält. Und das Mobile-Office, bei dem jemand nur ein Laptop mit Internetstick und ein Smartphone braucht, um von unterwegs zu arbeiten. Das bietet sich vor allem für Menschen im Außendienst oder Kundenbetreuer an. Kann aber auch Sinn ergeben, wenn Freiberufler von Projekt zu Projekt mit unterschiedlichen Agenturen zusammenarbeiten.

In Deutschland arbeiten etwa 17 Millionen Menschen überwiegend im Büro, das sind ungefähr 45 Prozent aller Beschäftigten im Land. Das ergab die Studie „Information Work 2009“ des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart, in der die Potenziale von Informations- und Kommunikationstechnologien bei Büro- und Wissensarbeit analysiert wurden. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind etwa gleich. Die restlichen Erwerbstätigen arbeiten vorwiegend außerhalb eines Büros, zum Beispiel in der Produktion, in Werkstätten oder in Bildungs- oder Pflegeeinrichtungen.

92 Prozent der befragten Teilnehmer der Studie gaben dabei an, über einen eigenen, persönlich zugeordneten Arbeitsplatz zu verfügen. Sie wurden also von ihrem Arbeitgeber mit der üblichen und notwendigen Infrastruktur für die Arbeit ausgestattet: Computer, Bürostuhl, Tisch, Verbindung zum Internet und dem Firmennetzwerk – etwas, das als selbstverständlich angesehen wird. Die restlichen acht Prozent arbeiteten an einem flexiblen Arbeitsplatz, also beispielsweise im Rahmen eines Tausch-, Sharing- oder sonstigen Konzepts.

Die Studie schließt mit der Zusammenfassung, dass es für einen bestimmten Typen des so genannten Wissensarbeiters, also beispielsweise Vertreter kreativer oder IT-Berufe, sinnvoll sein kann, über eine zeitliche und räumliche Flexibilität in ihrer Arbeitsgestaltung zu verfügen. Können sie sich also aussuchen, wann, wie und wo sie arbeiten, sind sie produktiver und zufriedener.

Flexibel von zu Hause oder unterwegs

Dies ist einer der Gründe, warum immer mehr Unternehmen flexible Modelle ausprobieren und ihren Mitarbeitern beispielsweise das Arbeiten von unterwegs oder von zu Hause aus anbieten. Aktuelle, repräsentative und wissenschaftlich-neutrale Studien über die genaue Zahl von Home-Office-Nutzern in Deutschland gibt es nicht. Einzelne Arbeiten – vor allem von Anbietern aus dem Hardware oder Mobile-Office-Bereich – behaupten zumindest, dass sich etwas mehr als die Hälfte der Büroarbeiter vorstellen könnten, ihre Arbeit von zu Hause zu machen, anstatt jeden Tag ins Büro zu pendeln. Der Bundesverband der Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom, hat immerhin 2009 in einer Umfrage feststellen können, dass Home-Office für etwa 70 Prozent der Beschäftigten ein wichtiges Thema ist, besonders für Frauen. Schon damals arbeiteten etwa zehn Prozent regelmäßig, aber nicht ausschließlich, von zu Hause aus, Tendenz steigend. Gerade die Technik macht es immer leichter, als eine Art Satellit der Firma zu arbeiten. Auch wenn es mitunter Probleme mit dem Datenschutz und der Vereinbarung über Arbeitszeiten geben kann, für viele Unternehmen kann das Home-Office auch aus finanziellen Gründen interessant sein.

Doch so innovativ das Arbeiten von zu Hause wirkt, in der Praxis scheint der Trend noch immer skeptisch beäugt zu werden. „Agenturen suchen meistens Angestellte, die fest im Büro arbeiten sollen“, sagt Mike Schnoor, Pressesprecher vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Zwei Gründe zählt er auf, warum Agenturen sich immer noch schwer tun, ihre Angestellten von einem Platz abseits des Büros arbeiten zu lassen. „Wenn Kunden längerfristig betreut werden sollen, braucht man Ansprechpartner vor Ort, auch spontan. Gerade wenn Mitarbeiter für Meetings oder dringende Aufgaben gebraucht werden, ist es besser, wenn sie im Büro arbeiten.“ In einer Notfallsituation könnten so alle schnell zusammengetrommelt und auf die Aufgabe eingestimmt werden.

Home-Office ist keine Sparmaßnahme

Sieht entspannt aus, ist aber Arbeit: das Home-Office.

Auch Oliver Thylmann, Geschäftsführer bei Adcloud, sieht das ähnlich: „Wir bieten unseren Mitarbeitern zwar an, dass sie auch von zu Hause aus arbeiten können, doch wir stellen fest, dass vielen einfach der fachliche und persönliche Austausch mit Kollegen fehlt.“ Es ginge ja nicht darum, Menschen feste Plätze im Büro zuzuweisen, sondern ihnen einen Arbeitsplatz in einer angenehmen und kommunikativen Atmosphäre zu bieten. „Gerade in der Entwicklung muss man sich ja die ganze Zeit miteinander unterhalten.“ Da würden unnötige Barrieren hergestellt, wenn die Mitarbeiter immer wieder erst miteinander telefonieren oder chatten müssten, wenn sie ein Problem hätten. Ein persönliches Gespräch funktioniert da immer noch am besten. „Ich kenne Unternehmen, die aus Kostengründen komplett auf Home-Office gesetzt haben und dann mehr Geld für Reisekosten ausgaben, nur um ihre Mitarbeiter regelmäßig an einem Ort zusammen zu bringen.“

Sinnvoll sei die Arbeit von zu Hause aber, wenn man an einem Projekt arbeitet, das viel Konzentration und Ruhe bedarf. „Wenn man sich nicht vom Bürobetrieb ablenken lassen möchte, kann das im Home-Office schon funktionieren“, sagt Thylmann. Wenn man zu Hause nicht andere Dinge finden würde, mit denen man sich ablenken könnte. Wenn man sich ablenken lässt. Denn jeder, der schon einmal versucht hat, zu Hause an etwas zu arbeiten, was nicht nur Spaß macht, kennt die Versuchungen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Da macht es auf einmal sogar Spaß, zu putzen, und die Bücher können auch immer wieder neu geordnet und sortiert werden.

„Ich finde Home-Office aber auch aus einem anderen Grund problematisch“, sagt Oliver Thylmann. „Es fehlt die klare Abgrenzung zwischen Arbeitswelt und Privatsphäre.“ Die Work-Life-Balance kann so schnell kaputt gehen. „Und auch Beziehungen und Familie leiden darunter, wenn man nur von zu Hause arbeitet.“

Home-Office kann funktionieren, wenn man für sich klarstellt, dass es trotz allem Arbeit ist. Ein eigener Raum ist dafür sinnvoll, ein klassisches Arbeitszimmer eben. Und klare Absprachen mit der Partnerin oder dem Partner und der Familie. Noch immer geht die Mehrzahl der Beschäftigten einer konventionellen Arbeit nach und verlässt dafür die Wohnung. Da wirkt es mitunter fremd, wenn der Partner zu Hause bleibt, einen Raum weiter geht und es Arbeit nennt.

Arbeit bleibt Arbeit, auch zu Hause

Aber auch sich selbst sollte man klarmachen, dass es Arbeit ist. Dazu gehören feste Zeiten, klare Trennung zwischen Pausen und Tätigkeit und – wenn nicht sogar sowieso von Arbeit- oder Auftraggeber vorgegeben – ein Tages- oder Wochenziel. Das hilft, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren, aber auch, den eigenen Stundenlohn und damit auch die Produktivität zu messen.

Ein Unternehmen, das damit gute Erfahrungen gemacht hat, ist Microsoft Deutschland. „Wir wollen unseren 2700 Mitarbeitern ein innovatives Arbeitsumfeld bieten, das das flexible Arbeiten durch den Einsatz moderner IT stets möglich macht“, sagt Hanne Jungclaus, bei Microsoft zuständig für Consulting. „Die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, wird sehr gut angenommen. Wir haben momentan rund 200 Angestellte, die fest im Home-Office arbeiten.“ Acht Prozent aller Beschäftigten in Deutschland würden Teilzeit im Home-Office arbeiten. Im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das eine hohe Zahl. Interne Mitarbeiterbefragungen hätten gezeigt, dass diese flexible Arbeitsortwahl zu mehr Zufriedenheit führt. „Im Prinzip können unsere Mitarbeiter ja von überall aus arbeiten, eine feste Anwesenheit im Büro ist, außer vielleicht für die Menschen vom Empfang, nicht mehr notwendig“, sagt Jungclaus. Damit das funktioniert und effizient bleibt, setzt Microsoft auf Vertrauensarbeitszeit. „Die Mitarbeiter können sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen.“ Niemand rechne die genauen Stunden nach, denn: „Was zählt, ist das Ergebnis.“

Für jede Arbeit den richtigen Ort

Und das hängt immer auch von der Art der Arbeit ab. Verwaltung, Management oder Distribution ist etwas anderes als projektbezogenes, kreatives Arbeiten. „Konzentrationsintensive und sehr kreative Arbeiten, wie beispielsweise Grafik oder Programmierung, können zu Hause erledigt werden, also genau dort, wo sich jemand am wohlsten fühlt“, sagt Mike Schnoor vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Gerade wenn es um den Abschluss eines solchen Projekts gehe, seien viele zu Hause einfach produktiver. „Unprofessionell wirkt es jedoch, wenn ein Kunde verlangt, dass viel über Telefon kommuniziert wird und die Zentrale dann immer erst auf ein Handy weiterleiten muss.“ In manchen Unternehmen ist es auch deshalb noch nicht ganz leicht, die Vorteile von Home-Office darzustellen – im Sinne der gängigen Klischees ist ein Mitarbeiter einfach nicht auf der Arbeit und so verfügbar. Auch wenn das manchmal unpraktisch sei und im Grunde nur aus Hierarchiegründen so gemacht wird.

Als dritte Möglichkeit ist das Mobile-Office eine Art Kompromisslösung für viele: Man verzichtet darauf, in ein festes Büro zu gehen, nutzt aber beispielsweise die Vorteile unterschiedlicher Orte. Fablabs, Coworkingspaces oder andere Office-Sharing-Modelle helfen dabei, auch in unterschiedlichen Städten immer eine gute Infrastruktur vorzufinden. „Vor allem für Startups haben Coworkingspaces viele Vorteile“, sagt Mike Schnoor. Man bekomme neben dem Schreibtisch und der Internetverbindung auch oft ein bezahlbares Catering sowie den Austausch mit anderen kreativen Freigeistern.

„Daraus ergeben sich ganz andere Chancen, also die echten Synergiepotenziale von Mensch zu Mensch auf professioneller Ebene.“ Aber auch im Coworkingspace sollte man sich klarmachen, warum man dort sitzt. Bei aller Kreativität und den Möglichkeiten für einen tollen Austausch muss der Platz auch bezahlt werden. Wer nicht da diszipliniert genug ist, aber auch nicht von zu Hause aus arbeiten will, kann sich beispielsweise nach einem der Zwischennutzungslösungen umschauen, die in immer mehr Städten angeboten werden. Dabei werden alte Gebäude renoviert und sogenannte Blank-Offices eingerichtet: Weiße Räume, die nach Bedarf eingerichtet werden können, mit höchst flexiblen Mietvertrag und günstigen Konditionen.

Oliver Thylmann von Adcloud sieht so etwas als gute Möglichkeit, gerade für Startups: „Ein normaler Coworkingspace ist ab einem Team von zwei, drei Personen nicht mehr sinnvoll. Dann braucht man eben auch einen eigenen, abschließbaren Raum, der immer zur Verfügung steht.“ Wie man für sich herausfindet, welche Form der Arbeit die geeignete ist, hängt letztendlich auch von der eigenen Persönlichkeit ab und wie man selbst produktiv ist. Braucht man eine gewohnte Umgebung, um gut arbeiten zu können, oder doch eher den Austausch und die Abwechslung. Wenn man sich vorstellen kann, allein von zu Hause zu arbeiten und weiterhin produktiv zu sein und einem der Arbeitgeber die Möglichkeit für Flexibilität gibt, sollte man das auch ausprobieren. Zurück ins Büro geht eigentlich immer.

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4 Antworten
  1. von Sven am 24.01.2013 (14:21 Uhr)

    Dazu fällt mir dieser amüsante Comic von theoatmeal ein :-)

    http://theoatmeal.com/comics/working_home

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  2. von Kevin am 25.01.2013 (09:21 Uhr)

    Super Artikel ^^

    Da ich bald endlich von Zuhause ausziehe, bin ich jetzt stark am überlegen doch eine 3 Zimmer Wohnung zu nehmen :-D. Sonst hab ich ja kein Platz für mein Büro.

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  3. von Marcel Selle am 25.01.2013 (09:35 Uhr)

    Hallo,

    ein wirklich interessanter Artikel. Zu diesem Thema habe ich auf meinem Blog auch schon etwas geschrieben: http://www.selbstaendig-als-webworker.de/homeoffice/19-gedanken-rund-um-das-homeoffice-vorteile-nachteile-voraussetzungen-ausstattung-und-alternativen/

    Grüße
    Marcel

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  4. von Tabea am 25.01.2013 (17:31 Uhr)

    Ich würde Oliver Thylmann (zitiert am Ende des Artikels) nicht zustimmen. Bei http://www.coworking-nuernberg.de ist auch ein Arbeiten in Teams von mehr als zwei, drei Personen möglich. Coworking ist durchaus auch etwas für kleine Agenturen.

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