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Benutzen statt besitzen: So teilt das Netz Betten, Autos und mehr

Aus dem
t3n Magazin Nr. 25

09/2011 - 11/2011

Es gibt , die man schnell vergisst. Und es gibt Trends mit solch einem Mehrwert, dass sie hoffentlich nie wieder abebben. Seit geraumer Zeit zeichnet sich eine ab, die man mit dem simplen Wort „Sharing“ umschreiben kann. Menschen teilen ihre Schlafcouch, persönliche Gegenstände, Stauraum und sogar finanzielle Risiken, sowohl mit Freunden als auch mit Wildfremden. Bei der Organisation spielt das Internet, einst als Anonymisierungs-Waffe verteufelt, eine entscheidende Rolle.

Die meisten Menschen scheuen sich heutzutage, beim Nachbarn zu klingeln um sich etwas auszuleihen – und sei es nur ein Ei. Die Welt hat sich eben verändert. Interessanterweise sind es gerade Web-Dienste, die etwas von der verloren geglaubten Nachbarschaftshilfe zurückbringen – online anzuklopfen ist anscheinend leichter als auf die Offline-Klingel zu drücken. Aber das Internet bietet noch viel mehr Vorteile, wenn es um das Teilen und Mitbenutzen von materiellen und nicht-materiellen Dingen geht: Es erleichtert die Organisation, ermöglicht Spontanität und lässt selbst wildfremde Menschen zu Nachbarn werden. Auch ökologische und finanzielle Interessen spielen eine Rolle.

Meine Couch ist deine Couch

Wer heutzutage Städtetrips plant, muss längst nicht mehr in langweiligen Hotels übernachten. Eine lohnenswerte Alternative sind Privatwohnungen von Menschen, die zum eigenen Reisezeitpunkt selbst gerade verreist sind (oder ein Gästezimmer besitzen) und dies über eine Vermittlungsplattform kundtun. Die US-amerikanische Plattform airbnb.com hat in Deutschland eine wahre Klon-Welle ausgelöst. Zu den jüngsten Mitbewerbern zählen Wimdu, 9flats.com und accoleo (letzterer wurde bereits von airbnb übernommen).

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Bei Zimmervermittlungsplattformen wie airbnb.com findet man längst nicht nur Standardzimmer.

Wer privat übernachtet, kann eine Menge Geld sparen – muss aber nicht, denn im Angebot sind auch Metropolenlofts, Strandvillen und kleine Schlösschen. Es geht eben vor allem ums Lebensgefühl, denn als Gast im Privathaushalt lernt man Stadt und Leute intensiver und „echter“ kennen als bei Hoteltrips. Als Vermieter kann man die eigene Reise gegenfinanzieren, indem man seinen Wohnraum für die Zeit der Abwesenheit mit fremden Menschen teilt. Die Vermittlungsplattformen erhalten für jede erfolgreiche Vermittlung Provisionen und sind somit eine kommerzielle Weiterentwicklung des ursprünglichen Couchsurfing-Gedankens (siehe www.couchsurfing.org).

Noch besser als der private Wohnraum lässt sich Arbeitsraum mit anderen Menschen teilen. Deshalb sprießen neben den klassischen Bürogemeinschaften immer mehr Coworking- und Citizen-Spaces empor. [1] Freiberufler geben ihr Homeoffice (zumindest zeitweise) zugunsten eines lauten, gemeinschaftlich genutzten Großraumbüros auf. Und teilen nicht nur Arbeitsraum sondern ihr Fachwissen, die Mittagspause und den Aufwand für das Coworking-Projekt.

Selbst bei Gärten und Parkplätzen zeigen immer mehr Menschen Teil-Bereitschaft – eine sinnvolle Entscheidung, schließlich werden diese Orte nur zeitweise genutzt. Und so gibt es Plattformen wie SharedEarth.com (USA) oder Landshare (GB), auf denen man die Nutzung von Gartenflächen regelt. Über das Portal ParkatmyHouse lässt sich die gemeinsame Parkplatznutzung organisieren.

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7 Antworten
  1. von Kapital-Bindung am 06.07.2012 (15:40 Uhr)

    Nett. Vieles davon hätte ich in USA selber programmiert aber inzwischen sind ja Buttons und alle Farben und Farb-Kombinationen ja möglicherweise trivialpatentiert oder gebrauchsmuster-geschützt...

    Hyper-Lokalität durch Handies wäre sinnvoll. Die meisten Sites kommen auf keine hinreichende Usermenge. Ohne Abmahnungen u.ä. würde ich sowas wie gigalocal programmieren für Dienstleistungen u.ä. mit automatischer Abrechnung mit dem Finanzamt usw.

    Man müsste diese Sites per HTML5-App kollektieren und gemeinschaftlich anbieten. Auch lokale Tauschringe mit Pseudowerten wären sinnvoller als Ärger bei Ebay oder Gebühren bei Hitflip u.ä.

    Als ich bei der Versicherung mal fragte, ob ich Kleinschäden selber bezahlen kann, weil ich es für blöd halte, Beträge zu versichern die man selber bezahlen kann insbesondere wenn man selber schuld ist, hies es, das gäbe es nicht.
    Auch Facebook wäre als Sozialer Rückzahl-Verstärker (für Alimente oder Kredite) geeignet. Sein soziales Netz übernimmt dann seine Schuld und er kann es durch Rasenmähen, Hecke Schneiden oder sonstwie an seine Verwandten und Freunde zurückzahlen und bei Facebook seine überlegene Seriösität beweisen. Wenn ich Facebook wäre, wäre ich längst die größte Bank, Jobbörse und vielleicht auch Versicherung überhaupt.
    Wenn der Aldi-Toaster kaputt gegangen ist, gibt es genug Leute, die Einzelteile davon haben wollen.

    Die Besitzer von Tonband-Geräten und von CD-Brennern sollten gelistet werden. Zwei Mal im Abstand von 30 Jahren hat das Verfassungsgericht das also schon abgelehnt. Für 3D-Drucker gilt das vermutlich auch. Sonst hätte ich längst einen 3D-Drucker aber weil ja alles (laut DENEN) Raubkopien sind, habe ich also keinen 3D-Drucker um Plastikteile für die Nachbarschaft zu drucken oder 3D-Gartenzwerge und 10% der Granulat-Kosten an Games-workshop oder Disney oder den wahren Urheber des G.Schröder-Gartenzwerges als Lizenz auszuzahlen.

    Ich erwarte das Kickstarter jedes Investment garantiert zuückbezahlt. D.h. das Kollektiv ist gemeinschaftlich haftbar. D.h. die Kickstarteten Projekte "versichern" sich gegenseitig, zahlen die Schuld zurück und kriegen dafür (von den Kickstartern also den Investoren) natürlich die entsprechenden Firmenanteile und können die Mitarbeiter abwerben oder das Projekt selber durchziehen oder sonstwas um cleverer an die Kohle zu kommen. Leider bieten diese Crowdfunding-Plattformen sowas anscheinend nicht. Ich würde nur um Geld zu sparen und billig Crowd-Know-How abzugreifen diese Firmen sich auch gegenseitig bewerten lassen und bürgen-mäßig haften die dann füreinander. In vielen Ländern ist sowas schnell programmiert und noch schneller abgemahnt. Die Crowdfunder werden bei Scheitern aber leider anscheinend bei vielen Plattformen im Stich gelassen.

    Effizienzgewinne durch neue Technologien sind klassischer Kapitalismus.


    Im TV war mal einer aus USA wo das geregelt wurde und man die "Hitflip"-Punkte auf dem Konto wie Renten-Sparpläne u.ä. alle 3 Monate per Brief zuschicken muss. Das wäre speziell im B2B-Bereich gefragt und sinnvoll. Überbestände, Freie Hotelzimmer, freie Dienstleister-Zeiten (Masseure, Friseusen,...), man hat 10 Klaviere gekauft und eines steht jetzt herum, ... wären so Beispiele.
    Oft will man ja nicht nur Geräte kaufen sondern auch Leute die damit umgehen können. Sowas ist schnell programmiert und in Diktaturen schnell verboten weil nur die Meschpoke des Diktators Gartenarbeiten durchführen darf oder die gemieteten Kleinbagger bedienen darf.

    Auch die Awareness der Verfügbarkeit wäre besser per Handy informiert. Speziell Mitfahrzentralen bieten sich an.

    Die Vernetzungen sind viele. Leihen, tauschen, kaufen, finanzieren, bedarf und Angebot melden... gehen ineinander über. Es ist aber klar, das solches Wissen zentral findbar sein muss. Die Plattformen können und sollen ruhig verschieden sein. Aber wenn ich einen Paletten-Tackerer suche und in meiner Postleitzahl nicht finde, müsste Arbeitsamt-Gigalocal auch in benachbarten PLZ einheitlich abfragbar sein. Ricardo, OFDB, filmundo usw. müssten also einen Datahub betreiben um immer noch der erste Ansprechpartner für Produkte zu sein aber bei fehlendem Angebot andere Plattformen konnektieren zu können.

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  2. von Tilo am 06.07.2012 (16:01 Uhr)

    Definitiv eine nette Idee. Ich bin zwar noch ein wenig unsicher was die "Sicherheit" angeht aber alles im allem ist es doch ein gutes Konzept.

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  3. von Andy am 06.07.2012 (16:23 Uhr)

    @Kapital-Bindung

    Häh?

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  4. von Chris am 07.07.2012 (09:58 Uhr)

    Beim privaten Carsharing fehlen auch noch Autonetzer.de und Nachbarschaftsauto.de ...

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  5. von Peter am 17.07.2012 (09:30 Uhr)

    Nun ich glaube wirklich nicht, dass sich das in Deutschland durchsetzen wird. In Deutschland sind die Menschen anders. Hier ist die Sache mein und bleibt auch mein.

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  6. von Volker am 18.07.2012 (10:03 Uhr)

    @Peter: Also ich denke schon, dass sich Carsharing durchsetzen wird. Bei den Benzinpreisen kann sich nunmal nicht jeder ein Auto leisten. Und wenn man in einer großen Stadt lebt, braucht man nicht unbedingt jeden Tag ein Auto, daher meine ich schon, dass sich das lohnt und sich auch durchsetzt.

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