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Bitte einsteigen: Ein Besuch bei den Gründern von myTaxi

Aus dem
t3n Magazin Nr. 27

03/2012 - 05/2012

Schnell ein Taxi zu bekommen, ist nicht immer einfach – eine Erfahrung, die das Leben der beiden Hamburger Niclaus Mewes und Sven Külper entscheidend beeinflusst hat. Aus einer durchtanzten Disko-Nacht in München, die mit Taxifrust endete, ist eine App entstanden, die aktuell den Taximarkt revolutioniert. Wir haben die myTaxi-Gründer besucht und gefragt, wie sie zum Schrecken der Taxizentralen geworden sind.

Bitte einsteigen: Ein Besuch bei den Gründern von myTaxi

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Foto: Andreas Borowski

Platzmangel am Fischmarkt

Wem schlecht wird von Fischgeruch, sollte das Büro von myTaxi besser nicht besuchen. Die Große Elbstraße führt direkt am alten Hamburger Fischmarkt vorbei und je nachdem, wie der Wind steht, hat auch die myTaxi-Belegschaft etwas davon. Aber als Fisch-Hasser hat man in Hamburg eh nichts verloren. Zweimal laufe ich am richtigen Eingang vorbei: An dem langen Glas- und Stahlkomplex mit den Hausnummern 145a bis 145f sind kaum auffällige Werbe- oder Namensschilder angebracht. Wie es der Zufall will, halten zwei Taxis vor dem riesigen Gebäude – ganz sicherlich wurden sie mit der myTaxi-App gerufen. Ob in Hamburg überhaupt noch jemand auf traditionelle Weise Taxis bestellt? Mit meinem Nokia-Handy bin ich leider außen vor.

Der Empfang ist ein fröhliches Wiedersehen: Vor einem knappen Jahr habe ich schon einmal vorbei geschaut. Die Büroräume sind dieselben geblieben und doch ist alles anders – gestopfter. Aus den 30 Mitarbeitern sind 55 geworden und der Empfangsbereich mit Couchecke und Segelschiff hat sich in eine weitere Büroecke verwandelt. Aber alle Umräumaktionen helfen nichts: Das Team muss sich nach neuen Räumlichkeiten umsehen. Das wäre dann bereits der zweite Umzug, gestartet wurde myTaxi zu dritt in einem Mini-Büro. Zum Glück ist der Konferenzraum gerade frei.

App mit Pacman-Feeling

Die fröhlichen Menschentrauben in den aneinandergereihten Glasbüros – man kann vom ersten Büro bis ins letzte schauen – kümmern sich unter anderem um das Akquirieren von Taxifahrern. Diese sind in gewisser Weise das Herzstück von myTaxi. Denn schließlich geht es bei der App darum, in Sekundenschnelle ein Taxi zu bestellen. Smartphone-Besitzer mit der myTaxi-Anwendung sehen auf einer Karte, wo sich in ihrer Nähe das nächste verfügbare Taxi befindet. Einfach anklicken, Bestätigung des Fahrers abwarten und die Minuten zählen, bis „Dieter“ oder „Ahmed“ vorfahren. Virtuell lässt sich sogar verfolgen, wie das Gefährt anrollt – das Tool erinnert etwas an Pacman und verkürzt die Wartezeit zusätzlich. Ansonsten ist das Interface schlank und übersichtlich gehalten. Das Schöne für die Taxifahrer ist: Sie benötigen an Hardware ebenfalls nur ein Smartphone und die entsprechende Fahrer-App.

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Die mytaxi-App: übersichtlich und mit Spaß-Faktor.

„Kenan gehört zu den ersten Taxifahrern, die wir aquiriert haben“, erinnert sich Külper lächelnd, als ich ihn zu den Anfängen und ersten Kontakten befrage. Kenan ist einer von unzähligen Hamburger Taxifahrern, den die Gründer der myTaxi-App persönlich kennen. Wenn Sven Külper selbst ein Taxi benötigt und an Kenan gerät, darf er nichts bezahlen. Aus Dankbarkeit für die neuen Möglichkeiten fährt der 29-Jährige die myTaxi-Erfinder grundsätzlich kostenlos durch die Welt. Weil er jetzt nicht mehr auf den Anruf seiner Taxizentrale warten muss, sondern direkt gebucht werden kann, wie auf einem Marktplatz. Außerdem hat er nun die Möglichkeit, sich hochzuarbeiten: Wer gut, nett und ehrlich ist, wird von den Kunden gut bewertet und kann sogar als favorisierter Fahrer festgelegt werden. „Damit etablieren wir eine neue Form der Qualität im Taximarkt“, sagt Mewes. Bisher habe es für Taxifahrer wenig Anreiz gegeben, guten Service abzuliefern.

„Die Zentralen nutzen ihre Stellung aus“

Aber wie und wo hat nun eigentlich alles angefangen? Die zweite Frage ist schnell erklärt: am anderen Ende von Deutschland. Im beschaulichen München tanzen sich drei Jahre zuvor die beiden myTaxi-Gründer, die gleichzeitig Cousins sind, in einer Disko die Seele aus dem Leib. Aus dem Gedanken, einfach schnell ein Taxi zu rufen und ins Bett zu fallen, wird nichts: Sie haben nicht die richtige Rufnummer parat, in der Disko ist es viel zu laut und voll, um Hilfe zu finden. In einer anderen Bar bestellen sie schließlich ein Taxi, müssen aber ziemlich lange warten und „dann stimmte noch nicht einmal der Service“. Diese unschöne Situation wird zum Startschuss für eine Smartphone-Anwendung, mit der es dieses Erlebnis sicherlich nicht gegeben hätte.

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Der Konferenzraum: Zum Glück ist noch Platz für den Kicker.

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3 Antworten
  1. von anonym am 06.06.2012 (18:03 Uhr)

    Warum ein I-Phone dafür zulegen? Die App gibts doch auch für Android :-)

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  2. von myTaxi am 07.06.2012 (14:24 Uhr)

    Der Artikel wurde bereits im t3n Magazin Nr. 27 veröffentlicht. myTaxi ist mittlerweile gewachsen, erneut umgezogen und hat neue Features integriert. Alle aktuellen Infos und wo das Hamburger Startup aktuell steht, findet Ihr hier:

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