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Startups: 11 innovative Ideen der deutschen Gründerszene

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

Startups: 11 innovative Ideen der deutschen Gründerszene

Innovative Ideen und spannende beweisen regelmäßig, dass das Internet noch nicht alles gesehen hat. t3n stellt einige erfolgversprechende deutsche Unternehmen vor.

Kredito: unkompliziert an Mikrokredite kommen

Gründer und Selbstständige haben manchmal Bedarf an Kleinkrediten, bei deren Summe Bankberater nur mit dem Kopf schütteln. Diese offensichtliche Lücke füllt nun ein Dienst namens Kredito, über den Nutzer schnell und unbürokratisch an Mikrokredite bis zu 1.000 Euro kommen. Der Anbieter verspricht, innerhalb von 15 Minuten die Bonität des Antragstellers zu prüfen (ohne Schufa-Auskunft und Post-Ident!) und direkt im Anschluss das Geld zu überweisen. Beim ersten Mal ist der Betrag auf 400 Euro beschränkt und wird für 30 Tage vergeben. Wenn alles klappt, legt der Kunde in Zukunft die Höhe und Dauer des Kredits selber fest. Das Unternehmen wirbt mit einem „effektiven Jahreszins“ von 0,5 Prozent. Diese Aussage steht jedoch in der Kritik: Mit den Kosten für das Bonitätszertifikat, das je nach Kredithöhe 25 oder 49 Euro beträgt und immer wieder erneuert werden muss, ist der effektive Jahreszins deutlich höher. Das Vorbild für Kredito stammt aus England und heißt Wonga.

Purmeo: das persönliche Vitamin-Schutzschild

Bei Purmeo gibt es individuell zusammengestellte Vitamine in der Monats-Abo-Box. Nutzer machen auf der Website einen Online-Test, der den persönlichen Nährstoffbedarf ermittelt und aufzeigt, wo Mängel bestehen. Bei den Fragen geht es um Dinge wie Lebensgewohnheiten, Ernährung, Bewegung und Krankheiten. Denn, so die Gründer: Jeder Mensch hat einen individuellen Nährstoffbedarf. Sportler einen anderen als Nichtsportler und junge Leute einen anderen als ältere Personen. Ein Balkendiagramm macht deutlich, bei welchen der 23 angezeigten Nährstoffe Ergänzungsbedarf besteht, und eine Auswertung klärt über die Auswirkungen der Mängel auf. Wer von nun an täglich die perfekt austarierte Dosis an Nährstoffen zu sich nehmen will, kann sich monatlich eine Vitamin-Box zuschicken lassen. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: Die Einzelbox kostet 59,90 Euro pro Monat, im Jahres-Abo immerhin noch 39,90 Euro pro Monat. Vielleicht tut es dann ja doch der gute alte „an apple a day“?

Squadmail: E-Mail-Ordner-Freigabe für Gruppen

Das regelmäßige Weiterleiten von E-Mails an Freunde oder Kollegen nervt – und ist dank SquadMail auch nicht mehr nötig. Der Webdienst verknüpft die E-Mail-Konten ausgewählter Nutzer und ermöglicht es, einen öffentlichen IMAP-Ordner für alle Beteiligten freizugeben. E-Mails in diesem Ordner sind für alle zugänglich, der Status der E-Mails (ungelesen, beantwortet) wird zudem synchronisiert. SquadMail ist mit jeden beliebigen E-Mail-Dienst nutzbar. Als User legt man einfach einen IMAP-Ordner an und lädt Freunde dazu ein, sich über den erstellten Ordner auszutauschen. Über eine eigene E-Mail-Adresse können eingeladene Personen auch Direktnachrichten an den öffentlichen Ordner versenden. Laut Mitgründer Philipp Mayer ist der Dienst ohne Downloads und Softwareeinstellungen benutzbar und in weniger als einer Minute einsatzbereit.

Hojoki: verschiedene Cloud-Dienste verbinden

Der neue Dienst hojoki verbindet unterschiedliche Cloud-Dienste und stellt die verschiedenen Aktivitäten in einem gemeinsamen Stream dar – getreu dem Motto „Make all your cloud apps work as one“. Schon 15 Webdienste lassen sich verknüpfen, darunter Dropbox, Evernote und Google Reader. Auf der Grundlage des Streams kann man gemeinsam Projekte bearbeiten, indem man andere Nutzer zur Teilnahme eingelädt. Mit seinem Angebot will hojoki zum zentralen Einstiegspunkt in den Arbeitsalltag werden. Auch der Dienst Refinder bietet ein sinnvolles Online-Collaboration-Tool. Der Dienst macht alle Daten und Aktivitäten eines Teams in der Dropbox durchsuchbar. So sparen sich Dropbox-Nutzer viele Abstimmungs-E-Mails, -Telefonate und -Gespräche, die parallel zu Datenänderungen nötig waren. Der Refinder zeigt alle Änderungen und Ergänzungen in einem Infostrom an, der nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden kann.

Xycall: als Gruppe Telefongeld sparen

Der Dienst xycall will dabei helfen, das Maximum aus den eigenen Telefonverträgen heraus zu holen und gemeinsam Geld zu sparen. Nutzer geben auf der Plattform die eigene Telefonnummer und ihren Anbieter an. Die xycall-App (bisher nur für Android-Geräte) verknüpft die Infos mit allen Kontakten aus dem eigenen Telefonbuch, die ebenfalls xycall nutzen, und zeigt an, welche Kontakte man kostenlos anrufen kann. Umgekehrt funktioniert es auch: Wenn man jemanden anruft, der eine Flatrate für den eigenen Anbieter hat, wird der Freund informiert und kann per Tastendruck zurückrufen. In einer Basisvariante ist der Dienst kostenlos, dann ist die Anzahl der „xycalls“ pro Zeiteinheit aber limitiert. Das Problem des Dienstes liegt auf der Hand: Er funktioniert nur bei Menschen, die ebenfalls xycall nutzen.

DrEd: Der Arzt im Netz

Fahrlässig oder längst überfällig? Bei der Online-Arztpraxis DrEd gehen Patienten in die virtuelle Sprechstunde und lassen sich – sofern eine Diagnose möglich war – das passende Rezept ausstellen und nach Hause schicken. Der Dienst will vor allem bei schambesetzten Themen wie Sexualgesundheit eine Alternative zum Arztbesuch bieten. Auch Menschen auf dem Land, die im nahen Umfeld keine gute ärztliche Versorgung haben, sollen profitieren – genauso wie Patienten, die medikamentös bereits gut eingestellt sind und nur Nachfolgerezepte brauchen. Ein Extra-Bonus: Bei der Online-Sprechstunde entfällt die Praxisgebühr. Nur bei einer Behandlung oder der Verordnung von Medikamenten wird ein Honorar fällig, das per Kreditkarte oder PayPal bezahlt wird. Unter deutschen Ärzten ist das Angebot sehr umstritten. Weil hierzulande das „Fernbehandlungsverbot“ gilt, sitzt DrEd in England, wo die Telemedizin schon etablierter ist.

Ecowizz: Energiesparen mit Spaß

Das Thema „Energiesparen“ ist nicht sehr sexy, bekommt aber mit Ecowizz frischen Wind: Das Schweizer Startup vertreibt Smartplugs, die zwischen Steckdose und Geräte gesteckt werden und den Stromverbrauch messen. Die Daten werden drahtlos an die Webapp übermittelt und in Grafiken aufbereitet, sodass Nutzer einen guten Überblick über ihre Stromfresser bekommen. Zusätzlich lassen sich die Smartplugs so programmieren, dass sie sich zu bestimmten Zeiten abschalten und so beim Energiesparen helfen. Das Starterpaket kostet umgerechnet rund 130 Euro, ein zusätzlicher Smartplug rund 80 Euro. Das Unternehmen ist schon seit 2009 in der Schweiz aktiv und nun endlich auch in Deutschland gestartet.

Noblego: Wahrgewordene Tabakträume

Liebhaber von Zigarren, Pfeifen und Tabak finden in Noblego einen Online-Shop, der die Sinne anspricht: Ansprechende Produktbilder, gute Beschreibungen, perfektes Tagging-System, ausführliche Produktdaten und passende Geschenk-Tipps. Wem das noch nicht reicht, der findet auf dem angeschlossenen Portal Zigarren.org weitere informative Artikel rund um die Zigarre und kann bei der Beratungs-Hotline seine Tabakfragen loswerden. In dieser Ästhetik kommen normalerweise nur Frauen-Portale daher.

Crowdup: Gemeinsam shoppen

Bei Facebook als Gruppe einkaufen und dabei Geld sparen: Dies ist der Ansatz von CrowdUp, einem Group-Buying-Marktplatz auf Facebook. Wie bei Groupon und Co. werden Produkte zu einem reduzierten Preis verkauft, sobald eine Mindestanzahl an Teilnehmern erreicht ist. Händler und Reseller erhalten so einen zusätzlichen Vertriebskanal und profitieren vom viralen Effekt des Gruppenkaufs. Über das „Seller-Tool“, das per API integriert werden kann, können Händler die Angebote auch in die eigenen Lösungen integrieren.

Modomoto und Co.: Zielsichere Outfits

Ein neues Konzept namens „Curated Shopping“ erobert den E-Commerce: Anbieter wie Modomoto, Modemeister und Paul Secret helfen modemuffeligen Männern beim bequemen Online-Shopping. Nach einem Online-Styletest stellen Experten verschiedene Outfits zusammen, die dem Stil des Kunden entsprechen (sollen), und schicken ihm die Kleiderkombis zu. Zu Hause kann Mann sich in Ruhe entscheiden, welche Klamotten tatsächlich zusagen, und den Rest zurückschicken. Dahinter steckt die Idee, dass zahlreiche Männer zum einen nicht gerne shoppen gehen und sich zum anderen unsicher fühlen, was Stilfragen angeht. Das Schöne daran: Der Versand und die Experten-Dienstleistung sind kostenlos.

Wrapp: Social Gifting

Der schwedische Gutscheindienst Wrapp kommt nach Deutschland. Mit Wrapp beschenken Nutzer ihre Facebook-Freunde mit digitalen Gutscheinen für ausgewählte Geschäfte. Die Beschenkten zeigen einfach beim Einkaufen an der Kasse den Gutschein vor – zuvor sollten sie allerdings ebenfalls die Wrapp-App heruntergeladen haben. Wenn ein gemeinsamer Freund über Wrapp einen Gutschein schenkt, bietet der Dienst einem die Möglichkeit an, sich ebenfalls mit einem selbst gewählten Betrag zu beteiligen. Dabei erfährt der Beschenkte nicht, wer wieviel beigetragen hat. Dass Wrapp gerade jetzt den deutschen Markt erobert, hat gute Gründe: Mit Dropgifts hat Rocket Internet soeben einen Klon des schwedischen Startups auf den Markt geworfen. Nun muss sich Wrapp beeilen, um den Wettkampf nicht zu verlieren – das Konzept steht und fällt damit, große Einzelhandelsketten von einer Partnerschaft zu überzeugen.

(Vorschaubild: fostersartofchilling / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

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4 Antworten
  1. von Hendrik am 13.09.2012 (14:24 Uhr)

    Die Überschrift lautet "11 innovative Ideen der deutschen Gründerszene" und im Beitrag zu Wrapp "Der schwedische Gutscheindienst Wrapp kommt nach Deutschland." Macht irgendwie keinen Sinn!

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  2. von Lars Budde am 13.09.2012 (14:44 Uhr)

    @Hendrik: Da hast du recht. Wir erwähnen zwar im gleichen Absatz Dropgifts, dabei handelt es sich aber nur um einen Klon, der insofern nicht wirklich innovativ ist. Entschuldige die irreführende Überschrift, das war keine Absicht.

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  3. von dela am 14.09.2012 (07:16 Uhr)

    Witzige Sachen dabei.
    Crowdup erinnert mich an das damals gescheiterte letsbuyit.com . Ma schauen, ob es dank sozialer Netwerke jetzt besser klappt.

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  4. von evolutioner am 09.06.2015 (17:10 Uhr)

    Die frischesten Startup-Gründungen suchen auf founderio gerade Unterstützung: https://www.founderio.com/de/jobs

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