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Mit dem Schwarm ins Verderben? Gunter Dueck über die Herausforderungen zeitgemäßer Mitarbeiterführung

    Mit dem Schwarm ins Verderben? Gunter Dueck über die Herausforderungen zeitgemäßer Mitarbeiterführung

Querdenker und Digitalphilosoph Gunter Dueck (Foto: Michael Herdlein)

„Der Übergang ins digitale Zeitalter bringt Chaos und Schnelllebigkeit“, sagt Querdenker und Digitalphilosoph Gunter Dueck. Das verlangt einen neuen Stil der Mitarbeiterführung: Führungskräfte müssen heute vor allem coachen und Selbstorganisation fördern. Dueck beobachtet, wie sich viele seiner Kollegen dabei in eine von ihm so genannte Schwarmdummheit verrennen, was in eine kollektive Katastrophe münden könnte. Passend zur Themenwoche Leadership verrät er Ilona Koglin, was das für zukünftige Führungskräfte bedeutet.

t3n Magazin: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften muss eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit heute mitbringen?

Gunter Dueck: Ach, immer diese eine Frage! Machen wir doch mal ein Gedankenexperiment: Angenommen, Sie werden Chef einer Abteilung und ich verhülle Sie wie ein Denkmal, um das Tuch vor den Augen Ihrer neuen Abteilung herunterzuziehen mit den Worten: „Das ist Euer neuer Chef“. Jetzt schauen Sie bitte lange in die Augen Ihrer neuen Mitarbeiter. Was sehen Sie? Glück, Reserve, Skepsis, glatte Ablehnung? Sind Sie sicher, dass sie in der Mehrzahl mit Ihnen als Chef glücklich sind? Wenn Sie sich das alles vorstellen, ganz bildhaft, dann fühlen Sie fast sicher, ob Sie geeignet sind oder eben nicht.

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Gunter Dueck: Generell ist es natürlich so, dass die Managementarbeit über die Zeit große Veränderungen erfährt. Wir verlassen seit vielen Jahren die Welt der Abteilungen und gehen in die der Beziehungsnetze und Projekte. Die Autorität, die früher verliehen wurde, müssen sich Führungskräfte heutzutage erst einmal erwerben. Das geht nur, indem sie tüchtige Vorbilder abgeben, die weithin gute Beziehungen im Netz haben. Es reicht nicht, nur über den Abteilungen zu thronen. Die ganze Arbeitskultur verändert sich – und damit natürlich auch das Führen. Statt der bisher üblichen Antreiber brauchen wir heute im digitalen Zeitalter Vorbilder und gute Mitarbeiter-Coaches.

t3n Magazin: Was bedeutet es, wenn Führungskräfte zu Mitarbeiter-Coaches werden?

Gunter Dueck: Der Vorgesetzte sollte als Coach Personalentwicklung betreiben. Das ist nicht einfach, weil er ja nicht selbst in den einzelnen Projekten des Mitarbeiters drinsteckt. Es hilft aber nichts. Er muss lange zuhören und sich in den Mitarbeiter hineindenken.

Gunter Dueck: Man kann heute feststellen, dass die reinen Antreiber- oder Zahlenmanager oft zu wenig bis praktisch gar keine Empathie zeigen. Die braucht man bei diesem Managementstil auch nicht so dringend, sonst hätten sie ja wohl alle mehr Empathie. Wenn man aber Vorbild und Coach sein möchte, wenn man Mitarbeiter individuell als Menschen fördern will, ist Empathie wichtig.

Gunter Dueck: Schließlich ist die Hauptaufgabe einer Führungskraft, dem Mitarbeiter zu helfen, erfüllende und geeignet fordernde neue Arbeitsprojekte zu finden. Jeder soll bestmöglich eingesetzt werden. Manche möchten immer an derselben Stelle arbeiten, andere oft wechseln. Manche sind zufrieden, wie es ist, andere wollen nach oben. Oft muss eine Führungskraft den einsetzenden Wandel vermitteln, also Mitarbeiter aus ihrer Komfortzone zwingen. Schafft sie das einvernehmlich und hilft dabei?

Gunter Dueck meint, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter heute verstärkt coachen müssen – nur so sei es möglich, dass sie im Unternehmen bestmöglich eingesetzt werden. (Foto: Michael Herdlein)
Gunter Dueck meint, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter heute verstärkt coachen müssen – nur so sei es möglich, dass sie im Unternehmen bestmöglich eingesetzt werden. (Foto: Michael Herdlein)

t3n Magazin: Und wie führt man seine Mitarbeiter in diese neue Arbeitskultur und aus ihrer Komfortzone heraus?

Gunter Dueck: Die Führung muss die Mitarbeiter an einer längeren Leine „einmal machen lassen“. Das tut sie nicht wirklich. Sie sagt: „Ihr könnt machen, was ihr wollt – aber der Umsatz muss um zehn Prozent steigen“. Die Zielvorgaben bleiben also die Alten – das ist das Kernproblem, das den Wandel blockiert. Dabei sollten Ziele auch einmal ungewiss sein dürfen.

Gunter Dueck: Der Übergang ins digitale Zeitalter bringt viel „Chaotisches“ und Schnelllebiges mit sich. Das ist wie die Besiedlung eines neuen Kontinents. Nun gibt es die ersten Entdecker, die die grenzenlose Freiheit im Neuland lieben. Der Psychologe Fritz Riemann nennt sie „die Hysterischen“. Sie langweilen sich, wenn alles immer gleich abläuft. Und dann gibt es die Zwanghaften, die immer alles geregelt haben wollen. Sie möchten erst auf den neuen Kontinent, wenn es Straßen, öffentliche Toiletten, Jägerzäune und Conduct Codes gibt.

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