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Gunter Dueck im Porträt: „Artgerechte Haltung für Techies“

Aus dem
t3n Magazin Nr. 25

09/2011 - 11/2011

Manch einem kommt das unflätige Wort „Rampensau“ in den Sinn, wenn er Gunter Dueck auf der Bühne erlebt – wie zuletzt auf der re:publica 2011. Zu Recht: Wenige verstehen es so gut wie der ehemalige IBM-Cheftechnologe, das Publikum zu fesseln – und das ganz ohne Faxen. Einfach nur durch Worte, die sitzen. Dueck selbst scheint davon selbst am meisten überrascht: „Ja, aus dem hässlichen Entlein ist wohl ein Redner geworden, der andere mitreißen kann.“

Gunter Dueck im Porträt: „Artgerechte Haltung für Techies“

Gunter Dueck: Vom Mathematiker zur „Rampensau“.

Als CTO war Gunter Dueck einer der hellsten Köpfe beim gigantischen IT-Konzern IBM. Seit September letzten Jahres ist der 60-jährige Querkopf (Spitzname „Wild Duck“) nun offiziell pensioniert – und freut sich auf sein Leben als Redner, Schriftsteller und Business Angel.

Ganzheitlicher Kulturwandel – bis in die Chefetagen

Bei IBM sorgte der studierte Mathematiker seit 1987 für das „technische und inhaltliche Gewissen“. Sein Thema: Cultural Change! Hinter dem Anglizismus verbirgt sich Duecks Arbeit an der strategisch-technologischen Ausrichtung des Konzerns. In seinen vielfältigen Projekten versucht Dueck, „das Ganze und auch die Kultur eines Unternehmens zu verstehen und durch einen systemischen Ansatz die Lage zu verbessern“. [1] Das „Ganze“ sehen will der Analytiker, der ländlich auf einem Bauernhof aufwuchs. Unternehmen vermittelt er, dass sich Wandel nie auf bestimmte Bereiche reduzieren oder an einzelne „Change-Agenten“ delegieren lässt.

Gunter Dueck hat die Zukunft des digitalen Zeitalters klarer vor Augen als viele der „New Economy“-Enthusiasten. Scharfsinnig weist er auf aktuelle Probleme hin, die uns auf dem Weg in die Zukunft behindern. Da wäre zum Beispiel die Sache mit der Infrastruktur. Leider stecken Städte und Länder noch viel zu viel Geld in alte, nicht zukunftsweisende Infrastrukturen, statt klar auf die Zukunft zuzugehen: „Wir bezahlen den Aufbau der Welt alle drei, vier Jahre neu.“ [2] Bei IBM leitete er die Initiative „Dynamische Infrastruktur für einen Smarteren Planeten“, die an intelligenten Infrastruktur-Lösungen für sämtliche Branchen wie Telekommunikation, Energieversorgung oder Städtebau tüftelt und weltweit Beispielprojekte durchführt.

An der digitalen Revolution bewegt Dueck auch die Frage, wie sie unsere aktuellen Berufe verändert und der Mensch sich an die neuen Begebenheiten anpasst. Viele Berufe sind so, wie wir sie heute kennen, bald Vergangenheit, glaubt Dueck. Überall dort, wo es schwerpunktmäßig um die Beschaffung von Informationen geht – ob Reisebüro, Steuerberater oder auch im Gesundheitswesen – befragen die Menschen in Zukunft Herrn Google, Wikipedia und Co. Wissen, das man nachschlagen kann, qualifiziert nicht mehr. Die benötigten Kompetenzen werden vielschichtiger und breiter: Vertieftes Hintergrundwissen, die Fähigkeit zur Verknüpfung, Offenheit für ständige Transformationen sind gefragt. Neben die formale und inhaltliche Kompetenz treten angesichts von großen, internationalen Teams verstärkt soziale und kommunikative Fähigkeiten. „Befehlsgewalt und Budget reichen in den neuen Netzstrukturen nicht mehr.“ Von dieser „professionellen Intelligenz“ handelt Duecks nächstes Buch, das am 1. September 2011 erschien. [3]

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