Die Zukunft schon heute
Trotz der unterschiedlichen und jeweils die fernere Zukunft anpeilenden Zeitpläne von W3C und WHATWG kann man Teile von HTML5 bereits heute schon zum Einsatz bringen – schließlich sind die Browserhersteller schon fleißig dabei, ihre Spezifikationen zu implementieren. „Die Browserhersteller“ umfassen dabei lediglich Mozilla, Apple, Google und Opera, da Microsoft eine Einladung zur Mitarbeit in der WHATWG nicht angenommen hat. Daher ist im Internet Explorer in Sachen HTML5 nicht viel los. Und trotzdem lässt sich mit HTML5 schon einiges anfangen.
Das Canvas-Element etwa stellt eine komplett mit JavaScript programmierbare Malfläche zur Verfügung. Mit einer Handvoll Funktionen für Pixel, Linien und Muster lassen sich beliebig Bildermanipulationen und Animationen umsetzen und es wurden damit schon 3D-Engines für Browser geschrieben. Ohne HTML5 bräuchte man Flash – eine Third-Party-Lösung, die vom User nachinstalliert werden muss, die nicht auf allen Plattfomen zu haben ist (Stichwort iPhone) und deren Elemente keine nativen Browserkonstruktionen sind, sich also Gestaltungsversuchen mit CSS weitgehend entziehen. Canvas funktioniert in jedem HTML5-fähigen Browser und ist zu 100 Prozent Bestandteil von HTML. Für den Internet Explorer steht mit ExplorerCanvas eine Kompatibilitätsschicht zur Verfügung, die das Canvas-Element fast perfekt im IE nachbildet, bis hinunter zur Version 6 [3]. Da es von Haus aus auch in älteren Versionen von Firefox, Opera, Chrome und Safari unterstützt wird, steht einem Einsatz von Canvas nichts mehr im Wege – Standard hin oder her.
Ein ordnungsgemäßes HTML5-Dokument braucht den HTML5-Doctype <DOCYTPE html>. Auch hier gibt es keinerlei Probleme in den Browsern – die entsprechenden Websites werden wie jede andere Seite mit einem Doctype normal gerendert.
Andere Elemente von HTML5 lassen sich mit einer Progressive-Enhancement-Strategie zum Einsatz bringen, wie beispielsweise der neue Formularfeldtyp „Date“. In einem HTML5-fähigen Browser wie Opera 10 wird ein <input type="date"> als ein Formularfeld mit eingebautem Datumspicker dargestellt. Alle Browser, die den Feldtyp „date“ nicht kennen, machen aber etwas sehr Sinnvolles: Sie stellen das Formularfeld als einfaches Textfeld dar. Dort kann ein Nutzer, der keinen HTML5-fähigen Browser hat, ein Datum manuell eintragen, ist aber in keinem Fall daran gehindert, das Formular auszufüllen. Wer einen HTML5-fähigen Browser hat, genießt an dieser Stelle etwas mehr Benutzerfreundlichkeit.
Es zeigt sich also: Auch wenn HTML5 noch kein offiziell verabschiedeter Webstandard ist und auch nicht in allen Browsern implementiert ist, kann man Teile von HTML5 schon heute einsetzen. Man muss es nur mit Köpfchen machen.
HTML5-Schnelleinstieg
Wer direkt mit HTML5 einsteigen will, hat zwei Möglichkeiten: Entweder man setzt sparsam nur das ein, was schon umfassende Unterstützung genießt oder man nimmt diverse Hilfsmittel, die HTML5-Features nachrüsten.
Die JavaScript-Bibliothek Modernizr [4] rüstet selbst in den ältesten IE-Versionen die Audio- und Videofunktionen von HTML5 nach und liefert nebenbei auch eine Reihe von CSS3-Features mit. Nicht nur Audio und Video streiken im Internet Explorer – auch ganz normale neue Strukturierungselemente wie <section> und <article> funktionieren nicht. Modernizr deckt auch diese ab, doch für den Fall, dass man auf dessen zusätzliche Funktionen verzichten möchte, kann man die neuen Elemente auch mit einer Zeile JavaScript im IE anmelden; für das <section>-Element sähe dieser Aufruf so aus: „document.createElement('section');“. Weitere Tricks für den Internet Explorer findet man im Internet [5].
Ansonsten gilt: Weiterhin schönes, sauberes HTML schreiben, als wäre es „HTML 4 Strict“ oder „XHTML 1 Strict“ (abzüglich der wenigen entfernten Elemente), den neuen Doctype verwenden und darauf achten, was die Browser treiben und was der aktuelle Stand der Spezifikationen ist. Eine gute Ressource für Detailfragen und neueste Infos ist der HTML5 Doctor [6].
Codec-Zickenkrieg
Eine interessante Posse gab es um die neuen Elemente <audio> und <video>, mit denen sich Ton und bewegtes Bild als native Browserobjekte einbinden lassen. Ursprünglich wollte die WHATWG auch einen offiziellen Codec in den Spezifikationen festschreiben, doch eine Einigung zwischen den Browserherstellern kam nicht zustande – vor die Wahl zwischen OGG/Theora und H.264 gestellt, fanden alle beteiligten Parteien gute Gründe, um entweder den einen oder den anderen Codec unter gar keinen Umständen in ihren Browsern implementieren zu können. Die Konsequenz ist, dass es entgegen der Pläne nun keine offiziell festgelegten HTML5-Codecs gibt. Für den HTML-Autoren bedeutet das: Wenn man mit HTML5 einen Film einbinden will und sicherstellen möchte, dass alle Browser das Video abspielen können, muss man die Datei in mindestens drei Dateiformaten vorrätig halten – denn neben Theora und H.264 braucht man noch eine Variante, die auch die weniger fortschrittlichen Browser abspielen können. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Das <embed>-Element ist auch Bestandteil von HTML5 und wird uns wohl auch über 2022 hinaus mit Flash-Filmchen und Audioplayern versorgen.




![HTML5 im Realitäts-Check [Infografik]](http://t3n.de/uploads/t3n-news-post-378000_html5-hype-vs-reality-feat_medium.jpg)
4 Antworten
von HTML5: Evolution statt Revolution » t3n… 16.03.2010 (08:56Uhr) 1.
[...] zeigt in seinem Artikel aus t3n Nr. 18, wie man schon heute HTML5 nutzen kann. Der Text steht jetzt kostenlos im Heftarchiv zur Verfügung. Zudem kann man t3n Nr. 18 versandkostenfrei in unserem Shop [...]
von andi 16.03.2010 (09:16Uhr) 2.
Guten Morgen,
"Der Text steht jetzt kostenlos im Heftarchiv zur Verfügung."
"Hinweis: Dieser Artikel wurde noch nicht im Heftarchiv freigegeben."
Ja was nun? :-)
von Florian Endres 16.03.2010 (09:44Uhr) 3.
Danke für den Hinweis, ist mittlerweile korrigiert.
von andi 16.03.2010 (11:38Uhr) 4.
super. Vielen Dank für's Bereitstellen