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Frameworks für mobile Web-Apps: So gelingt die Plattform-Unabhängigkeit

Aus dem
t3n Magazin Nr. 29

09/2012 - 11/2012

In technologischer Hinsicht haben native klare Vorteile gegenüber Web-Apps. Doch die für mobile Web-Applikationen werden immer besser und mit ihnen verschwimmen die Grenzen zwischen nativen und webbasierten Applikationen zunehmend. Im Folgenden eine Vorstellung interessanter Frameworks für mobile Web-Applikationen.

Frameworks für mobile Web-Apps: So gelingt die Plattform-Unabhängigkeit

Ein Programm zu schreiben, das dann auf jeder beliebigen Plattform ohne weitere Anpassungen läuft, ist wohl der Traum eines jeden Software-Entwicklers. Denn die Vorteile plattformunabhängiger Software liegen auf der Hand: kürzere Entwicklungszeiten, weniger Aufwand, mehr potenzielle Kunden, leichtere Instandhaltung. Für Otto Normalverbraucher ist das aber völlig irrelevant. Für ihn zählt Performance, Funktionalität, Design und Usability. Ob also eine App nativ umgesetzt oder auf Web-Technologien basiert, ist dem Nutzer egal, solange sie sich in ansprechendem Design präsentiert, schnell und stabil läuft.

Zuletzt machten mobile Web-Anwendungen enorme Fortschritte und stehen heute zunehmend in direkter Konkurrenz mit in Objective-C (iOS) oder Java (Android und Blackberry) umgesetzten Applikationen. Web-Entwickler, die heute auf Basis von HTML5, CSS3 und JavaScript mobile Apps realisieren möchten, können auf reife und bewährte Frameworks zurückgreifen, die ein solides Fundament bieten und damit die Entwicklung beschleunigen können.

Dabei sind die Möglichkeiten und Lösungsansätze so unterschiedlich wie vielfältig. Von reinen Web-Apps, die klassisch über den mobilen Browser bereitgestellt werden, über hybride Lösungen, die das Beste aus zwei Welten versprechen, bis hin zu Anwendungen, die auf Basis von Web-Technologien realisiert, aber beim Deployment nativ kompiliert beziehungsweise übersetzt werden, ist so ziemlich alles möglich.

UI-Frameworks für den Einstieg

Wer einen leichten Einstieg in die Welt mobiler Web-Apps sucht und bestehende Web-Anwendungen mit möglichst wenig Aufwand fit für Smartphones und Tablets machen möchte, der findet bei einfachen UI-Frameworks wie „Jo HTML5”, „jQMobi”, „Wink Toolkit”, „Kendo UI Mobile” und „jQuery Mobile” einige interessante und leistungsstarke Alternativen. Bei diesen Bibliotheken liegt der Fokus auf der Erstellung mobiler UI-Clients, die speziell für kleine Touchscreens optimiert sind. Davon können vor allem Entwickler von Content-Apps profitieren, die hauptsächlich aus Formularen und Standard-UI-Komponenten bestehen.

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Mit dem „ThemeRoller“ stellt jQuery Mobile einen grafischen Editor online bereit, mit dem Designer das komplette Look & Feel ihrer Apps leicht konfigurieren können.

Flexibles UI-Widget-System

Unter den genannten Frameworks ist jQuery Mobile [1] besonders beliebt, da es mobile Apps in einem einheitlichen, individuellen und konsistenten UI-Design auf sämtlichen mobilen Plattformen bereitstellt. Den Kern bildet dabei ein flexibles und stark modularisiertes UI-Widget-System, das aus üblichen UI-Komponenten wie Listen, Buttons, Tabellen, Toolbars und Ähnlichem besteht, die sich mittels CSS beliebig anpassen lassen. Zudem stellt jQuery Mobile eine Reihe nützlicher Funktionen und Werkzeuge für Event-Handling, die Manipulation von Daten, visuelle Effekte und diverse Animationen bereit, die die Realisierung ansprechender und reaktionsfähiger Anwendungsschnittstellen ermöglichen.

Wer eine Alternative zu jQuery Mobile sucht, wird bei jqMobi [2] vom HTML5-Spezialisten AppMobi aus den USA fündig. Dabei handelt es sich um ein weniger bekanntes JavaScript-Framework, das auf der beliebten jQuery-Bibliothek basiert und in etwa die gleichen Ziele verfolgt wie jQuery Mobile. Allerdings macht die Software einen nicht so reifen Eindruck. Damit dürfte das Tool eher etwas für Experimentierfreudige sein. In diese Kategorie fallen auch das Jo-HTML5-Framework [3] und das Wink Toolkit [4] der Dojo Foundation. Dabei handelt es sich um interessante und vielversprechende Lösungen, die aber dem Vergleich mit jQuery Mobile (noch) nicht wirklich standhalten können.

Natives Look & Feel auf jedem Gerät

Anders sieht es bei Kendo UI Mobile [5] aus. Das Tool der amerikanischen Softwareschmiede Telerik liefert professionelle Ergebnisse und bietet eine Softwarequalität, die auf dem gleichen Niveau von jQuery Mobile steht. Was die Kernfunktionalität angeht, verfolgt Kendo aber einen etwas anderen Ansatz als die jQuery-Lösung: Anstatt ein eigenes, markengerechtes App-Design zu erstellen, das auf jedem Endgerät gleich aussieht, arbeiten Web-Developer mit universellen, vorgefertigten UI-Widgets, die beim Deployment automatisch das native Look & Feel der jeweiligen Zielplattform einnehmen.

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Mobile Web-Apps, die mit Kendo UI Mobile erstellt wurden, nehmen das Look & Feel der Zielplattform automatisch ein.

Das Konzept funktioniert bei den unterstützten Plattformen (iOS, Android und Blackberry), da alle drei ähnliche UI/UX-Paradigmen verfolgen. Außenseiter ist diesmal ausgerechnet Microsoft mit seinem neuen Metro UI. Die UI-Konzepte sind hier nämlich vollkommen anders als die, die Apple mit dem iPhone eingeführt hat. Ob Kendo UI Mobile mit Windows Phone jemals kompatibel sein wird, ist derzeit unklar, wie Todd Anglin, HTML5-Spezialist bei Telerik, kürzlich in einem Blogpost erklärte. Darüber hinaus ist Kendo – im Gegensatz zu jQuery Mobile – kostenpflichtig. Wer die Lösung bei kommerziellen Projekten einsetzen möchte, muss knapp 200 Dollar auf den Tisch legen.

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2 Antworten
  1. von Jemand am 10.01.2013 (07:26 Uhr)

    Habe die meisten der hier besprochenen Frameworks getestet und mich für Appcelerator Titanium entschieden. Nach mehreren erfolgreicher Apps auch nicht bereut.

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  2. von HZprojektmensch am 11.03.2014 (10:00 Uhr)

    Neben den ScrumButs wird der Einsatz von Scrum immer wieder spannend, wenn mit "klassischem Projektmanagement" gesteuerte Vorhaben auf Scrum-Teile treffen. Wir erleben das immer häufiger, da sich Scrum etwa im Softwarebereich super schlägt, im Hausbau oder in einer zeitpunktgesteuerten Kampagne schwer tut. Dann gilt es die beiden Ansätze zu integrieren, was etwa über Meilensteine als Übergabe an einen Scrum-Projektteil und zur Abnahme des Produkts gelingt.

    In "Hausbau mit Software: Scrum und-oder klassisch?" (http://blog.projektmensch.com/2014/02/06/hausbau-mit-software-scrum-und-oder-klassisch/) haben wir dazu eine Aufgabenstellung beschrieben. Feedback erwünscht!

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