Ein Marktüberblick über SaaS-Lösungen: Business-Applikationen in der Cloud

von
online gestellt: , Erstveröffentlichung: 14.10.2009

Aus dem
t3n Magazin Nr. 18

12/2009 - 02/2010

Jetzt kaufen

Software-as-a-Service, kurz SaaS, verfolgt als Software-Distributions-Modell die Philosophie, Software als Dienstleistung über das Internet bereitzustellen. Alle relevanten Prozesse werden dabei von einem Dienstleister übernommen. Dieser Marktüberblick beantwortet die Frage, was für und was gegen den Einsatz von SaaS-Lösungen im Unternehmensumfeld spricht. Darüber zeigt er auf, welche Business-Applikationen mittlerweile angeboten werden.

In den vergangenen Monaten und Jahren haben die Themen Software-as-a-Service und Cloud Computing verstärkt Einzug in das Geschäftsleben gehalten. Nur allzu gerne wird die Firma salesforce.com als Beispiel zitiert, wenn es darum geht, den Nachweis zu erbringen, dass auch Business-Anwendungen – in diesem Fall eine CRM-Lösung – in der Cloud betrieben werden können und sich dieses Geschäftsmodell durchaus auch finanziell für Unternehmen unterschiedlicher Größe lohnen kann. Fakt ist: Das Marktvolumen für Geschäftsanwendungen, die im Software-as-a-Service-Modell betrieben werden, ist derzeit noch gering, steigt aber rasant. Auch die Vielfalt an SaaS-Business-Applikationen ist in der jüngsten Vergangenheit deutlich gestiegen.

dms 358033705c871431c9708e315752ff28
37signals bietet eine Reihe von SaaS-Anwendungen aus unterschiedlichen Bereichen an.

Doch gerade im Business-Umfeld spielen natürlich Fragen wie Sicherheit, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle, sodass vor einem Marktüberblick die Frage nach dem Pro und Kontra bei SaaS-Lösungen aus Anwendersicht steht. Welche Argumente sprechen also für, welche gegen einen Einsatz von Software-Lösungen, die im SaaS-Modell angeboten werden? Die nachfolgenden Ergebnisse stammen aus einer Anwenderbefragung aus dem Jahr 2006/2007, an der sich fast 200 Anwender beteiligten.

Vorteile von Nachteile von SaaS
Kostentransparenz und -flexibilität Abhängigkeit vom Anbieter
Keine zusätzlichen Investitionen Daten werden nach außen verlagert
Fokus auf das eigene Kerngeschäft Rechtliche Fragen
Zusätzliche Dienstleistungen Untransparenter Markt

Vorteile des SaaS-Modells aus Anwendersicht

Bei der Frage „Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für den Einsatz einer SaaS-Lösung?“ spielte es keine Rolle, ob das Unternehmen des Befragten bereits solche Lösungen im Einsatz hatte oder nicht. Im Rahmen der Umfrage kristallisierten sich vier Vorteile des SaaS-Modells heraus, die besonders häufig genannt wurden.

Im Gegensatz zum traditionellen Lizenzmodell, bei dem Softwareprogramme pro Arbeitsplatz gekauft werden müssen, ermöglicht das SaaS-Modell die flexible und transparente Abrechnung nach Gebrauch. Bezahlt wird nur, was auch genutzt wird. Werden Zugänge nicht mehr benötigt, können sie in der Regel innerhalb kürzester Zeit gekündigt werden. Gerade in diesem Punkt schlägt das SaaS-Modell das traditionelle Lizenzmodell um Längen.

Auch bei IT-Investitionen sprechen die Vorteile deutlich für Software-as-a-Service. Alles, was für das Arbeiten in der Regel benötigt wird, ist ein Internetanschluss. Die für den Einsatz der Anwendung notwendige Infrastruktur wird vom Anbieter betrieben. Und so gibt es nicht wenige Fachleute, die die Wirtschaftskrise als Treiber für den SaaS-Einsatz im Unternehmen sehen.

Das SaaS-Modell erlaubt es außerdem, den Fokus auf das eigene Kerngeschäft zu legen. Dieser Punkt spielt gerade in kleinen und mittleren Unternehmen ohne große eigene IT-Ressourcen eine zentrale Rolle. Die IT soll die Geschäftsprozesse unterstützen und nicht umgekehrt. Auf der anderen Seite sind Informations- und Kommunikationstechnologie mittlerweile so wichtig für die Mehrheit der Unternehmen geworden, dass nicht mehr darauf verzichtet werden kann. Der Bezug von Business-Applikationen als Service von einem externen Dienstleister wird da immer häufiger in Erwägung gezogen.

Darüber hinaus ist Software-as-a-Service mehr als nur auf Knopfdruck. Neben der reinen Software-Anwendung bietet der SaaS-Anbieter in der Regel eine Vielfalt zusätzlicher Dienstleistungen von der Schulung über das regelmäßige Aktualisieren der Software bis hin zum sicheren Backup der Daten und Informationen. Gerade der letzte Punkt erfolgt bei einem SaaS-Anbieter mit professionellem Rechenzentrum in einer Art und Weise, die für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen selbst gar nicht realisierbar wäre.

Nachteile des SaaS-Modells aus Anwendersicht

Doch wo viel Licht ist, da gibt es bekanntlich auch Schatten und so wurde in der Anwenderbefragung natürlich auch nach den Nachteilen des SaaS-Modells aus Anwendersicht gefragt. Auch hier konnten die rund 200 Befragten wieder unabhängig davon antworten, ob sie selbst bereits Erfahrungen mit SaaS-Lösungen hatten oder nicht.

dms c988ede31cf92593b5831b02a67d110c
Die Zahl von SaaS-Business-Applikationen wächst stetig. Die force.com-Plattform ist bei der Entwicklung von Cloud Apps behilflich.

Viele Anwender fürchten die Abhängigkeit von einem SaaS-Anbieter und den Verlust der Kontrolle – sowohl über die eingesetzten Software-Anwendungen, als auch über die gesamte IT-Infrastruktur einschließlich Sicherungskopien. Die einzige „Lebensader“ ist ihre Internet-Verbindung in das Rechenzentrum des SaaS-Anbieters. Sperrt der sein Rechenzentrum und verschwindet auf „Nimmer-Wiedersehen“, können auch die betroffenen Anwender ihr Unternehmen zusperren.

Dieses „Worst-Case“-Szenario ist sicher übertrieben. Auch muss jeder Unternehmer einsehen, dass Unternehmen in einer vernetzten Geschäftswelt nicht überleben können, wenn sie sich nicht auch in Abhängigkeiten begeben. Die Frage ist: Wie kann diese Abhängigkeit vertraglich und vor allem organisatorisch so abgefedert werden, dass sie beim IT-GAU nicht zum Total-GAU wird? Darüber hinaus sollte sich jedes Unternehmen die Frage stellen, wie abhängig es schon jetzt von internen wie externen IT-Fachleuten ist und welche Gefahren diese Abhängigkeit birgt.

Die Angst vor der Abhängigkeit überschneidet sich mit der Scheu, Daten nach außen zu verlagern, denn natürlich möchte kein Unternehmen die Hoheit über seine unternehmenskritischen Daten verlieren. Aber auch hier genügt wieder ein Vergleich mit dem Ist-Zustand. Viele Unternehmen haben bereits heute ihre unternehmenskritischen Daten wie zum Beispiel die Buchhaltung an einen Steuerberater ausgelagert. Arbeitet dieser mit der DATEV zusammen, setzt er eines der ältesten, in Deutschland verfügbaren SaaS-Systeme ein, denn die DATEV verarbeitet bereits seit 1966 Buchhaltungsdaten im Auftrag der Steuerberater.

Ein seriöser SaaS-Partner wird die Unternehmensdaten wie seinen Augapfel hüten, denn davon hängt sein Geschäftserfolg ab. Die dafür notwendigen professionellen Möglichkeiten hat er in der Regel in seinem Rechenzentrum. Dennoch sollte jeder SaaS-Anwender im täglichen Zusammenarbeiten mit dem SaaS-Anbieter überprüfen, wie dieser mit seinen Daten umgeht und ob er selbst firmenkritische Daten seriös be- und verarbeiten kann. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Auch rechtliche Fragen wurden in der Anwenderumfrage als Nachteil gewertet. Im Mittelpunkt stehen diesbezüglich in der Regel die so genannten Service Level Agreements (Dienstgütevereinbarungen, SLAs), die die Verfügbarkeit, Leistungsfähigkeit und Sicherheit der SaaS-Anwendung regeln. Diese spielten schon in der Vergangenheit bei komplexen Anwendungsumgebungen im Outsourcing-Bereich eine besondere Rolle, in der täglichen SaaS-Praxis haben sie jedoch an Bedeutung verloren. Die Verfügbarkeit der meisten heute am Markt verfügbaren SaaS-Lösungen wird in den AGBs des Service-Providers geregelt und erfordert in der Regel keinen gesonderten Abschluss eines SLAs.

Wie zu Beginn erwähnt, nennen die meisten Business-Anwender auf die Frage, wen sie denn als SaaS-Anbieter kennen, die Firma salesforce.com. Doch mittlerweile gibt es eine ganze Reihe weiterer Business-Applikationen, die im SaaS-Modell betrieben werden. Hier herrscht in jedem Fall Aufklärungsbedarf. Der nachfolgende Marktüberblick soll dies unterstreichen.

Weiterlesen auf Seite 2 »

Seite vor/zurück
1
Empfehlen

bewerten
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
Das interessiert dich bestimmt auch
6 Antworten
  1. von Marktüberblick SaaS-Lösungen: Business… 21.04.2010 (09:04Uhr) 1.

    [...] spricht. Darüber zeigt er auf, welche Business-Applikationen mittlerweile angeboten werden. Er steht jetzt kostenlos im Heftarchiv zur Verfügung. Zudem kannst Du t3n Nr. 18 versandkostenfrei in unserem Shop bestellen. Ads_BA_AD('CAD2'); [...]

  2. von Jule 22.04.2010 (15:01Uhr) 2.

    Hallo,

    eine weitere Alternative im Bereich der Webkonferenzen ist Mikogo. Ebenfalls aus dem Haus BeamYourscreen ist dieses einfach zu bedienende Tool für private wie auch kommerzielle Nutzung kostenlos. Weitere Informationen sind zu finden unter: http://www.mikogo.de/

    Mit besten Grüßen
    Jule Nowoitnick
    The Mikogo Team

  3. von Michael Mühl 03.05.2010 (21:10Uhr) 3.

    Wir haben einen Software Vergleich für Saas-Buchaltungs-Lösungen erstellt. Diesen findet man unter: http://www.steuerberaten.de/fibuonline/

  4. von Heiko Webers 02.07.2010 (10:34Uhr) 4.

    Aus dem deutschsprachigen Markt sei im Bereich Groupware/Online Projektmanagement auch noch Werkstatt42 erwähnt.

  5. von Christian 22.05.2011 (22:43Uhr) 5.

    auch wenn der Artikel schon was älter ist, lohnt sich doch der Hinweis auf unseren neuen SaaS Katalog http://www.appshaker.de . Dort sind ne Menge Apps aus vielen Anwendungsbereichen gelistet.

  6. von Jan 23.08.2011 (12:55Uhr) 6.

    Am besten sollte man garnichts in der Cloud haben

Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 32 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen