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Caseable.com: Onlineshop mit Tradition ins 19. Jahrhundert [Portrait]

Aus dem
t3n Magazin Nr. 28

06/2012 - 08/2012

Auf einen mit Standbeinen in Berlin und New York trifft man nicht so oft. Aber dann gibt es einen, der hat außerdem eine Familientradition bis ins 19. Jahrhundert: caseable.com. Hier kann der Hipster von heute individuelle Schutzhüllen für seine wertvollen Gadgets kaufen. Aber so manches ist hinter den Kulissen anders, als man sich das vielleicht denken würde.

Caseable.com: Onlineshop mit Tradition ins 19. Jahrhundert [Portrait]

Zugegeben: Ich war noch niemals in New York und im Gegensatz zu Udo Jürgens werde ich mit dieser Aussage keinen Hit landen. Klaus Wegener aber war schon in New York und inzwischen ist er es sogar sehr oft: Denn der von ihm mitgegründete Onlineshop caseable.com sitzt hier im Stadtteil Brooklyn.

Caseable Wegener
Klaus Wegener (links) Sarah Bouraoui und Stephan Moritz von Caseable.

Die Gründungslegende dieses Onlineshops will es, dass die Idee dazu auch hier in New York entstand. Und diese Story geht so: Klaus Wegener saß in der New Yorker U-Bahn. In der Reihe ihm gegenüber saßen viele, individuell aussehende New Yorker, praktisch jeder hatte sein Laptop in einer Tasche – aber die Taschen selbst waren nahezu identisch. „Das kann es doch nicht sein“, dachte sich Klaus Wegener. Er hatte im Hinterkopf, wie erfolgreich in Deutschland Startups rund um individualisierte Massenprodukte waren. Das müsste sich doch auf diesen Bereich übertragen lassen. Die Idee war geboren.

„Gründer sollten befreundet sein“

Natürlich gibt es zu einem so entscheidenden Moment wie diesem eine Vorgeschichte. Ein Ursprung liegt dabei im Jahr 2009, als Klaus Wegener noch bei einer Unternehmensberatung arbeitete und für eine Präsentation eine Laptoptasche mit dem Logo des Kunden herstellen lassen wollte. So etwas konnte man damals zwar in China bestellen. Die Sache hatte aber zwei Haken: Zum einen betrug die Mindestabnahme 500 Stück und die Lieferfrist lag bei zehn Wochen. Hier gab es offenbar eine Marktlücke.

Gemeinsam mit Marvin Amberg wurde zwischen Mitte und Ende 2009 aus den ersten Gedanken eine Geschäftsidee. Die beiden Gründer kennen sich vom Studium an der European Business School und haben sich damals eine WG geteilt. „Man sollte befreundet sein, um eine Firma zu gründen“, sagt Klaus Wegener. „Es fühlt sich besser an, als wenn man das mit ganz fremden Leuten macht.“

Behördendschungel auch in den USA

Im März 2010 haben sie schließlich caseable.com in den USA gegründet. Dieser erste Schritt war dabei nicht ganz so einfach, wie er sich jetzt liest, denn der Behörden- und Vorschriftendschungel steht dem in Deutschland nicht unbedingt nach. So brauchten sie eigentlich ein Visum, um in den USA arbeiten zu dürfen. Um das Visum bekommen zu können, müsste die Firma aber schon existieren. Letztendlich fanden sie einen Weg aus diesem Teufelskreis: Man darf ins Land kommen und sich nach „Opportunities“ für eine Firmengründung umsehen. War die Firma erst einmal da, konnte sie (nach einigem Hin und Her mit den Konsulaten) dann Visa vergeben und ihre Angestellten in die USA einreisen lassen.

Warum aber überhaupt New York? Zum einen hat das natürlich mit der kreativen Athmosphäre der Stadt zu tun. Dort könne man ein sehr gutes Team aus Produktdesignern, Webdesignern und so weiter zusammenstellen, wie der Gründer erklärt. Zum anderen konnte Klaus Wegener einen Onkel als „Business Angel“ für seine Gründungsidee begeistern. Der lebt nicht nur in New York, sondern ist zudem im Druckbereich tätig. Er konnte somit Kontakte vermitteln und stellte Räume für das erste Jahr.

Caseable 1
Einige der Taschen und Hüllen aus dem Angebot.

Bis die ersten individuellen Schutzhüllen die Kunden erreichten, war es allerdings noch ein langer Weg. Schließlich waren viele Fragen im Produktionsprozess zu klären. Zudem gab es keinen Shop, von dem man hätte direkt abschauen können. „Manchmal wäre es schön gewesen, wir hätten als Copycat jemanden zum Nachahmen gehabt“, sagt Klaus Wegener halb im Scherz. Welche Materialien eignen sich? Wie musste der Druckprozess aussehen? Wie und wo würden die fertigen Taschen letztlich hergestellt? Wie organisiert man den Versand? Wie muss die Website aussehen? Und vor allem: Welche Hüllen will man den Kunden eigentlich anbieten? Diese und viele andere Fragen waren zu klären und es erstaunt nicht, dass manche davon nach dem Start auch wieder neu beantwortet wurden. „Wir hatten gleich zu Anfang zehn verschiedene Größen und zwei verschiedene Stile“, erklärt Klaus Wegener. Das ergab letztlich 150 verschiedene Teile, die alle entsprechend vorrätig sein mussten. Im Nachhinein sagt der Gründer deshalb: „Das hätten wir anders angehen können: weniger Modelle, weniger Größen.“

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Eine Antwort
  1. von Marius am 05.10.2012 (12:22 Uhr)

    Interessante Geschichte eines Startups, die mit einfachen Gedanken begann und dann trotzdem so eine gute Entwicklung nahm. Das zeigt uns allen mal wieder, wenn man an etwas glaubt und für seine Ziele hart arbeitet wird man sie auch erreichen.

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