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Open Device Labs: Testlabore für das mobile Web

Aus dem
t3n Magazin Nr. 31

03/2013 - 05/2013

An Tests von Webprojekten auf mobilen Geräten führt heute kein Weg mehr vorbei. haben für den Zugriff auf möglichst viele Geräte drei Möglichkeiten: ein Vermögen investieren, ein Open Device Lab besuchen oder selbst eines gründen. t3n zeigt, was es mit dem „ODL“ auf sich hat und was beim Betrieb eines solchen Testlabors wichtig ist.

Open Device Labs: Testlabore für das mobile Web

Firefox OS, Ubuntu mobile OS, Tizen – das sind nur drei der neuen mobilen Betriebssysteme, die 2013 erscheinen werden. Hinzu kommt die Vielzahl mehr oder weniger etablierter Kandidaten wie Symbian, Windows Phone, Android oder iOS. Zusätzlich gibt es für jedes System Geräte mit unterschiedlichen Auflösungen, Gerätefunktionen und Prozessorleistungen. Vor diesem Hintergrund hilft es auch wenig, Websites nur in Emulatoren und Simulatoren testen zu wollen. Der Umstand, dass bei diesen Simulatoren beispielsweise Touch- durch Maussteuerung simuliert wird, zeigt, dass die Nutzung von Emulatoren kaum Tests an realen Geräten ersetzen kann.

Entwickler sollten Emulatoren deshalb nur als Ergänzung zum nativen Testen einsetzen. Für sie ist es ein Muss, auf möglichst vielen projektspezifisch relevanten Systemen und Geräten zu testen – wer das nicht tut, hat einen wichtigen Teil seiner Arbeit nicht gemacht. Es wird jedoch schnell klar, wie schwer es für Entwickler ist, auf möglichst vielen Geräten zu testen. Es ist nicht nur sehr kostspielig, sich persönlich jedes neue Gerät zu kaufen, sondern zudem auch zeitaufwändig, diese zu pflegen.

Dies dachte sich wohl auch Jeremy Keith, als er im Frühjahr 2012 auf seiner Website schrieb, dass jeder willkommen sei, sein Büro zu besuchen, um die dort verfügbaren Testgeräte zu nutzen. Das Angebot wurde von Beginn an positiv angenommen, und die dankbaren Nutzer stellten dem Lab im Gegenzug eigene Geräte zur Nutzung durch Andere bereit. Die Idee des „Open Device Lab“ (ODL) war geboren.

Meine Stadt braucht das auch!

Wer jedoch gleich ein eigenes ODL gründen will, sollte zuerst auf der entsprechenden ODL-Liste [1] nachschauen, die alle bisher verfügbaren Labs zusammenfasst. Womöglich kam ja schon jemand vorher auf die Idee, ein ODL in der Nähe aufzubauen – und wartet auf Besucher. Außerdem ist Hilfe bei Aufbau und Wartung meist gerne willkommen.

Ist die eigene Stadt noch nicht vertreten, sollte man sich zuerst Gedanken über den Standort machen. Er sollte für alle frei zugänglich sein, zentral liegen und genug Platz für die Testgeräte bereithalten. Co-Working-Spaces und Bürogemeinschaften bieten sich hierzu bestens an. Eine andere Möglichkeit ist es, bei Agenturen nachzufragen. Oft unterhalten diese schon ein eigenes Device Lab und manche sind bereit, die Geräte und den Platz auch anderen Entwicklern frei zur Verfügung zu stellen. So kommen Entwickler an Testgeräte und die Agentur bekommt im Gegenzug Know-how oder den ein oder anderen interessanten Freelancer oder Bewerber ins Haus.

Platz ist in der kleinsten Hütte

Ist die Entscheidung über den Standort gefallen, gilt es, Testgeräte zu beschaffen. In Deutschland gibt es mehr ungenutzte alte Handys als Einwohner. Viele voll funktionsfähige Geräte stauben in Schränken und Schubladen vor sich hin und warten nur darauf, endlich wiederverwendet zu werden. Deshalb sollten ODL-Gründer als erstes Freunde und Bekannte ansprechen. Ein Aufruf über soziale Netzwerke und etwas Mundpropaganda helfen meist sehr schnell, um eine solide Basis an Testgeräten zu erhalten.

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Die Idee ist einfach und stößt nicht zuletzt deshalb auf große Resonanz.

Für den Start reicht es, einen geeigneten Platz, WLAN, ausreichend Steckdosen und USB-Kabel bereitzustellen. Nimmt die Zahl der Testgeräte zu, sollte ODL-Betreiber einiges mehr beachten. Zum Beispiel geben viele WLAN-Router an, auf bis zu 50 Geräte ausgelegt zu sein; die Realität sieht leider etwas anders aus. Da der Einsatz von professionellen Access Points teuer ist, empfiehlt sich meist ein Zusammenschluss von mehreren Routern, die aber nicht jeder administrieren kann. Sicher ist nur: Für sinnvolles Debugging und weiterführende Tests wie etwa eine Bandbreitensimulation möchte man alle Devices in einem Netzwerk haben.

Um das eigene Webprojekt auch mit begrenzter Internetgeschwindigkeit testen zu können, sollte man zudem darüber nachdenken, SIM-Karten bereitzustellen. Dies ist für alte Handys teils sogar nötig. Dann nämlich, wenn die Geräte über kein WLAN verfügen. Außerdem ist das Verhalten eines echten Funkmasts mit dessen Betreiber- und Netz-spezifischen Eigenheiten ein wichtiges Testszenario.

Hat man erst einmal eine stattliche Anzahl an Testgeräten angesammelt, wird es mitunter sehr unübersichtlich, wenn alle Geräte auf dem Schreibtisch liegen. Hier sorgen so genannte Multi-Device-Halterungen für Abhilfe, die sich etwa nach der Anleitung von Viljami Salminen, dem Betreiber des ODLs in Helsinki, selber bauen lassen [2].

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Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.

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4 Antworten
  1. von JasonAldean am 03.04.2013 (16:50 Uhr)

    Gestern habe ich eine Webseite für ein dampfbetriebenes Mobilgerät mit Linux Obscure Edition angepasst. Das ganze Layout war kaputt, und es war einzig allein meine Schuld. Warum schreibt ich auch Code der den Webstandards folgt wenn doch jeder weiß das man soviele Browserhacks wie möglich unter Verwendung von mindestens 10 verschiedenen Javascript Libraries einbinden muss damit die Webseite dann auch professionell ist.

    brb teste gerade eine Webseite auf einem Backstein

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  2. von JasonAldean am 03.04.2013 (16:53 Uhr)

    Am besten machen wir das ganze Internet rückwärtskompatibel bis Rauchzeichen.

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  3. von Tobias am 03.04.2013 (21:11 Uhr)

    Ich finde die Idee sehr gut. Gerade wenn ich eine Anwendung auf verschiedenen Tabletgrößen testen möchte, lässt sich das nur von der Optik her simulieren. Die Usability kann nur direkt am jeweiligen Device getestet werden.

    Nur schade das es kein Open Device Lab in BW gibt...

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  4. von Thorsten Wilhelm am 03.04.2013 (21:44 Uhr)

    Wo bleiben die Betreiber von Teststudios und Use Labs, die könnten so etwas doch auf aufbauen, pflegen und anbieten, dann im Paket mit Nutzertestings. Oder gibt das schon ?

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