Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Die Open-Source-Shop-Systeme Magento und OXID im Vergleich: Kampf der Giganten

Aus dem
t3n Magazin Nr. 22

12/2010 - 02/2011

Auf dem deutschsprachigen Shop-System-Markt haben sich mittlerweile zwei Produkte etabliert, die beide auf ihre Weise dem Open-Source-Gedanken folgen: Magento, das Multishop-System aus dem amerikanischen Westen, und OXID, die als kommerzielles System gestarteten Shop-Lösung aus dem deutschen Süden. Was haben die beiden gemeinsam, wo liegen die Unterschiede? Wir beleuchten die beiden quelloffenen Community-Editionen.

Das kalifornische Unternehmen Magento (ehemals Varien) existiert seit 2001 und beschäftigt derzeit etwa 180 Mitarbeiter. Die gleichnamige Software wurde als Open-Source-Software entwickelt und als Community Edition (CE) unter der Open Software License (OSL 3.0) im März 2008 veröffentlicht. Der Fokus von Magento liegt vor allem auf seinem modularen Aufbau, der Multishop-Fähigkeit und dem sehr flexiblen Produkt- und Attributsystem. In Kombination mit einem ausgeklügelten Preisregelsystem erlaubt insbesondere das Attributsystem Shopbetreibern, die verschiedensten Produkte abzubilden. Das System will sich dabei als E-Commerce-Framework verstanden wissen, mit dem sich sehr flexibel verschiedenste Anwendungen erstellen lassen.

Mittlerweile vertreibt Magento zwei weitere Versionen, die im Gegensatz zur ursprünglichen Community Edition kostenpflichtig sind, dafür jedoch erweiterte Funktionalität und verbesserte Support-Leistungen beinhalten.

Magento verweist auf eine riesige Community und kann flexibel neue Produktattribute aufnehmen.
Magento verweist auf eine riesige Community und kann flexibel neue Produktattribute aufnehmen.

Die Professional Edition (PE) schlägt dabei mit 3.000 US-Dollar pro Jahr zu Buche, die Enterprise Edition kostet gar 13.000 US-Dollar pro Jahr. Eine ausführliche Liste aller Funktionen der einzelnen Editionen findet sich auf der Magento-Produktwebsite [1].

Die OXID eSales AG wurde 2003 gegründet und beschäftigt derzeit ungefähr 60 Mitarbeiter. Ihre gleichnamige Software hat gegenüber Magento eine etwas andere Vergangenheit. Das Shopsystem basiert zwar ebenfalls auf PHP und MySQL, wurde aber von Beginn an als kommerzielle Software verkauft. Erst im Herbst 2008 wurde mit der Community Edition eine Open-Source-Variante (GPLv3) veröffentlicht, die vom Funktionsumfang der lizenzpflichtigen Professional Edition (PE) entspricht; es handelt sich hierbei also um eine Dual-Lizensierung einer ansonsten identischen Software. Die dritte Version im Bunde ist die Enterprise Edition (EE), die mit zusätzlichen Funktionen wie Multimandantenfähigkeit aufwartet [2].

Die OXID CE verfügt über sämtliche Funktionen, die man von einem modernen Shopsystem erwartet: Angefangen bei einer intuitiven Katalogverwaltung über verschiedenen Funktionen zur Verkaufsförderung bis hin zu einem integrierten Content Management System. Auf der Produktwebsite können sich Interessenten detailliert zum Funktionsumfang informieren [3]. Für die OXID Professional Edition (PE) fallen einmalig 2.000 Euro an, die Enterprise Edition (EE) kostet einmalig 13.000 Euro, wobei ein obligatorischer Supportvertrag von 4.000 Euro pro Jahr hinzukommt.

Technologie

Seit 2008 ist auch von OXID eine kostenfreie Version verfügbar.
Seit 2008 ist auch von OXID eine kostenfreie Version verfügbar.

Magento basiert auf den Open-Source-Technologien PHP und MySQL sowie auf dem Zend Framework, von dem es grundlegende Funktionen verwendet und an dessen Architektur es sich anlehnt. Die Software ist komplett objektorientiert programmiert und modular aufgebaut, sodass eigene Funktionen gut implementiert werden können, ohne den Programmierkern anpassen zu müssen. Somit kann die Software aktualisiert werden, ohne dass individuelle Änderungen dabei überschrieben werden.

Darüber hinaus nutzt Magento ein sehr abstraktes EAV-Datenmodell: Daten wie beispielsweise Produkt- oder Kundenangaben werden nicht in einzelnen, so genannten „flachen“ Tabellen, sondern in einer Vielzahl miteinander verknüpfter Tabellen gespeichert. Das hat den Vorteil, dass sich beispielsweise neue Attribute sehr einfach ohne Datenbankänderung hinzufügen lassen. Nachteilig wirkt sich dies jedoch auf die Leistung aus, da zum Seitenaufbau eine ganze Reihe an Datenabfragen durchgeführt werden müssen. Aus diesem Grund sind für den Betrieb eines Magento-Shops eine performante Hosting-Lösung und ein durchdachtes Caching-Konzept unverzichtbar [4] [5].

Im Gegensatz dazu speichert OXID seine Anwendungsdaten weitestgehend in flachen Tabellen. Die Software basiert auf objektorientiertem PHP und nutzt MySQL zur Datenspeicherung. Bis auf die Smarty-Template-Engine, die zum Aufbau des Frontends genutzt wird, handelt es sich bei OXID um eine komplette Eigenentwicklung. Es ist ebenfalls so aufgebaut, dass neue, individuelle Funktionen in Modulen gekapselt werden können, sodass auch in diesem Fall keine Programm-Dateien überschrieben werden müssen und die Update-Fähigkeit erhalten bleibt.

Dokumentation und Partner

Einer der Hauptkritikpunkte an Magento ist die Tatsache, dass es bislang noch kein offizielles Schulungs-, Dokumentations- und Zertifizierungs-Konzept gibt, das beispielsweise Agenturen hierzulande den Einstieg in die Arbeit mit der Software erleichtert. Auch der Quellcode ist nur ansatzweise kommentiert, sodass es entsprechend zeitaufwändig ist, damit effizient zu arbeiten. Magento bemüht sich, diese Situation zu verbessern, indem etwa die so genannte Knowledge Base erweitert wird [6]. Auch mit Webinaren und Screencasts versuchen die Entwickler, häufig auftretende Fragestellungen zu behandeln. Außerdem findet sich mittlerweile eine Reihe von Büchern auf dem Markt, die den Einstieg in die Arbeit mit Magento erleichtern. Dennoch: Magento-Neulinge müssen das nötige Wissen derzeit aus diversen Quellen beziehen oder sich alternativ durch spärlich kommentierten Quellcode kämpfen.

OXID ist in dieser Hinsicht besser aufgestellt. Zwar ist die Online-Dokumentation unter OxidForge nicht wesentlich umfangreicher als die von Magento [7], allerdings erleichtern sowohl das offizielle Schulungsprogramm als auch Zertifizierungen im Rahmen der „OXID Academy“ [8] den Einstieg erheblich.

Darüber hinaus kann OXID durch die Tatsache punkten, dass mit Hilfe von automatisierten Unit-Tests, deren Ergebnisse regelmäßig veröffentlicht werde, die Code-Qualität konstant überprüft und verbessert wird. Im letzten Test überprüften die Entwickler so gut 92 Prozent des Programmcodes der OXID CE [9] ; ein für diese Art von Anwendung durchaus beachtlicher Wert. Magento führt im Gegensatz dazu keine Unit-Tests durch, was vor allem der Komplexität der Anwendung geschuldet ist.

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
12 Antworten
  1. von Vajra Niemeyer am 25.11.2010 (15:41 Uhr)

    Die OXID Professional Edition liegt derzeit bei 2.990,- € + 1.990,- € für die ERP-Schnittstelle. Eine für meinen Geschmack etwas willkürliche Preispolitik, die nicht jedem Kunden gefallen dürfte und die Nachfrage nach Projekten mit der CE oder Magento erhöht hat. Schade denn das Shop-System ist wirklich hochwertig.

    Antworten Teilen
  2. von Chriz am 19.01.2011 (09:38 Uhr)

    Ich habe sowohl Magento, als auch OXID Shops für Kunden umgesetzt. Leider haben wir mit OXID und im Speziellen mit e-fire ständig Probleme. Auch Updates gestalten sich bei OXID oft sehr zäh. Eigentlich funktioniert nach einem Update immer irgendwas NICHT!
    Ich persönlich werde zukünftig keinen OXID-Shop mehr aufsetzen. Lieber etwas mehr Entwicklungsaufwand mit Magento am Anfang, als dieser dauerhafte Ärger mit OXID während der Laufzeit.

    Antworten Teilen
  3. von Chris am 19.01.2011 (10:49 Uhr)

    Also entgegen der Angabe in diesem Artikel finde ich persönlich, das Magento doch schon in vielen Bereichen sehr gut dokumentiert ist. Klar gibt es auch Bereiche, da hakt es noch, oder ist noch einiges zu verbessern, aber die Einarbeitungszeit ist doch relativ gering. Im Vergleich zu Oxid, mit dem ich auch schon gearbeitet habe. Auch findet man im Umfangreichen Forum eigentlich auch immer etwas. Es könnte allerdings teilweise etwas geordneter sein.

    Auch die Angabe mit der EAV Struktur in diesem Artikel ist nicht ganz korrekt. Zwar ist dies der Standard der Datenspeicherung in Magento, jedoch kann man im Backend sowohl für Produkte als auch für Kateogorien auch die Flat-Speicherung nutzen. Dadurch ist dies vergleichbar mit Oxid.

    Antworten Teilen
  4. von Jörg Glinka am 19.01.2011 (11:39 Uhr)

    Die technische Leistungsfähigkeit der Software ist Grund-Voraussetzung. Im Funktionsumfang tun sich die Systeme nicht soooo viel und orientieren sich an der aktuellen Nachfrage.

    Allerdings ist die Anpassung und erfolgreiche Einführung gerade bei großen Installationen ein sehr wichtiges Thema, das bei der Auswahl geeigneter Software und Lösungsanbieter massiv unterschätzt wird. Die funktional beste Lösung bringt nichts, wenn der "Solutionpartner" nicht in der Lage ist, den Kunden zu verstehen und Individualprogrammierungen innerhalb kurzer Zeit zu attraktiven Konditionen vorzunehmen.

    Die meisten Geschäftsmodelle lassen sich auch nicht hundertprozentig mit einer Standardlösung abbilden und müssen individualisiert werden. Das geht von der Realisation komplexer Schnittstellen zu ERP-Systemen bis hin zu komplexen Individualprogrammierungen, mit der sich der Shopbetreiber von Mitbewerbern unterscheidet und dem Kunden Komfort bietet. Hier gibt es wenig "Out of the box".

    Es ist immer hilfreich, sich bei Referenzkunden über Haken und Ösen zu informieren.

    Antworten Teilen
  5. von mori am 19.01.2011 (16:22 Uhr)

    Magento arbeitet auch sehr gut mit Drupal zusammen !!!

    Antworten Teilen
  6. von indi am 19.01.2011 (20:45 Uhr)

    @chriz: oh, das erinnert mich an TYPO3....stäääändig hakelt irgendwas, geht wieder irgendwas nicht. und leider hat das ding sicherheitslücken ohne ende, sodaß man schon bald im wochenturnus updaten muß. wie ist das bei oxid?

    Antworten Teilen
  7. von Chriz am 20.01.2011 (07:12 Uhr)

    @indi: Ja - leider hab ich mit OXID so ähnliche Erfahrungen gemacht. Über Sicherheitslücken kann ich allerdings nichts sagen. Updates zum Einspielen gibt es aber genug :-)
    Besonders nervig wird die Updateproblematik vor allem, weil es keine integrierte Updatefunktion gibt. Hier bietet Magento deutliche Vorteile.

    Antworten Teilen
  8. von indi am 20.01.2011 (11:39 Uhr)

    danke für die info!

    Antworten Teilen
  9. von peter am 20.01.2011 (19:12 Uhr)

    ich finde diesen artikel sowas von ungeignet diese beiden system zu vergleich...

    noch mehr ärgere ich mich das er immer wieder un wieder in den rss feed twitter usw. verwursted wird.

    ich habe heute mein abo gekündigt, einfach alles zu flach, das bringt nix und ich kanns eh irgendwann oline lesen.

    gute nacht.

    Antworten Teilen
  10. von Mr. Foo am 27.09.2011 (03:05 Uhr)

    Hallo,

    ich habe vor einiger Zeit ein langen und ausführlichen Artikel über die Nachteile von Magento geschrieben.

    Jetzt, zwei Jahre später, beschweren sich die Nutzer immer noch über die Nachteile von Magento.
    Der Artikel hat schon über 170 Kommentare, ist lang aber sehr lesenswert.

    Bitte wundert euch nicht über den vielleicht etwas rüden Titel des Artikels, aber wer sich die Zeit nimmt alles durchzulesen wird wissen, warum der Artikel so genannt wurde:

    Magento im Test

    Antworten Teilen
  11. von h_klauke am 09.12.2012 (16:29 Uhr)

    Hallo,
    habe für meine Frau, eine leidenschaftliche Schmucksammlerin, den Shop http://www.gebraucht-schmuck.com eingerichtet. Habe mich für Oxid entschieden. Der Testshop lief direkt lokal und auch als Eclipse Projekt.
    Das Layout ist gut strukturiert, das Datenbankmodell einfach und der PHP-Code geradlinig. Die Antwortzeiten sind gut. Für die Implementation musste ich nur 2 Punkte bearbeiten.
    Die Gebühr für Nachnahme wurde angezeigt aber nicht in die Bestellung übernommen, und mehr als 4 Hauptkategorien wurden nicht dargestellt.
    Als nächstes steht die PayPal Anbindung an. Werde das aber mit Express Checkout implementieren und auf e-fire verzichten.
    Für einen „kleinen“ Shop wie den unsrigen finde ich Oxid ideal.
    Abstriche gibt’s für den Admin Modus, den ich unübersichtlich finde.

    Antworten Teilen
  12. von peter_s am 17.06.2013 (10:15 Uhr)

    Mittlerweile sind fast 3 Jahre ins Land gegangen. Magento wurde von ebay geschluckt, wie da die Strategie ist und wie es weiter gehen soll ist für mich unklar. Aber es gibt auch noch anderes als oxid oder Magento. Wir nutzen z.B. vermehrt Shoppilot. Die haben eine eigene Template Engine und eine eigene Scriptsprache zur Erweiterung und Modifikation. Ich bin damit sehr gut zurecht gekommen. Oder Shopware ist auch nicht schlecht. Und sicherlich noch weitere gute Shopsysteme.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?