Es ist nicht primär das Misstrauen in die Lieferzuverlässigkeit eines Shops, das Nutzer dazu bringt, eher über Rechnung zu bestellen. Angesichts anhaltender Datenschutzdebatten sowie aus der Erfahrung mit Phishing und der Berichterstattung um Datenlecks neigen immer mehr Surfer dazu, so wenige Daten wie möglich von sich preiszugeben. Dem kommt die Rechnungszahlung entgegen, für die meist nicht mehr als die erforderliche Versandadresse angegeben werden muss.
Zudem sind erfahrene Bestellkunden daran gewöhnt, dass sie in renommierten Shops per Rechnung bezahlen können. Und sie werden in dieser Gewohnheit bestärkt, je mehr Marken und Hersteller mit eigenen ausgeklügelten Plattformen ins Web drängen.
Damit wird insgesamt der Druck auf kleinere Händler zunehmen, in punkto Payment-Optionen die Standards der Großen zu übernehmen. Und sie gehen mit, wie das auf den E-Commerce spezialisierte Forschingsinstitut ibi research herausfand: 48 Prozent der befragten Händler mit unter einer Million Euro Umsatz nannten auf die Frage, welche Payment-Methode sie in den letzten vergangenen Jahren hinzugefügt hätten, den Rechnungskauf.
Der Rechnungskauf aus Händlersicht
Abseits des Marktdrucks gibt es aber tatsächlich gute Gründe, warum Online-Händler ihren Kunden den Kauf per Rechnung anbieten sollten: So kann theoretisch die gesamte Abwicklung dieser Zahlart im eigenen Haus stattfinden, ein externer Dienstleister ist nicht zwingend nötig. Das macht diese Payment-Methode auf den ersten Blick sehr günstig. Hinzu kommt die Aussicht auf weniger Abbrüche während des Checkouts, höhere Warenkorbwerte bei Rechnungskäufern und eine bessere Kundenbindung.
Inwieweit diese Vorteile zum Tragen kommen, ist allerdings sehr stark von der Gestaltung der Zahlungsabwicklung und vom Sortiment abhängig. So schlagen die Nachteile der offenen Rechnung, wie beispielsweise Betrugsversuche oder auch erhöhte Retourenraten bei manchen Branchen deutlich zu. Bei anderen ist das kein Thema. Dies zeigte auch die jüngste Händlerumfrage von Shopanbieter.de, nach der die Ausfallrate von Rechnungszahlungen bei zwei Drittel der Befragten unter einem Prozent lag, jedoch bei rund einem Zehntel der Händler auch bei zehn Prozent und sogar höher.
Von erhöhten Retourenraten berichteten rund 25 Prozent der befragten Online-Händler, etwa ebenso viele freuten sich allerdings über eine reduzierte Retourenquote bei Rechnungszahlern. Gut die Hälfte der Shopbetreiber sah kein verändertes Retourenverhalten gegenüber Kunden mit anderen Zahlmethoden.
Daneben vermeldete die Hälfte der von Shopanbieter.de befragten Händler eine Konversionserhöhung, und jeder Dritte hatte zusätzlich erhöhte Warenkorbwerte bei Rechnungszahlern. Das Angebot, via Rechnungsadresse zu bestellen, kann sich also lohnen.
Nicola Straub




