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Onlinehandel der Zukunft: Miteinander statt gegeneinander

Aus dem
t3n Magazin Nr. 25

09/2011 - 11/2011

In Social Communities vernetzen sich Menschen und teilen ihre Interessen. Was passiert, wenn man das Prinzip auf den E-Commerce überträgt – auf Onlineshops, deren Sortimente und Prozesse? „Miteinander statt gegeneinander“ heißt die Devise für den Onlinehandel der Zukunft. Produkt-APIs, Gutscheinmodelle und andere Entwicklungen bringen die Shops immer näher zueinander. Und am Ende wartet vielleicht sogar die personalisierbare E-Commerce-Plattform.

Onlinehandel der Zukunft: Miteinander statt gegeneinander

(Quelle: table/photocase)

Renaissance der Shopvernetzung

Ganz neu ist die Idee der Shopvernetzung nicht. Sie erlebt aktuell aber eine Renaissance, die geprägt ist von neueren Entwicklungen und der Suche nach frischen Konzepten im E-Commerce. Amazon hat bereits vor vier bis fünf Jahren mit einer Produkt-API den Zugriff auf sein gesamtes Eigensortiment zugelassen. Über die öffentliche Schnittstelle konnte jeder auf das Sortiment zugreifen und damit machen, was ihm gefiel – Hauptsache, die Produkte wurden zurück zu Amazon verlinkt und waren dort käuflich.

Produkt-APIs sprengen die eigenen Shopgrenzen

Dank der offenen Schnittstellen sind bereits verschiedene interessante Mashups entstanden, die mit den Produkten der E-Commerce-Plattform experimentieren. Browsegoods.com war solch ein beeindruckendes Mashup, mit dem man in Google-Earth-Manier über das Amazon-Sortiment fliegen konnte. Auch Amaztype ist ein beeindruckender wenn auch spielerischer Umgang mit Amazons Büchersortiment. Vermutlich sind auch die ersten Beta-Versionen von Amazons eigenem Windowshop (www.windowshop.com) aus dem Jahr 2008 über dieselbe Shop-API betrieben worden. Was hat es Amazon gebracht? Sicher etwas Mehrumsatz, der jedoch bei diesen Beispielen nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Viel entscheidender war, dass das eigene Sortiment über die Shopgrenzen hinaus getragen wurde, weiter an Bekanntheit gewann und in neuen Kontexten dargestellt wurde. Damit war es für Amazon auch ein strategischer Schritt zur Festigung der Sortimentskompetenz.

Aber auch andere innovative Onlineshop-Plattformen experimentieren schon länger mit Produkt-APIs. Nennenswert ist das Remix-Programm des größten US-amerikanischen Consumer-Electronic-Shops „Best Buy“. Die öffentliche API-Dokumentation erlaubt es jedermann, nicht nur das Shop-Sortiment zu durchsuchen, Verfügbarkeiten und Öffnungszeiten von Filialen zu prüfen, sondern über die Commerce-Schnittstelle zum Affiliate zu werden. [1] Weiter stehen diverse Applikations-Beispiele wie der Fernseh-Finder und andere zur freien Verfügung.

Ähnlich geht der englische Handelskonzern Tesco vor. Mit seinem Programm TechforTesco stellt er sein Sortiment des täglichen Bedarfs über die so genannte Grocery-API allen Interessierten zur Verfügung. Was auf den ersten Blick ziemlich simpel erscheint, hängt stark von der Kreativität der Entwickler ab. Der Zugriff auf das gesamte Sortiment eines Anbieters bietet ungeahnte Möglichkeiten. Tesco experimentiert beispielsweise mit Desktop-Applikationen. Einkaufsplanungen und Kalenderfunktionen hängen im Use-Case oft zusammen. Warum soll also eine Kalenderanwendung nicht gleich auf das gesamte Sortiment zugreifen können, wenn schon der Einkauf geplant wird? Tesco stellt Entwicklern diese Funktion zur Verfügung. [2] Der Kunde geht also nicht in den Onlineshop, statt dessen kommt das Shopsortiment zum Kunden und platziert sich genau an der Stelle, wo der Bedarf entsteht.

Diese drei Beispiele zeigen, wie über frei verfügbare APIs das eigene Sortiment in andere Anwendungsbereiche integriert werden kann. Einerseits über Affiliatekonzepte zur Erhöhung der Abverkäufe und zur Ausweitung der Kundenbasis. Anderseits als Anreiz für Entwickler, neue Anwendungen und Konzepte zu entwickeln, die auf die eigenen Daten zurückgreifen. Ähnlich macht es auch Google mit seinen Kartendiensten. Allerdings sollten die Shops und deren Sortimente nicht isoliert betrachtet werden, sondern miteinander kommunizieren.

Bei all diesen erwähnten Produkt-APIs handelt es sich jedoch um proprietäre – wenn auch sehr gut dokumentierte – Services. Für den Austausch von Produktdaten zwischen Händler und Lieferanten oder auch für Katalogdaten haben sich seit Längerem verschiedene Branchenstandards durchgesetzt. Ein im deutschsprachigen Raum verbreitetes Beispiel ist das BMEcat-Format mit den Produktklassifikationssystemen eCl@ss, ETIM, proficl@ss oder UNSPSC. [3] Oder das Onix-Format für den Austausch von bibliografischen Produktdaten im Buchhandel. [4]

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Eine Antwort
  1. von Mashen wäre schon besser am 27.07.2012 (00:32 Uhr)

    Und wem gehören die Daten von z.b. einer ISBNummer ? Na also.
    Trivialpatente und Abmahnungen. Sonst hätte ich längst die SQl-Datenbanken von Supermkärten mit deren Einwilligung ausgelesen . Aber praktisch alle relevanten Datenbanken sind protected und wollen notarielle Nutzungsverträge mit totaler Haftung oder sind nicht bezahlbare oder nicht lizensierbar.
    Wenn Amazon die Daten outet kriegen die natürlich keine Abmahnung. Wenn man ähnliche Datenbanken (WikiData für alle Produkte mit ISBN oder EAN wollte ich schon vor über 5 Jahren machen als mein Nokia-Symbian-J2ME-Phone Barcodes scannern konnte) selber Wikipasiert aufbaut und z.b. die Inhalts-Stoffe fotografiert und scannt und OCRt um alle Produkte mit Glutosamat gelb zu markieren weil man das nicht verträgt oder alle Glutenfreien Produkte grün zu markieren oder sonstwas sinnvolles (Sucht mal Frühstücksflocken mit weniger als 69 Gramm Kohlehydrate pro 100 Gramm. Da kann man auch was mit 90 Gramm pro 100 nehmen und mit ****bix auffüllen um unter 70 zu kommen.) kriegt man doch vermutlich gleich Ärger.

    Geht mal bitte in die KaufDa-App und zoomt auf die Supermärkte. Früher gabs ein paar Ketten die ihre Kataloge dort nicht drin hatten sondern bestenfalls die Öffnungszeiten.

    Manche Warenwirtschaftsfirmen sind wenig an Vergleichbarkeit und alternativen Apps interessiert.
    Manche Ketten sind wenig an Vergleichbarkeit interessiert.

    Data-Hubs sollten kleine Anbieter schon lange haben. Ricardo, OFDB, Filmundo oder hitflip und tauschticket usw. Wenn man ein eigenes Angebot hat, kommt das natürlich zuerst. Aber wenn man keine Harry-Potter Erstausgabe hat, muss man halt die vom "Konkurrenten" listen und sich die Provision teilen.

    Schade das in meinungsfreien fair-use-Ländern keiner auf meine Idee kommt um sie mal durchzusetzen :-(
    Die EU will mit Millionen Euros als ÖPNV-Pläne sammeln und Optionator-mäßig Verbindungen z.B. quer durch Berlin auflisten. Sowas würde ich werbefinanziert schon ewig machen indem jeder User die Sbahn-Pläne fotografiert, upped und sie ocrt, gescannt und gemasht werden. Wenn man aber für Sbahn-Pläne Copyright oder Abmahnungen bezahlen soll, lässt man die EU das für Millionen Euros machen. Kennt ihr ein kostenloses EU-Förder-Projekt ? Semantic-Web-Suche ? Galileo ? Elena ? Hercules ? Hartz4-Software ? Google ? Streetmap ? Wikipedia ? Wiki-School-Book ? Collective-Learners-Wiki ? Students-Collaborate-for-Lectures-and-Tutorias ? (Nicht EU oder nicht kostenlos oder nicht existierend)
    Wenn nicht das CERN sondern die EU das HTML erfunden hätte. Hätten sie dann Gebühren für HTML und HTTP genommen ?

    Diese ganzen Sites arbeiten nicht zusammen und wenn man z.B. die Filialdaten von 20-1000 proprieträren Firmen-Apps zusammenfügen würde, würde das irgendwem vermutlich nicht passen.
    Das sind also nur fromme Wünsche wie barrierefreies Design (am Handy ist man handycapped, deshalb heisst es auch so weil man keinen 1920x1080 50"-Screen hat) oder responsives Design. Denn Ricardo und die anderen Gebrauchthändler oder diese zig Kleinanzeigenportale könnten längst zusammenarbeiten.
    Oder Myhammer und Blauarbeit usw. wenn man zu wenig eigene Leute in der Gegend hat.
    Cashburning ist für manche Sites wohl wichtiger als Kundenzufriedenheit.
    Gibt es eine Site oder funktionierendes Firefox-Plugin wo man alle Amazons weltweit parallel abfragen kann ? Teilweise gibts z.B. bei Amazon-Italien deutsche DVD-Staffelboxen billiger als hier. Migranten und Mehrsprachlern ist die Version evtl auch egal Hauptsache billiger als 50 Euro für eine Staffelbox (Bluray natürlich). Und mit seinem Amazon.de-Konto kann man (komischerweise manchmal nur mit Kreditkarte glaube ich) auch bei Amazon.fr co.uk spanien italien usa einkaufen. Japan und China sind separat.

    Mashen klingt nett, hat in der Praxis aber Probleme.
    Leider unterstützt der EU-Verbraucherschutz oder antikapitalistische Organisationen solche Projekte nicht juristisch (Geld braucht man dafür nicht) und hostet sie in guten Ländern um dem Bürger den niedrigsten Preis, billige Beamerlampen und billige legale korrekte Ersatzteile zu bringen wie es der wahre Kapitalismus doch täglich verspricht.

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