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Erfolgreiches Zusammenspiel zwischen CMS und Online-Shop: TYPO3 und xt:Commerce

Aus dem
t3n Magazin Nr. 4

06/2006 - 08/2006

Rechts unten sind thematisch passend externe Produkte eingebunden – hier nur mit Bild, Preis und Link auf den Shopbereich.

CMS und Shopsystem werden in der Praxis häufig getrennt voneinander eingesetzt. Schließlich erfüllt jedes einen sehr unterschiedlichen Zweck. Eine Vernetzung der Systeme liegt also nicht unbedingt nahe. Dass es trotz technischer Hürden betriebswirtschaftlich hochgradig interessant sein kann, ein und ein Shopsystem miteinander zu vernetzen, zeigt das vorliegende Beispiel. Dabei werden Produkte aus einem Shop kontextsensitiv über eine TYPO3-Website verlinkt – immer das richtige Produkt am richtigen Ort. Der Vorteil: deutlich höhere Umsätze durch intelligentes Cross-Selling.

Als Musikverlag produziert die PPV Medien GmbH sowohl Zeitschriften zu verschiedenen Musik-Themen als auch DVDs, Fachbücher, Kalender und Sonderausgaben. Im Zuge der Neuausrichtung des Internetangebots des Verlags wurde bereits im ersten Halbjahr 2005 ein Relaunch der Website des Verlags und der 11 Zeitschriften-Portale durchgeführt [1].

Die Umstellung des Webauftritts auf ein einheitliches ContentManagement-System, das Open-Source-CMS , bildet die Grundlage für weitere notwendige Modernisierungen. Das technisch veraltete und visuell wenig ansprechende bestehende Shopsystem sollte durch ein neues ersetzt werden. Wichtige Kriterien für die Auswahl eines Shopsystems waren niedrige Anschaffungskosten, guter Support und flexible Erweiterungsmöglichkeiten. Die Wahl fiel auf das Open-Source-System [2], den Nachfolger des bekannten osCommerce, das allerdings seit 2003 nicht mehr weiterentwickelt wird. Beide basieren auf PHP und MySQL und bieten ein ausgereiftes Warenkorbsystem sowie eine Vielzahl von Erweiterungen. Neu bei xt:Commerce ist das Smarty-basierte Template-System.

Eine andere mögliche Lösung wäre die Umsetzung mit der TYPO3-Shop-Extension gewesen. Nach Analyse beider Möglichkeiten stand jedoch fest, dass xt:Commerce die weit bessere E-Commerce-Engine darstellt. Auf das neue TYPO3-Shopsystem konnte aus Termingründen nicht gewartet werden.

Gegenüber der Standardinstallation von xt:Commerce wurden im vorliegenden Beispiel einige Änderungen und Erweiterungen durchgeführt. Die wichtigsten betreffen die Einrichtung einer Autorendatenbank sowie die Entwicklung einer Kategorisierung der Produkte, um die Zuordnung von Schlagworten und die Einführung verschiedener Produkttypen wie Buch, DVD oder Abonnement realisieren zu können. Die Projektleitung des Verlags stellte ein Pflichtenheft zur Verfügung, das eine termingerechte und effiziente Auftragsbearbeitung ermöglichte.

Verknüpfung mit TYPO3

Die Idee hinter der Verknüpfung ist, über ein vorgegebenes Schlüsselwort oder eine Kategorie thematisch passende Produkte aus dem an einer beliebigen Stelle der TYPO3-basierten Website ausgeben zu können. Eine direkte technische Verbindung zum Shopsystem ist dabei aber keine Bedingung. Da es üblicherweise nicht möglich ist, von einer beliebigen Website auf die SQL-Datenbank des Shops zu verweisen, wurde eine Lösung mittels PHP-Include und http-Requests angestrebt. Vom Shopsystem wird dabei ein entsprechender Code-Schnipsel angeboten, der dann direkt in beliebige Websites eingebunden werden kann. Der Code ist mit CSS formatiert, wodurch das Layout innerhalb der jeweiligen TYPO3-Seite bestimmt werden kann. Dies war besonders wichtig, um diese Funktion auf diversen Magazin-Seiten sowie dem Kleinanzeigenmarkt einzubinden, die jeweils unterschiedliche Layouts benutzen.

Hierfür wurde eine Kopie der Suchfunktion in xt:Commerce verwendet. Die entsprechenden Suchkriterien werden von der externen Website vorgegeben und als GET-Variablen an die URL übergeben. Die Suchfunktion wertet die übergebenen Variablen aus und durchsucht die Shop-Datenbank nach passenden Produkten – sortiert nach Verkaufsrang. Das Suchergebnis wird als unformatierter Quellcode bereitgestellt, der dann im externen Seitenlayout dargestellt wird. Einen Hinweis, dass die Produkte von einer anderen Website stammen, gibt es dabei nicht, sodass ein Besucher davon nichts mitbekommt. Eine solche URL, die von TYPO3 aufgerufen wird, sieht beispielsweise wie folgt aus:

HTML

http://shop.musik-macher.de/search.php?keywords=Yamaha
&category_id=56,58&max=10&products_type=Book,Article
&show_price=1&show_image=1&show_author=0&show_magazine=0
&show_name=0

Listing 1

Die einzelnen Parameter der URL:

  • products_id: Wenn bestimmte Produkte direkt ausgegeben werden sollen, können sie über die Produkt-ID angegeben werden; mehrere werden durch Kommata getrennt.
  • keywords: ein oder mehrere Schlüsselwörter, nach denen gesucht wird. Über Schlüsselwörter gefundene Produkte haben Vorrang vor Produkten, die über Kategorien gefunden wurden.
  • category_id: die Kategorie, aus denen weitere Produkte stammen sollen. Die hierüber gefundenen Produkte haben zweite Priorität. Durch Kommata getrennt können mehrere Kategorien angegeben werden.
  • max: Die maximale Anzahl Produkte, die angezeigt werden soll.
  • products_type: der Produkttyp, zum Beispiel Book, Article oder DVD. Mehrere Produkttypen können durch Kommata getrennt angegeben werden.
  • show_price: Wenn dieses Attribut gesetzt ist, wird der Preis des Produkts ebenfalls angezeigt.
  • show_image: Dieses Attribut schaltet die Produktbildanzeige ein.
  • show_author: Der Autor eines Buches oder eines Artikels wird mit show_author angezeigt.
  • show_magazine: Zeitschrifteninformationen, wie Zeitschriftenname, die Ausgabe und die Seite werden mit diesem Attribut gesetzt.
  • show_name: Der Titel des Buchs oder Produkts wird durch das Attribut show_name angezeigt.
  • magazine_id: Die magazine_id schränkt die Suche auf Artikel einer bestimmten Zeitschrift ein.

Durch die große Anzahl von Parametern ist es möglich, die Ausgabe an verschiedene Anforderungen anzupassen. Diese Flexibilität ermöglicht es, das Skript hinter der Suchfunktion für unterschiedliche Zwecke einzusetzen.

Produktvorschläge im Kleinanzeigenmarkt: Der rechts oben angegebene Suchbegriff lautet „Piano“. Als Resultat werden im rechten unteren Bereich mehrere Buchtipps zu diesem Begriff und der angegebenen Kategorie angezeigt.

Produktvorschläge im Kleinanzeigenmarkt: Der rechts oben angegebene Suchbegriff lautet „Piano“. Als Resultat werden im rechten unteren Bereich mehrere Buchtipps zu diesem Begriff und der angegebenen Kategorie angezeigt.

TYPO3-Backend

Die Produktanzeige ist als Modul in TYPO3 eingebunden. Auf beliebigen Zeitschriftenseiten kann man ein entsprechendes Anzeigeelement einfügen, das die oben angegebenen Optionen verwaltet. Ein ähnliches Modul wird auch für den Kleinanzeigenmarkt und das Glossar verwendet. Auf der xt:Commerce-Seite wird das gleiche flexible PHP-Skript eingesetzt. In TYPO3 wird ein Plugin des neu entwickelten Moduls „ClassifiedAds“ eingesetzt. Die Parameter für die xt:Commerce-Funktion sind dabei bis auf Schlüsselwort und Kategorie in einer Konfigurationsdatei festgeschrieben. Schlüsselworte und Kategorien werden durch die Eingabe des Kunden vorgegeben. Dies bietet sich an, da diese Daten auch bei der Suche nach Kleinanzeigen verwendet werden. Der Kunde bekommt somit zu seinem Suchbegriff passende Buchtipps angezeigt.

Micropayment

Einer dieser Produkttypen ist der Einzelartikel. Als Verlag betreiben die PPV Medien ein Dutzend eigener Zeitschriften. Die jeweiligen Artikel werden online als PDF-Dateien zum Einzelkauf angeboten. Obwohl xt:Commerce die Möglichkeit bietet, Produkte zum Download anzubieten, wurde darauf verzichtet, da es sich nicht lohnt, Kleinstbeträge von teilweise unter einem Euro per Lastschrift oder Kreditkarte einzuziehen. Stattdessen wurde die Warenkorb-Funktionalität des Shops für Einzelartikel deaktiviert und eine Bezahlmöglichkeit per Micropayment eingesetzt. Über einen Link wird der interessierte Besucher zum Anbieter Firstgate Click&Buy [3] weitergeleitet. Hat der Besucher noch keinen Firstgate Account, kann er sofort einen anlegen. Wenn der Besucher die Zahlung des Betrags bestätigt, wird er zur gewünschten PDF-Datei weitergeleitet, die er lesen, abspeichern oder drucken kann. Der Kaufbetrag wird zum Monatsende abgebucht, die Zahlungsweise kann zuvor bei Firstgate angegeben werden.

Erfolge

Der Hauptgrund für den Relaunch des Shopsystems mit xt:Commerce war eine angepeilte Steigerung der Online-Verkäufe. Dafür wurde neben dem neuen, an die Verlags-Website angelehnten Design vor allem die Benutzerfreundlichkeit des Shops verbessert. Gleichzeitig wurde die Struktur der Website verändert. Während vorher auf der prominenten Verlagswebsite www.ppvmedien.de redaktionelle Inhalte zum Verlag zu finden waren, befindet sich dort nun der Online-Shop.

Bereits kurz nach der Onlineschaltung des neuen Shops im November 2005 konnten erste Erfolge verzeichnet werden. Bei der Analyse der Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr wurden deutlich messbare Erfolge festgestellt. Besonders gefragt waren dabei die Abo-Angebote für Zeitschriften des Verlags. Auch die Artikeldatenbank, die erstmals Anfang Dezember freigeschaltet wurde, wird seitdem rege genutzt und übertrifft die Erwartungen des Verlags.

Noch einmal deutlich gestiegen sind die Umsätze seit der Einrichtung der Verknüpfungen zu TYPO3. Dies ist anhand der ausführlichen Statistikfunktionen des Shops direkt ablesbar. Die meisten Käufe werden zwar immer noch direkt über das Shopsystem getätigt, dennoch lässt sich klar erkennen, dass die Links zum Shopsystem gerne und häufig genutzt werden. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass zur eigenen Suchanfrage direkt passende Produkte und Einzelartikel angeboten werden.

Ein Einzelartikel in der Übersicht – herunterladbar nur über den Link zu Firstgate Click&Buy

Ein Einzelartikel in der Übersicht – herunterladbar nur über den Link zu Firstgate Click&Buy

Fazit

Wie das vorliegende Beispiel zeigt, müssen sich Web- und Shopsystem zum Datenaustausch nicht auf dem gleichen Server befinden. Bereits über einfache http-GET-Aufrufe ist ein umfangreicher Datenaustausch möglich. TYPO3 bietet vielfältige Möglichkeiten, wie eine entsprechende Anforderung an das Shopsystem erzeugt werden kann – statisch über das Backend oder dynamisch, basierend auf Benutzereingaben. Durch so gesteuertes Cross-Selling ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten für die prominente Platzierung von Produkten aus dem Shop-System – inhaltlich passend zu den betrachteten Inhalten.

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