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Exits, von denen Berlin nur träumt: Über die Gründerszene und Startupförderung in Israel

Aus dem
t3n Magazin Nr. 37

09/2014 - 11/2014

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Wer Kreativität und Unternehmergeist sucht, landet früher oder später in Israel. Hier gibt es etwa 250 High-Tech-Forschungs- und Entwicklungszentren, hochkarätige, motivierte und billige Entwickler sowie eine vorbildliche Förderung – auch für deutsche Gründer.

Exits, von denen Berlin nur träumt: Über die Gründerszene und Startupförderung in Israel

(Foto: Flügelwesen / Photocase)

Ganze zehn Hochhausetagen umfasst der Google Campus in Tel Aviv. An diesem Tag findet hier der LaunchPad statt – eine nur scheinbar improvisierte Diskussion unter Gründern, die in Wahrheit aber sorgfältig von den Google-Verantwortlichen orchestriert ist. Präsentationstechnik ist verpönt, Freizeitlook angesagt. Jeder Gründer erzählt kurz sein Geschäftsmodell und muss dann eine Salve von Einwänden über sich ergehen lassen – oft gute, aus Erfahrung und internationalem Überblick geborene Ratschläge. Manch einem ist die Erleichterung anzusehen, wenn er wieder runter darf vom „heißen Stuhl“.

Doch dieser heiße Stuhl bietet ebenso große Chancen. Auch die Gründer von Waze könnten vor einigen Jahren auf ihm gesessen haben. Die auf Crowdsourcing basierende Social-Navigation-App wurde im Juni 2013 für über eine Milliarde US-Dollar an Google verkauft – ein Exit, von dem die meisten Berliner Gründer nur träumen. Waze entstand, weil der Verkehr in Tel Aviv nervt: Parkplätze sind hart umkämpfte Mangelware, Kriechverkehr die Regel. Da lag es nahe, das Wissen aller Verkehrsteilnehmer zu sammeln und in einen Straßennetzplan zu integrieren. Das Acht-Millionen-Einwohner-Land Israel mit seinen 7.000 bewohnbaren Quadratkilometern bietet dafür gute Voraussetzungen.

So einen Erfolg wünschen sich auch Shachar Grembek und Netanel Teicher. Die beiden wollten schon immer zusammen ein Unternehmen gründen. 2012 war es endlich soweit: Im Keller eines Wohnhauses in der Yarkon-Straße – nur wenige Schritte vom 15 Kilometer langen Tel Aviver Strand entfernt – entstand ihr Startup Wispa. Die iOS-App aggregiert Facebook-Posts, in denen jemand etwas vermieten oder verkaufen möchte – nebst den Profil- und Geo-Daten der Anbieter. Bald soll die Android-App folgen. Shachar kümmert sich um die Software- und Produktentwicklung, Netanel ist der Mann für Marketing und Verkauf.

„Das Schwerste für ein Startup ist das Weglassen“

Doch an den Exit denken die beiden noch lange nicht – ihre App ist erst im März 2014 live gegangen. Wispa logiert mittlerweile drei Häuser weiter in einer ehemaligen Kunstgalerie, die Shachar und Netanel weiterbetreiben. Auffälligstes Exponat: Ein Superman-Kopf, der aus tausenden bunten Kronkorken zusammengesetzt ist. Im Keller der Gallerie drängelt sich ein Dutzend junger Leute. Partner der Closed Beta war die Uni Tel Aviv mit über 30.000 Studenten. Nun bereiten sie die nächste Finanzierungsrunde vor.

Der rothaarige Shachar und der dunkelhäutige Netanel wirken äußerlich wie die typischen Vertreter der beiden Brudervölker, aus denen sich das israelische Judentum zusammensetzt: Der mittel- und osteuropäischen Ashkenasim und der orientalischen Mizrahim. Lange wurden die Mizrahim als rückständig belächelt. Dabei sind sie längst in der Mitte der High-Tech-Gesellschaft angekommen. Aufzuholen haben in Israel neben den Frauen die Ultra-Orthodoxen und die Araber – vor allem die muslimischen.

Die beiden Wispa-Gründer Shachar Grembek (links) und Netanel Teicher: Die iOS-App aggregiert Facebook-Posts, in denen jemand etwas verkaufen oder vermieten will. (Foto:Michael Lemster)
Die beiden Wispa-Gründer Shachar Grembek (links) und Netanel Teicher: Die iOS-App aggregiert Facebook-Posts, in denen jemand etwas verkaufen oder vermieten will. (Foto:Michael Lemster)

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