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Analyse

Buyerzon: Marktplatz mit großen Ambitionen und geringen Chancen

Nach mehrjähriger Entwicklung geht der Marktplatz Buyerzon an den Start. (Foto: Shutterstock)

Buyerzon startet als neuer Vertriebskanal, der fairer sein soll als andere Marktplätze. Doch zum jetzigen Zeitpunkt wirkt das Konzept noch recht unausgegoren und die Website alles andere als fertig.

Die Plattform, in der laut Betreiber mehr als vier Jahre Entwicklungsarbeit stecken sollen, versteht sich als Alternative zu den Platzhirschen Ebay, Amazon & Co., aber auch als Alternative zu Plattformen wie Real.de oder Rakuten. So erklärt Werner Bobritz, CEO von Buyerzon: „Anders als bei etablierten Anbietern treten wir nicht als Wettbewerber unserer Anbieter auf, sondern bieten unseren Kunden eine neutrale Plattform als zusätzlichen Vertriebskanal.“ Damit spielt Bobritz wohl auch auf Real.de an, deren Übernahme von Hitmeister bei vielen der ehemaligen Händler für Ärger sorgte.

Buyerzon ist Ansprechpartner für Kunden, Händler treten nicht in Erscheinung

Doch immerhin wird überall dort der Händler zumindest genannt, während bei Buyerzon sämtliche Verkäufe über Buyerzon selbst abgewickelt werden. Für den Kunden ist Buyerzon der Ansprechpartner, an den beispielsweise auch Retouren zurückgeschickt werden. Dennoch kaufe man selbst keinerlei Waren und trete somit auch nicht in Wettbewerb zu den Marktplatzhändlern. „Gerade bei den mittelständischen Händlern in Deutschland und Europa sehen wir einen extrem großen Bedarf an einem solchen Marktplatzmodell, das eine echte Alternative zu den großen Playern im Markt darstellt“, erklärt Bobritz weiter.

Der Marketplace richtet sich an B2C- und B2B-Händler in allen Größenordnungen. Zum Start von Buyerzon sind bereits 50.000 Produkte von zahlreichen Anbietern eingestellt, allerdings zunächst nur in sechs Warengruppen und auch da nur selektiv: Essen und Trinken, Beauty und Gesundheit, Haushalt und Wohnen, Baby und Kind, Freizeit und Hobby, Baumarkt und Garten sowie Tierbedarf. Buyerzon unterstützt die Händler bei der Einstellung von Produkten durch Anbindung an gängige ERP-Systeme, auch Anbindungen zu den Onlineshop-Lösungen von plentymarkets, Shopware sowie Magento befinden sich aktuell bereits in der Umsetzung.

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Händler müssen bei Buyerzon per DPD versenden

Hinter Buyerzon steht die Webopac-logistics, ein international agierender Fulfillment- und Logistikdienstleister mit Schwerpunkt Europa, der bereits seit knapp 40 Jahren am Markt ist und mehr als 1.000 Kunden aus den Branchen Industrie, Konsumgüter und Lebensmittel bei Logisitik und Transport betreut.

DPD ist dabei als exklusiver Paketdienstleister mit an Bord. Händler können somit ausschließlich hierüber den Versand abwickeln. Dabei profitiert der Kunde von den üblichen Annehmlichkeiten des Versandes per DPD, etwa dem kartengestützten Live-Tracking, der Zustellprognose oder der spontanen Umleitungsmöglichkeit für Pakete durch den Kunden. Sämtliche Optionen sind bereits vor dem ersten Zustellversuch bis fünf Minuten vor Zustellung wählbar.

Neben dem eigenen Fulfillment lassen sich auch Waren zentral lagern. Dabei können Händler auch eine Mischung aus beidem wählen, beispielsweise regelmäßig gefragte Waren, die in großen Stückzahlen über die virtuelle Ladentheke gehen, zentral einlagern lassen. Buyerzon übernimmt für die Marktplatznutzer die komplette Retouren- und Zahlungsabwicklung.

Buyerzon plant Geschäft im Ausland

Wenn es nach den Betreibern des Portals geht, soll es bei Deutschland nicht bleiben: Buyerzon plant, in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten über Untergesellschaften präsent zu sein. Im italienischen Markt gibt es bereits eine Gesellschaft, für Spanien und Österreich befindet sich diese in der Gründung. „Für den Händler, der den Marktplatz nutzt, bedeutet das, dass er keine eigene Gesellschaft in einem der anderen Länder zu gründen braucht“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Der Händler könne aber frei entscheiden, auf welchen Märkten er verkaufen möchte.

Gebühren erhebt Buyerzon in Abhängigkeit von der gewählten Versandvariante und der entsprechenden Kategorie – und zwar sowohl eine monatliche Grundgebühr als auch eine prozentuale Gebühr auf den erzielten Nettoverkaufserlös des Marktplatznutzers. Diese fällt geringer aus, wenn der Marktplatznutzer selbst versendet, erklärt ein Unternehmenssprecher. Das genaue Gebührenmodell erfährt der Händler nur auf Anfrage, unsere Frage zu den genauen Konditionen blieben unbeantwortet.

Buyerzon hat sich viel Zeit gelassen

Insgesamt tut sich das dahinter stehende Unternehmen mit dem Start wohl etwas schwer: Bereits für die Kalenderwoche 30/31 des vergangenen Jahres (also für Ende Juli) war der Start der eigentlichen Verkaufstätigkeit in der Wortfilter-Gruppe bei Facebook angekündigt worden und auch eine erste Pressemitteilung des beteiligten Versandpartners DPD ist rund ein Jahr alt. Jetzt nach einem weiteren Jahr, also insgesamt offiziellen viereinhalb Jahren Entwicklung, wirkt die Plattform immer noch recht unfertig.

Wenig zeitgemäßes User Interface und recht beliebige Artikelauswahl. (Screenshot: Buyerzone)

Grundsätzlich fällt auf, dass die Usability der Site, insbesondere in der Mobilvariante, noch stark optimierbar ist und das Design nicht zeitgemäß ist. Auch die Menüs funktionieren insbesondere in der Mobilansicht nicht korrekt und sind in den unterschiedlichen Warengruppen sehr unterschiedlich differenziert. So steht im Food-Bereich eine recht differenzierte Aufteilung zur Verfügung, während bei Freizeit-Artikeln gerade mal ein paar Unterkategorien verfügbar sind.

Keine klare Positionierung am Markt

Hinzu kommt, dass dem Projekt ein wirklicher USP fehlt. Sich alleine als „faire Alternative“ zu präsentieren, reicht hier nicht aus, auch die bislang verfügbaren Warengruppen wirken eher beliebig. Etwas problematisch, da nicht unbedingt eingängig, erscheint auch der Name Buyerzon, auch wenn die damit einhergehenden Anspielungen sicherlich klar sind und das Unternehmen sich sicherlich schwer getan hat, einen noch verwendbaren Namen zu finden. Für die Händler dürfte zudem das nicht vorhandene Branding ein Kritikpunkt sein. Zwar steht bei jeder Ware der Name des Herstellers und man kann auch nach anderen Waren des Herstellers suchen, aber eine prominentere und vor allem mit Logo versehene Nennung des Namens des Händlers wäre schon wünschenswert – wovon sollte der Händler sonst profitieren?

Viele Händler dürften bemängeln, dass selbst auf den Detailseiten nicht der Name des eigentlichen Händlers genannt wird. Das senkt die Werbewirkung des Portals für den Händler. (Screenshot: Buyerzon)

Alles in allem ist ein solches Portal allenfalls ein zusätzlicher interessanter Absatzkanal, wenn die Warenlistings im ERP oder Shopsystem ohnehin vorhanden sind und sich ohne großen Aufwand einpflegen lassen. Doch ob der Marktplatz seine Verbreitung findet, bleibt abzuwarten. Selbst große Player mit einem klaren Profil und USP haben hierfür reichlich Energie aufwenden müssen. Immerhin plant Buyerzon nach den Worten ihres Unternehmenssprechers in den kommenden Monaten eine Vielzahl von Werbemaßnahmen: „Dies reicht zunächst von Werbung in klassischen Printmedien bis hin zu Plakatwerbung in Großstädten. Zudem werden wir unsere Präsenz in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram sukzessive ausbauen.“ Ob das für eine nachhaltige Marktdurchdringung und für ernst zu nehmende Umsätze reicht, ist fraglich.

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2 Reaktionen
Den
Den

Noch ein Nachtrag zu DPD: Im Umkreis von 5 km, die auch nicht auf meinen üblichen weg liegen :-/ gibt es drei Shops. Für Hermes und DHL jeweils mindestens vier.

Den
Den

Der Kunden profitiert von den Vorzügen von DPD?
Die Zustellung von DPD Paketen ist bei uns immer mit Problemen verbunden. Klappt meist erst beim zweiten Versuch.
Damit ist die Platform für mich als Kunde keine Alternative. Wäre schon nicht schlecht gewesen etwas zu haben.

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