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Dropshippping-Guide: So funktioniert der E-Commerce-Trend [Teil 1]

Dropshipping bietet Online-Händlern die Möglichkeit das eigene Sortiment um externe Produkte eines Großhändlers zu erweitern. Diese Produkte werden bei einer eingehenden Bestellung im vom Großhändler direkt an den Kunden versandt. Wir erklären euch in dieser Artikel-Serie, wie Dropshipping funktioniert, was man als Online-Händler beachten muss und geben konkrete Praxistipps.

Dropshippping-Guide: So funktioniert der E-Commerce-Trend [Teil 1]
(Foto: © iStockphoto/tbabasade)

Immer wieder stolpern Online-Händler über den Begriff Dropshipping, ein Trend der in jüngerer Zeit aus den USA herübergeschwappt sein soll, der Handelswelt in Wirklichkeit jedoch schon lange als Streckengeschäft bekannt ist. Ursprünglich sind im Streckengeschäft drei Wirtschaftsunternehmen am Ablauf beteiligt: Hersteller, Großhändler und Wiederverkäufer beziehungsweise Retailer. Bestellungen von Wiederverkäufern gehen bei Großhändlern ein, werden aber vom Hersteller direkt an den Wiederverkäufer ausgeführt. Dieses Prinzip hat sich in den letzten Jahren auch im B2C-Online-Handel etabliert, und ist meist unter den Begriffen Dropshipping, Direktversand oder Fullfilment zu finden. In dieser Artikelserie beleuchten wir das Thema Dropshipping im Detail, beginnend mit einer allgemeinen Einführung.

Was ist Dropshipping?

Im Prinzip geht es beim Dropshipping darum, dass ein Glied in der Lieferkette übersprungen wird. Einfachstes Beispiel: Ein Kunde bestellt ein Schmuckstück in einem , der Online-Händler leitet die Bestellung zur Ausführung an seinen Großhändler weiter. Der Großhändler schließlich führt die Bestellung im Namen des Online-Händlers aus, tritt im Idealfall aber gar nicht in Erscheinung. Dropshipping ist also im Prinzip eine Logistik-Dienstleistung des Großhändlers. Wie weit die Dienstleistung geht, hängt dabei vom Anbieter ab. Die einen behandeln Dropshipping lediglich als innovativen Lieferservice an eine andere Lieferadresse, die anderen bieten einen auf Dropshipping ausgerichteten Geschäftsprozess, der alle Aspekte von der automatisierten Auftragserteilung bis zur Einrichtung eines kundenspezifischen Warenlagers abdeckt.

Dropshipping ist ein Logistik-Service (Foto: © iStockphoto/tbabasade)
Dropshipping ist ein Logistik-Service (Foto: © iStockphoto/tbabasade)

Welchen Regeln folgt das Dropshipping?

Kurz gesagt, folgt das Dropshipping den selben Regeln wie der normale Handelsverkehr zwischen Großhändler und Wiederverkäufer. Der Wiederverkäufer kauft beim Großhändler zu den vereinbarten Konditionen ein, Zahlungsweg und Rabattkonditionen werden dabei ganz normal zwischen den beiden Unternehmen verhandelt. Der Direktversand an den Kunden wird dem Wiederverkäufer berechnet, ebenso der logistische Aufwand für die Bestellabwicklung, der auch gerne als “Pick und Pack“ bezeichnet wird. Der Großhändler hat nichts mit der Kundenbestellung zu tun, er versendet in der Regel lediglich im Auftrag des Wiederverkäufers. Will ein Kunde eine Bestellung zurückabwickeln, muss der Widerruf beim Wiederverkäufer erfolgen. Die Waren wird dann in der Regel an den Händler zurückgesandt, da dieser ja der rechtmäßige Eigentümer der Ware ist. Es ist selten, dass ein Großhändler anbietet die Kunden-Retouren wieder zurückzunehmen und gutzuschreiben.

Vorteile des Dropshipping

Dropshipping wird oft als unkomplizierte Möglichkeit gepriesen, ohne jegliches Kapital und Know-How in den Online-Handel einzusteigen, was mehr als irreführend ist. Die Anforderungen an einen Handelsbetrieb fallen nicht weg, nur weil eine innovative Liefermethode existiert. Die Vorteile dieser Liefermethode liegen jedoch klar auf der Hand:

  • Geringerer Eigenkapitalbedarf, die Kapitalbindung verringert sich.
  • Schneller Aufbau einer nennenswerten Sortimentstiefe oder einer Sortimentserweiterung im Einzelfall
  • Großer Wachstum in einem kleinen Zeitraum möglich
  • Lokale Lagerhaltung im internationalen Geschäft, wenn kein eigenes Lager vor Ort ist.

Nachteile

  • Geringere Marge im Vergleich zum direkten Einkauf und Verkauf.
  • Cross-Selling wird erschwert, unter Umständen sind mehrere Sendungen nötig.
  • Versandkosten sind nur schwer kalkulierbar und lassen sich in der Regel nicht oder nur teilweise an den Kunden weiterreichen.
  • Unkontrollierbare Warenbestände, unsichere Liefersituation für den Endkunden.
  • Kontrollverlust über den letzten und wichtigsten Punkt der Supply-Chain: Der Übergabe zum Kunden. Hier ist man schlichtweg nicht mehr Herr des Versandweges, weder Liefer- noch Packzeiten oder Zustellzeiten sind vom Händler direkt steuerbar.
  • Retouren erzeugen einen zweiten Warenbestand direkt beim Händler.

Dropshipping ist nicht gleich Dropshipping

Es gibt unterschiedliche Formen des Dropshippings, manchmal wird der Begriff auch fälschlicherweise mit dem Kommisionsgeschäft vermengt. Beim Kommisionsgeschäft verkauft der Onlinehändler Ware auf fremde Rechnung. Beliebt bei Multi-Level-Marketing-Systemen bei denen ein vollwertiger Online-Shop zur Verfügung gestellt wird, befüllt mit allerlei Krimskrams. Bestellt der Kunde etwas, dann bestellt er beim Lieferanten und der Online-Händler erhält eine Provision für den Verkauf. Wir wollen uns aber mit dem echten Dropshipping befassen, das vorrangig in zwei Varianten auftritt:

Standard-Fullfilment aus dem Großhandelslager Hier steht dem Online-Händler potentiell das gesamte Portfolio des Großhändlers zur Verfügung, allerdings nur solange der Vorrat reicht. Sind im Online-Shop des Händlers noch Produkte gelistet, die zum Zeitpunkt der Liefererfüllung nicht mehr beim Großhandel auf Lager sind, kann die Bestellung nicht mehr ausgeführt werden. Hier entstehen dem Händler zusätzlich zum Einkaufswert der Ware noch Kosten für den Versand zum Endkunden.

Fullfilment aus dem Konsignationslager Beim Konsignationslager handelt es sich um ein Lager, das speziell für den Kunden im Zentrallager des Großhändlers eingerichtet wird. Traditionell werden Konsignationslager eher in den Räumlichkeiten des Kunden oder zumindest in Kundennähe eingerichtet, beim Dropshipping jedoch in den Räumen des Lieferanten. Vorteil für den Online-Händler ist hier die gesicherte Warenversorgung, da ihm die Lagerbestände exklusiv zur Verfügung stehen. Für diese Form des Streckengeschäfts können jedoch zusätzliche Kosten oder Abnahmeverpflichtungen entstehen.

Dropshipping: Paketverteil-System (Foto: mdornseif / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Fazit: Dropshipping ja, aber nicht als einziges Geschäftsmodell

Das Konzept Dropshipping an sich ist überzeugend, es ist jedoch meiner Meinung nach nur bedingt empfehlenswert, ein vollständiges Geschäftsmodell auf dieser Methode aufzubauen. Man begibt sich zum einen vollständig in die Hand des Großhändlers und zum anderen ist eine steigende Rentabilität nur in begrenztem Maße zu erwarten. Wenn mehrere Lager gepflegt werden, wodurch mehrere unberechenbare Faktoren wie zum Beispiel die Warenverfügbarkeit sowie die verschiedenen Versandkosten aus den verschiedenen Lagern entstehen, wird sowohl die betriebswirtschaftliche Kostenrechnung als auch die Geduld des Kunden unter Umständen arg strapaziert. Wenn sich ein Online-Händler für den Einsatz von Dropshipping entscheiden sollte, dann sind wichtige Punkte die Auswahl des richtigen Großhandelspartners und der passenden Infrastruktur. Beides Themen, die in den kommenden Teilen dieser Artikelserie behandelt werden.

Bildnachweis Titelfoto: (Foto: © iStockphoto/tbabasade)

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5 Antworten
  1. von Christiab am 10.05.2013 (07:46 Uhr)

    Danke für den super Artikel! Gibt es eine Anbieter Liste mit Unternehmen, die Dropshipping anbieten? Danke Christian

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  2. von Jochen G. Fuchs am 10.05.2013 (08:01 Uhr)

    Hallo Christian,

    Vielen Dank für's Lob. Eine Liste zu erstellen wird voraussichtlich schwierig bis unmöglich. Bei welcher Branche fängt man an, wo hört man auf? Vom Rechercheaufwand gar nicht zu reden. ;) Aber ich denke darüber nach, versprochen. Auf jeden Fall wird im nächsten Teil auch das Thema „Wie finde ich den richtigen Großhändler“ behandelt.

    Viele Grüße,
    Jochen

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  3. von Daniel von Deyen am 10.05.2013 (11:28 Uhr)

    Hallo Christian,

    in unserem B2B Marktplatz nur für Dopshipping finden Sie viele verschiedene Dropshipping Anbieter. Unser Angbot wächst stetig. Wir bieten CSV Dateien, SOAP Schnittstelle und sogar ein Hosting und installation eines Onlineshop, sofen Sie noch keinen haben.

    Was den Bericht angeht, kann ich diesen nur zustimmen. Der Bericht ist gut und ehrlich geschrieben. Wenn gewünscht würden wir auch gene einmal unsere Kunden auf diesen Bericht hinweisen.

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  4. von grosshaendler am 28.05.2013 (11:51 Uhr)

    ein gutes Dropshipping System finden Sie unter http://www.dropshipping-webshop.de . Dieser Artikel ist echt super und leicht verständlich.

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  5. von kalle.baumler am 06.08.2013 (14:43 Uhr)

    Dropshipping ist wirklich eine Interessante Sache.
    Man, findet immer mehr Informationen im Internet.

    Da, viele immer wieder Fragen wo es eine Liste von Online-Händlern gibt, schaut euch mal diese Seite an:
    http://www.geld-verdienen-mit-dropshipping.com/

    Ist, man dort angemeldet hat man Zugang zu ca. 250 aktuelle Dropshipping-Adressen.

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