Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Interview

Flightright-Chef: „Die Airlines haben versucht, uns am langen Arm verhungern zu lassen“

Fällt ein Flug aus oder verspätet sich, treibt Flightright üppige Entschädigungen für Passagiere ein. Wie sich die Airlines dagegen wehren und warum nicht jeder Konkurrent des Startups überleben wird, erklärt Geschäftsführer Marek Janetzke im Interview.

t3n.deHerr Janetzke, wann haben Sie eigentlich das letzte Mal eine Entschädigung für einen gestrichenen oder verspäteten Flug eingeklagt? 

Marek Janetzke: Das war vor ein paar Monaten bei KLM. Ich hatte einen Hin- und Rückflug von Berlin nach Amsterdam gebucht, leider kam ich eine Minute zu spät zum Check-in. Selbst schuld, klar. Dann habe ich mir einen Ersatzflug über Easyjet besorgt. Als ich aber später von Amsterdam mit KLM zurückfliegen wollte, haben die mich wieder abgewiesen. Begründung: Da ich den Hinflug nicht angetreten habe, durfte ich auch nicht zurückfliegen. Gesagt hat mir davon keiner was. Auf eigene Kosten musste ich dann einen weiteren Ersatzflug buchen. Die Forderung liegt gerade bei KLM und ich werde sie nötigenfalls auch vor Gericht einklagen.

t3n.deWie stehen Ihre Chancen?

Janetzke: Sehr gut. Rechtlich gesehen ist es ja klassischer Weise eine Nichtbeförderung und da muss die Fluggesellschaft 250 Euro zahlen.

t3n.deMit ihrem Startup „Flightright“, das die Rechte geschädigter Fluggäste gegenüber den Airlines vertritt, haben Sie daraus ein Geschäftsmodell gemacht. 

Janetzke: Ja. Hintergrund ist eine im Jahr 2004 von der EU-Kommission festgesetzte Verordnung, die Verbrauchern die Durchsetzung ihrer Fluggastrechte auf einfache Art und Weise ermöglicht. Die Zahl der gegen ihren Willen nicht beförderten Passagiere war und ist auch heute noch sehr hoch, ebenso wie nicht angekündigte Annullierungen und große Verspätungen. So kam uns die Idee, Fluggästen per Mausklick zu ihrem Recht zu verhelfen.

Das Berliner Startup Flightright verhilft geschädigten Fluggästen zu ihrem Recht. (Foto: Flightright)
Das Berliner Startup Flightright verhilft geschädigten Fluggästen zu ihrem Recht. (Foto: Flightright)

t3n.de: Flugtickets kosten oft nur 50 Euro. Sie hingegen versprechen Entschädigungen von bis zu 600 Euro. Ist das überhaupt noch verhältnismäßig?

„Widerstand der Fluggesellschaften ist für uns nix neues. Das ist quasi unsere DNA. “

Janetzke: Naja, die EU-Regelung wurde im Sinne der Verbraucher nunmal so festgelegt. Abhängig von der Flugstrecke gibt es Beträge zwischen 250, 400 und 600 Euro. Gäbe es diese Regelung nicht, müsste die Höhe der Entschädigung einzeln vor Gericht ermittelt werden. Ungerecht ist nur, dass die Fluggesellschaften diese Ansprüche oft nicht begleichen. Mit dem Ticketpreis hat der Schaden übrigens nichts zu tun. Wenn ich durch eine Verspätung oder Annullierung einen ganzen Urlaubstag oder einen wichtigen Termin verpasse, habe ich andere Probleme. Ich werde sitzen gelassen und muss vielleicht irgendwo in einem Hotel übernachten. Dafür steht Fluggästen eine Entschädigung zu. Wir helfen ihnen dabei.

t3n.deBei Fluggästen kommt Ihr Service gut an. Bei den Fluggesellschaften dagegen weniger.

Janetzke: Widerstand der Fluggesellschaften ist für uns nix neues. Das ist quasi unsere DNA. Was mir aber wichtig ist zu betonen: Wir arbeiten grundsätzlich nicht gegen Fluggesellschaften, sondern für den Verbraucher. Eigentlich müssten wegen Verspätungen oder Annullierungen jährlich knapp vier Milliarden Euro an Fluggäste ausgezahlt werden. Gezahlt wird davon aber nur ein Bruchteil.

t3n.deGeht es etwas genauer?

Janetzke: Wir schätzen, dass über 90 Prozent der dem Verbraucher zustehenden Entschädigungen nicht gezahlt werden. Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) hat vor zwei Jahren ausgerechnet, dass sie 132 Millionen Euro auszahlen mussten – und sich über die hohen Kosten beschwert. Kurios, oder?

t3n.deEinige Airlines versuchen die offenen Forderungen mit teils kreativen Tricks zu umgehen. Was sind denn die beliebtesten Ausreden?

Janetzke: Die klassische Ausrede der Fluggesellschaften ist der „außergewöhnliche Umstand“. Das ist quasi die einzige Lücke in der Verordnung und darum drehen sich letztlich alle Gerichtsverfahren. Da wird dann gerne mit schlechtem Wetter argumentiert oder die Frage geklärt, ob das Catering-Fahrzeug nun versehentlich gegen den Flieger gefahren ist oder nicht.

t3n.deVor Gericht haben Sie sich kürzlich auch einen Schlagabtausch mit der Billig-Fluglinie Ryanair geliefert. Warum?

„Ryanair war ein besonders dreister Fall.“

Janetzke: Ja, Ryanair ist ein besonders dreister Fall. Zuerst haben sie argumentiert, in deutschen Fällen vor deutschen Gerichten sei kein deutsches Recht anwendbar und wir sollten sie gefälligst in Irland verklagen. Das Gericht gab uns aber Recht. Dann hat Ryanair behauptet, die Abtretung der Entschädigungsforderung an uns sei unwirksam. Und auch hier gaben uns die Gerichte Recht. Doch der Gipfel der Dreistigkeit kam erst noch.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden
Alle Jobs
Zur Startseite
Zur Startseite