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Das Internet im 21. Jahrhundert: Was bringt die Zukunft? [Kommentar]

Das Internet im 21. Jahrhundert: Was bringt die Zukunft? [Kommentar]

Das Internet vereinfacht die Koordination von Menschen, aber auch das Abhören. Das aber ist eine Gefahr für die Demokratie. Damit Orwell und Huxley weiterhin Science-Fiction bleiben, müssen wir uns die Technologie aneignen.

Das Internet im 21. Jahrhundert: Was bringt die Zukunft? [Kommentar]

Was bringt die Zukunft? (Foto: Apple)

Jetzt mal unter uns: Science-Fiction-Autoren sind ganz schlecht darin, die Zukunft vorherzusagen. Aber das ist nicht so schlimm. Andere können es auch nicht besser. In allen entscheidenden Punkten ist die Zukunft einfach unglaublich verworren. Hochrechnen lässt sich immer nur das Triviale. Ich kann also nicht vorhersagen, was die Zukunft bringen wird. Aber ich habe bestimmte Hoffnungen und Ängste, die auf ein und derselben Beobachtung beruhen: Computer und Netzwerke erleichtern es uns, in Gruppen zusammenzuarbeiten.

Zugegeben, das klingt trivial, aber effektive Arbeitsteilung ist der älteste Menschheitstraum überhaupt. Als irgendeiner unserer Vorfahren in der Wüste in grauer Vorzeit darauf gekommen ist, haben alle davon profitiert. Einige Affen konnten auf Futtersuche gehen, andere hielten Ausschau nach Feinden, eine dritte Gruppe hütete den Nachwuchs. So kamen alle besser voran. Es setzte natürlich voraus, dass die Affen eine gewisse Zeit damit verbrachten zu kontrollieren, ob ihre Kameraden die jeweilige Aufgabe auch wirklich erfüllten. Man musste ab und zu gegenchecken, ob tatsächlich jemand Ausschau hielt. Und ab und zu musste man vom Ast herunterklettern, um festzustellen, dass wieder mal alle bei den Kindern waren und niemand Früchte sammelte.

Es gab also Streuverluste und nicht alles war effizient, aber das war die Sache wert. Denn wenn wir mit anderen zusammenarbeiten, dann wachsen wir als Menschen (oder als Affen) über uns selbst hinaus. Ich meine das ganz wörtlich. Jeder Einzelne von uns hat seine Grenzen, aber wenn wir mit anderen zusammenarbeiten, können wir sie überwinden.

Computer übertreffen Kreidetafel, Organigramm und Telefon

Prägte nicht nur die US-amerikanische Technologiebranche: Computerpionier und Apple-Gründer Steve Jobs. (Foto: Apple)
Prägte nicht nur die US-amerikanische Technologiebranche: Computerpionier und Apple-Gründer Steve Jobs. (Foto: Apple)

Seit jener Zeit hat sich die Menschheitsgeschichte immer wieder darum gedreht, wie man größere Gruppen koordinieren und zugleich die Kosten dafür senken kann. Wie schafft man das: weniger Zeit in Meetings verbringen, seltener die Arbeit doppelt vergeben und stundenlanges Tauziehen in verschiedene Richtungen verhindern?

Mit Computern und Netzwerken sind wir der Lösung solcher Koordinierungsfragen näher gekommen als mit irgendeiner früheren Technologie. Sie übertreffen mit ihrer Leistungsfähigkeit die Kreidetafel, das Organigramm, das Telefon – eigentlich alles, was mir einfällt, abgesehen von der ersten Koordinierungstechnik überhaupt: der menschlichen Sprache („Du gehst hier lang, ich geh dort lang“). Als junger politischer Aktivist verbrachte ich in den 1980er-Jahren etwa 98 Prozent meiner Zeit damit, Briefumschläge vollzustopfen und Adressen draufzuschreiben. Die übrigen zwei Prozent konnte ich mir Gedanken darüber machen, was in die Umschläge rein sollte.

Heute kostet dieser ganze Koordinationsaufwand faktisch nichts mehr. (Er ist auf das „CC“-Feld im Mailprogramm zusammengeschrumpft.) Er ist so leicht geworden, dass wir ihn überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Technologie, mit der man Leute für gesellschaftlichen Wandel mobilisiert, sich von einem rollenden Baumstamm in einen Turbomotor verwandelt hat, dessen Drehzahl sich so bald nicht wieder verringern wird. Natürlich profitieren nicht nur Aktivisten von dieser Koordinationsmacht. Und nicht alle Aktivisten sind gleich. Schwarze Bürgerrechtler profitieren davon genauso wie der Ku-Klux-Klan.

„Technologien haben sich von einem rollenden Baumstamm in einen Turbomotor verwandelt.“

Aber unter dem Strich sind gesunkene Koordinationskosten gut für uns alle. Hierarchien, bürokratische Strukturen, Sitzungen und Protokoll-Memos sind nichts, worauf die menschliche Gattung besonders stolz sein sollte. Das ist vielmehr der Preis, den wir zahlen müssen, um das, worauf wir stolz sind, zu erreichen. Alles, was unsere Anstrengungen dabei erleichtert, sollte uns willkommen sein. Trotzdem habe ich Ängste. Ich habe Angst, dass jene, die mithilfe von Meetings, Memos und Bürokratien über sich hinausgewachsen sind, sich verstärkt Technologien zulegen, um die zunehmende Konkurrenz neuer Akteure, die mit weniger Plackerei dieselben Erfolge erzielen, im Keim zu ersticken. Klar, wenn man davon lebt, Lösungen für bestimmte Probleme zu finden, sollte man zusehen, dass diese Probleme sich nicht in Luft auflösen, sonst ist man raus aus dem Geschäft.

Deshalb fürchte ich, dass Informationstechnologie von totalitären Regimen, Schlapphüten, Tyrannen und Plutokraten eingesetzt wird, um uns auszuspionieren, um Zwietracht unter uns zu säen, ja im Extremfall, um Menschen gewaltsam zu entführen, zu foltern und zu ermorden. Genau das ist während des arabischen Frühlings geschehen. Angesichts drohender Volksaufstände erkannten die Unterdrückungsstaaten, dass sie nur Facebook- und Gmail-Daten auswerten müssen, um herauszufinden, wer in der Aktivistenszene wen kannte, sodass man zu gegebener Zeit alle verhaften konnte.

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3 Antworten
  1. von Zukunft am 02.01.2015 (14:28 Uhr)

    Die Welt gehört wenigen. Die organisieren es so das es in ihre Taschen fliesst.
    Aufmucken wird bestraft. Oder weshalb wird Weihnachten bzw. Ostern gefeiert ?

    Parteien haben bis heute kaum online-basis-diskussion.
    Konstruktive Diskussions-Systeme ohne flame-wars und ohne Wiederholungen und somit viel weniger Zeitdiebstahl sind bekannt aber ich kenne keinen Ort wo man sowas schikanefrei realisieren kann.

    Dank TTIP gelten US-Patente auf Ideen und Algorithmen dann vielleicht auch hier und werden mit dem Strafrecht verfolgt.

    In Firmen will die "Lehmschicht" (Siehe Google) also das Mittlere Management sich nicht selber wegoptimieren. In Diktaturen sind im Ministerium lange Ketten und somit große Pöstchen-Pyramiden besser weil man dann besser abstreiten und anderen oder (am besten für die Diktatoren) niemandem die Schuld geben kann. Auch kann man in Diktaturen seinesgleichen und Helfershelfer auf Kosten der Gemeinschaft leben lassen um rumzusitzen und nicht zu schwitzen.

    Die US-Firmen haben sich schlank geschrumpft. Leider steht nirgendwo wie das konkret aussieht und wie und ob sich das Verhältnis "Sessel-Arbeitsplätze" zu "effektiver Arbeit wo der Kunde etwas von hat und dafür bezahlt" sich in den letzten 10-20 Jahren verändert hat.
    Es gibt Startups die Cash Burnen, Steuersubventionen wollen und dort sitzen wo die Mieten eh schon hoch sind. Und es gibt Mittelständler die Steuern bezahlen, sparsam wirtschaften und um jede Effizienzsteigerung froh sind. Allerdings sind die Dienstleister oft problematisch und Informatik oft zu teuer.
    Bei Großkonzernen hingegen sieht das anders aus. Erkenntnisfrage: Ist die Gewerkschaft für oder gegen SAP ? Und wieso haben die Oppositions- und Linken Parteien keine supergut funktionierenden Basis-Demokratie-Apps die dann auch von Fußballclubs, Werbe-Studios und früher oder später wegen Optimierungs-Stärke und weil die Kunden und Bürger und Vereins-Mitglieder es erwarten quasi zwangsweise von allen benutzt werden müssen ? Power-Liquid 2.0.

    Auch sollte der Titel sich nur auf die zweite Hälfte des zweiten Jahrzehnts (2015-2019) beziehen weil sich schnell viel ändern kann.
    Vielleicht gibts in 3 Jahren kaum noch Monitore weil VideoBrillen rulen und alles läuft überwachbar in der Cloud. Multics realized. Heute Unix - Morgen Multics.

    Mangels Micro-Bezahlsystemen usw. sind die Einnahmen oft wohl nicht so besonders und die etablierten Vermarkter(=optimierbare Zwischenhändler) können es sich noch (hoffentlich möglichst nicht so) lange recht gut leben lassen. Das kippt aber hoffentlich bald weil auch Print immer weniger wird und auch Rentner auf Digital wechseln weil man am iPad bequem lesen kann.

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  2. von HAL9000 am 07.01.2015 (02:09 Uhr)

    Science-Fiction-Autoren sind sogar sehr gut darin die Zukunft zu visionieren... zumindest wenn man die Guten kennt wie z.B. Philip K. Dick, den Autor dessen Geschichten als Vorlagen für 'Blade Runner', 'Minority Report' oder 'Total Recall' usw. dienten:

    http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3596905788/vsg

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