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Entwicklung & Design

Die Entseelung des Logo-Designs: Wie ein Startup professionelle Markenauftritte für nur 50 Dollar kreieren will

    Die Entseelung des Logo-Designs: Wie ein Startup professionelle Markenauftritte für nur 50 Dollar kreieren will

Tailor Brands automatisiert den Prozess des Logo-Designs. (Quelle: Tailor Brands)

Das Geschäft mit dem Logo-Design ist nicht nur milliardenschwer, es ist auch zum Volkssport geworden. Über populäre Plattformen wie 99Designs oder Fiverr können Unternehmen schnell und günstig von Freiberuflern und Hobby-Designern an ein Logo kommen. Vielleicht brauchen sie bald nicht einmal mehr das. Das Startup Tailor Brands will einen Weg gefunden haben, der professionelle Markenauftritte für wenig Geld vollautomatisch erstellt.

Logo-Design mit Tailor Brands: Klick dir deine Marke

Die Idee, von der Yali Saar in der vergangenen Woche auf der TechCrunch-Disrupt-Konferenz in San Francisco berichtete, klingt so simpel wie verlockend: Erhalte mit nur wenigen Klicks ein Logo für dein Unternehmen. Einzigartig, schön, hip. Oben drauf gibt’s einen Briefkopf und eine Visitenkarte. Und all das vollautomatisch für einen Kampfpreis von „50 Bucks“, also fünfzig US-Dollar.

Das Startup von Saar heißt Tailor Brands, was so etwas wie ein virtueller Schneider für Markenauftritte bedeutet. Nicht weniger als 80 Millionen „Small Businesses“, also primär Freiberufler und kleine, lokale Einzelhändler haben Saar und sein Team damit im Visier. Wie er erklärt, brauchen sie wie jeder Großkonzern ein individuelles Branding für ihren Erfolg. Sie wollen das auch. Nur leisten, so die These der Gründer, könnten sie es sich nicht. Und deshalb möchten sie mit Tailor Brands gleich zwei Probleme lösen: Professionelle, oft hunderttausende Dollar teure Logos auf der einen Seite erschwinglich und aus der Not geborene, qualitativ minderwertige Selfmade-Logos obsolet machen.

Datengetriebener Angriff auf 99Designs, Fiverr und Co.

Es ist dieselbe Kerbe, in die bereits viele Dienste wie zum Beispiel 99Designs, Graphicriver oder das populäre Designer-Portal Fiverr schlagen, über das wir im August einen ausführlichen Artikel veröffentlicht haben. Das Prinzip dahinter ist immer das gleiche: Sage was du brauchst und suche dir das beste Ergebnis zum günstigsten Preis aus. Bei Tailor Brands geht es noch weiter. Durch den hochautomatisierten und auf Basis von Algorithmen beruhenden Gestaltungsprozess müssen – zumindest theoretisch – sogar die von Fiverr angepriesenen, oft spottbilligen Grafikdesigner aus Entwicklungsländern wie Pakistan oder Indien um ihre Kundschaft fürchten.

Tailor Brands automatisiert das Logo-Design: Tausende Algorithmen erstellen ein den eigenen Werten und Unternehmen entsprechendes Logo. (Screenshot: t3n)
Tailor Brands automatisiert das Logo-Design: Tausende Algorithmen erstellen ein den eigenen Werten und Unternehmen entsprechendes Logo. (Screenshot: t3n)

Anfangen tut auf der Webseite von Tailor Brands alles mit einer Eingabemaske, auf der man den Namen seines Unternehmens eingibt. Nach einer Kurzbeschreibung des eigenen Tätigkeitsprofils geht es mit den „Values“, also Werten weiter, die man in einigen wenigen Stichworten niederschreiben soll. Tailor Brands selbst schlägt „A Timeless Brand with powerful features“ als rudimentäres, wenn auch prägnantes Beispiel vor. Nachdem man anschließend noch Angaben zur gewünschten Farbe, dem Gründungsjahr und dem Standort des eigenen Unternehmens gemacht hat, kommt der digitale Maschinenraum von Tailor Brands mit einem Klick auf „Let’s design!“ schließlich auf Touren. Wie „1.000 Designer, die gleichzeitig zusammenarbeiten“ soll der Dienst funktionieren.

Tailor Brands verspricht schöne Ergebnisse. Man spricht von über 350.000 möglichen Design-Möglichkeiten, rund 15.000 berücksichtigte und mit in die Gestaltung des Logos einfließende Design- und Struktur-Kriterien sollen für die nötige Individualität sorgen. So sucht die Webseite auf Basis der vom Nutzer eingegebenen Daten etwa passgenaue Farben und Fonts aus dem Fundus heraus und gleicht diese zusätzlich im Hinblick auf Form und Geschmacksmuster ab. Am Ende steht ein Logo, wie aus einem Trichter gegossen.

Tailor Brands liefert enttäuschende Ergebnisse

Die in unseren Testläufen so erzielten Ergebnisse enttäuschen allerdings. Zwar sind die Geschmäcker per se verschieden, subjektiv und fairerweise befindet sich das Startup mit seinem Dienst auch noch immer in einer als solche ausgewiesenen Testphase. Auf dem Papier aber kommen die vorgeschlagenen Logos wenig virtuos daher, wirken austauschbar und grenzen sich optisch kaum zu Lösungen ab, wie man sie zum Beispiel auch gänzlich kostenlos mit dem Hipster Logo Generator im Netz findet. Zudem liegt es in der Natur des Dienstes, dass das Logo-Design bedingt durch die Algorithmen frei von menschlicher Kreativität vollzogen wird.

Zumindest sichert das Startup zu, seinen Dienst ohne jedweden Einfluss vorgefertigter Templates zur Verfügung zu stellen. Auch sollen bei jedem Durchlauf andere Ergebnisse herauskommen. Das bleibt angesichts der unserem Eindruck nach wiederkehrend ähnlichen Ergebnisse ebenso fraglich wie die Sache mit den Bild- und Nutzungsrechten. Wie Tailor Brands in den Geschäftsbedingungen schreibt, empfiehlt man jedem Nutzer eigenständig eine Due-Dilligence-Prüfung, um potenzielle Marken- oder Urheberrechtsverletzungen zu verhindern.

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10 Reaktionen
Rico Weigand

Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass für eine Corporate Identity Logo, Visitenkarte und Briefpapier lange nicht ausreichen. Es müsste also auch bei Generierung über diesen Generator nochmal ein Profi ran.

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jan
jan

"Anfangen tut auf der Webseite von Tailor Brands alles mit einer Eingabemaske"
- Ich denke die Qualität der automatisch generierten Logos wird in etwa der sprachlichen Qualität dieses Satzes entsprechen.

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Sebastian

Disruption: Manchmal gut, manchmal schlecht. Ist eben eine Frage der Perspektive.

Fakt ist: Manche Kunden können prima mit solchen Logos leben, andere legen Wert auf Individualität und (Brand-)Charakter.

In Zukunft wird es viel mehr solcher Angebote geben und viel mehr Abnehmer. Aber es wird immer einen Markt für hochwertige Kreativität und gutes Handwerk geben. Aber vielleicht keinen Massenmarkt.

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Robert
Robert

Ich hab's auch probiert. Es kam der größte Mist raus. Ein Logo, das sich nicht mal das Büdchen um die Ecke leisten kann. Und alles andere als mein Büro repräsentiert.

Sorgen mach ich mir wegen dieser ganten Logo-Fastfood-Buden eh nicht. Um diese Tailor-leute noch weniger...

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Daniel
Daniel

Leider haben solche Unternehmen soviel Erfolg, dass es reicht eine ganze Branche in den Keller zu ziehen. Es gibt leider unzählige Konsumenten, die Dank ähnlicher Angebote der Meinung sind, ein Logo, eine Website, eine Visitenkarte müssten für einen Appel und ein Ei zu haben sein. So lange es Grafiker/Designer/Illustratoren (etc.) gibt, die das schnelle Geld wittern oder sich nebenbei etwas hinzuverdienen, wird es immer wieder ähnlich "brilliante" StartUp-Unternehmen geben, die ihre Mitbewerber unterbieten. Wer dabei mit macht, ist selbst Schuld...

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Christian
Christian

Frage mich wie sich solche Firmen mit 50 Dollar pro Logo am Leben halten wollen?

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Andreas
Andreas

Solche Angebote machen mir so gar keine Sorgen. Kunden die solche Angebote nutzen sind in der Regel ohnehin schlecht geführt. Eigentlich ganz angenehm denn so trennt sich schon vor der ersten Anfrage die Spreu vom Weizen und ich hab, sofern dieser "Service" denn funktioniert, zukünftig nur noch ernsthafte Anfragen auf dem Tisch liegen.

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Frank

Und dann kommen diese Kunden und wollen das was sie für wenig Geld bekommen haben, von Profis repariert haben, für genau so wenig Geld.

Lese ich bei Wordpress zu oft: Installation und Theme schon vorhanden, nun soll es noch NUR umgestaltet werden...

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Karl
Karl

Wordpress aus dem Portfolio streichen und schon sind diese Anfragen Geschichte ;-)

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Marshell
Marshell

So ein Quatsch, das ist nicht nur bei Wordpress! Die Medienkompetenz zwischen Kunden und Entwickler liegt immer noch viel zu weit auseinander. Selbst manche sogenannte Webdesigner wissen oft nichts mit den einfachen Webgrundlagen anzufangen. Das gleiche scheint nun auch komplett auf die Gestaltung überzugehen. Die Idee ist zudem nicht neu und wird in China schon längst praktiziert. Aber macht ja nichts, geklaute Ideen aufzuplüschen und sie als die eigenen auszugeben ist auch Bestandtei der Branche. Somit bleibt es wie wie gehabt, weniger Inhalt für mehr unverständnis bei qualitativer Arbeit.

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