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Deine Daten gehören dir: Wie ein System namens OpenPDS den Datenschutz revolutionieren könnte

Deine Daten gehören dir: Wie ein System namens OpenPDS den Datenschutz revolutionieren könnte

Wir hinterlassen Daten, die Aufschluss über unser Verhalten geben und wir können nur wenig bis gar nichts dagegen tun – bis jetzt. Wir verraten euch, wie OpenPDS, ein Projekt des MIT, euch die Datenhoheit zurückgibt – beziehungsweise: wie ihr die Datenhoheit gar nicht erst verliert.

Deine Daten gehören dir: Wie ein System namens OpenPDS den Datenschutz revolutionieren könnte

OpenPDS gibt dir die Kontrolle über deine Daten. (Screenshot: t3n)

„You share code; you don’t share data.“

Dank Edward Snowden wissen wir, dass die NSA unser Nutzerverhalten beziehungsweise unsere Daten überwacht, doch diese Organisation ist mit Sicherheit nicht die einzige. Gerade wenn man bedenkt, wie viele Apps verschiedener Entwickler auf eurem Smartphone die Standortinformationen abfragen wollen oder wie Amazon, Facebook, eBay und Co. in der Lage sind, stark personalisierte Werbung zu schalten. Selbst Musikdienste wie iTunes oder Spotify verarbeiten euer Nutzerverhalten, um euch Musikvorschläge machen zu können. Per se ist das noch nichts Schlechtes, es zeigt aber, wo und wie Daten hinterlassen werden. Und natürlich ist die Information, welche unsere Lieblingsband ist, eher trivial – sie zeigt aber, dass selbst triviale Dienste unsere Daten sammeln.

2013 wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigt, wie einfach es ist, aus mehr als einer Million Datensätzen 95 Prozent der Nutzer anhand von vier Richtwerten zu indentifizieren – obwohl die Daten „anonymisiert“ waren.

Wir produzieren also unausweichlich Daten über uns selbst – auch wenn wir es nicht unbedingt wollen oder wissen. Die Frage ist jetzt: Wie können wir diese Daten vor Dritten schützen, wenn wir die Nutzung schon nicht vermeiden können oder wollen?

OpenPDS ist eine Antwort: Personal Data Store

Forscher des MIT wollen mit „Personal Data Stores“ (kurz OpenPDS) eine Lösung für dieses Problem gefunden haben. Der Ansatz sieht vor, dass ihr – also die Benutzer – entscheidet, wo eure generierten Daten gespeichert werden. Völlig egal, ob in einem einzementierten Bleisafe in eurem Keller oder einer verschlüsselten Cloud-Lösung. Auf Anfragen von Apps oder Online-Services agiert der PDS dabei als „Bottleneck“, der nur so viele Informationen freigibt, wie absolut nötig. Denn: Eine Freigabe zu gewähren, damit euer Adressbuch auf euren Standort zugreifen kann, sagt euch nicht, was mit diesen Standort-Daten passieren wird. Es kann aber durchaus sinnvoll sein, dass euer Adressbuch über diese Information verfügt.

OpenPDS greift genau hier ein, indem nur Antworten übermittelt werden und keine ganzen Daten-Sets. Soll heißen: Wenn eine Applikation oder ein Service Daten anfragt, um etwas errechnen zu können, wird der Code zur Berechnung an OpenPDS in eurem Gerät übergeben und die Applikation oder der Service bekommt nur die eine errechnete Antwort zurück – anstatt beispielsweise alle zehn Lieblingssongs bei Spotify, den Wohnort von euch oder euren Freunden oder eure fünf häufigsten Einwählpunkte an die App oder den Service schicken zu müssen.

OpenPDS hat das Prototypen-Stadium verlassen und wird derzeit mit Telekommunikationsanbietern aus Italien und Dänemark getestet.

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9 Antworten
  1. von suriyaakudo am 19.07.2014 (11:16 Uhr)

    Wäre schön!

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  2. von benny am 19.07.2014 (12:45 Uhr)

    Finde ich top

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  3. von manuel am 19.07.2014 (17:43 Uhr)

    Wäre schön, aber ich denke nicht das es PDS schaft.

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  4. von Kampfpudding am 20.07.2014 (08:45 Uhr)

    Zumindest auf dem Smartphone benutze ich die App "AppOps", die nach jeder neu installierten App überwacht werden sollte, um fragwürdige Berechtigungen abzustellen oder nur auf Nachfrage zu erlauben.

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  5. von arturjauk am 20.07.2014 (16:00 Uhr)

    Da würd ich freuen

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  6. von erfisch1 am 21.07.2014 (08:33 Uhr)

    Darüber freue ich mich, dass der Datenklau endlich beendet würde

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  7. von Hermann am 21.07.2014 (11:39 Uhr)

    Das ungefilterte und breitbandige Datenabsaugen geht damit dann wohl nicht mehr. Dumm wäre es wenn sich damit alle braven Smartphonenutzer gemütlich in Sicherheit wiegen und getrost weitermachen wie bisher. das könnte durchaus eins der Hauptziele eines solchen Projekts sein. Geziele Abfragen werden ja dann auch gezielte Antworten erhalten und damit ist man eben nicht fein raus. ("erfinde eine Technologie die dem Datenraub die Spite nimmt damit die Nutzer halt weitermachen wie bisher")

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  8. von SecMyLulz am 21.07.2014 (16:48 Uhr)

    Ok, ich verrate euch mal ein Geheimnis. Nur Vollpfosten glauben das Märchen von der sicheren Datenlagerung mittels eines künstlichen Bottlenecks. Welch ein Unfug. Die Lösung liegt in der Erforschung von Formen der Datennutzung, die ohne persistente Speicherung auskommen. Selbst ein Ian Fleming ist in seiner Agentengroschenromanreihe James Bond auf den Trichter gekommen. So schwierig ist das nicht. Zum Schluß noch ein Milliarden-Dollar-Tipp: Entwickelt Geschäftsmodelle, die sich auf flüchtiges Datenmanagement konzentrieren. Verdammte Noobs.

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  9. von Matthias Griesbach am 21.07.2014 (20:33 Uhr)

    Ich denke auch, dass das Augenwischerei ist. Kein Mensch weiß wirklich, welche Datensätze Unternehmen sich gegenseitig untereinander verkaufen. Man denke nur an den unsäglichen Adresshandel, der sogar von den Einwohnermeldeämtern betrieben wird, wenn man ich explizit widerspricht.

    Wer glaubt, dass da nicht noch weit gravierendere (interessantere) Daten gehandelt werden, ist ein Troll. Man kann mit guten, aktuellen Datenbeständen richtig viel Geld verdienen, und wenn es offiziel nicht sein darf, dann wird es unter der Hand gemacht.

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