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„Drastische Sparmaßnahmen“: Warum das Startup opentabs sich von 2 Gründern getrennt hat

„Drastische Sparmaßnahmen“: Warum das Startup opentabs sich von 2 Gründern getrennt hat

Das Bestell-Startup opentabs trennt sich von den beiden Gründern Dirk Röder und Sebastian Heise. t3n hat nach den Hintergründen gefragt.

„Drastische Sparmaßnahmen“: Warum das Startup opentabs sich von 2 Gründern getrennt hat

(Screenshot: opentabs.de)

Opentabs: High-Tech-Gründerfonds hat drastische Sparmaßnahmen gefordert

(Screenshot: opentabs.de)
Opentabs will vor allem die Systemgastronomie erreichen. (Screenshot: opentabs.de)

Seit 2012 kann mit der App opentabs des gleichnamigen Münchener Startups Fast Food, Slow Food und Kinokarten bestellt und bezahlt werden. Anfang des Jahres konnte das Unternehmen Burger King als Kunden gewinnen – auch hier kann man seitdem bei ausgewählten Filialen mit opentabs bestellen und bezahlen. Ende August aber haben sich zwei der drei Gründer aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. t3n hat nach den Hintergründen gefragt.

t3n: Seit 2009 gibt es opentabs und ihr habt einige namhafte Kunden wie Burger King von eurem Service überzeugen können. Ende August habt Ihr opentabs als Gründer und Geschäftsführer verlassen. Was hat es damit auf sich?

Dirk Röder
Dirk Röder von opentabs. (Foto: opentabs.de)

Dirk: Das Geschäft hat sich leider nicht wie erwartet entwickelt und die Investoren haben die Geduld verloren. Federführend hat der High-Tech-Gründerfonds mit den anderen Investoren drastische Sparmaßnahmen gefordert.

t3n: Teil dieser Sparmaßnahmen war die Entlassung von zwei der drei Gründer?

Sebastian: Richtig. Die Personalkosten haben bei uns den Löwenanteil der Kosten ausgemacht. Da wir aber nach wie vor an die Idee von opentabs glauben, wollten wir uns dem Fortbestand der Firma nicht in den Weg stellen und haben die Verträge aufgelöst. Nico hat nach kurzer Bedenkzeit zugestimmt, das Unternehmen alleine weiterzuführen.

t3n: Warum wurdet genau ihr beide ausgewählt?

„Für mich kam die Entscheidung nicht überraschend.“

Sebastian: Dirks Bereich Marketing und Unternehmensstrategie hat überhaupt nicht zum neuen Konzept der Investoren gepasst. Der Fokus liegt jetzt auf B2B und dem Entwickeln für Großkunden. Da braucht es weder jemanden für das Marketing noch für die Produktweiterentwicklung.

Dirk: Für mich kam die Entscheidung nicht überraschend. Das aber Sebastian auch gehen muss, hat mich dann doch gewundert. Vor allem war er der einzige von uns, der immer die gesetzten Meilensteine der Investoren erfüllt hat.

Namhafte Kunden, aber langsames Wachstum

t3n: Es wird also vor allem auf den Vertrieb gesetzt?

Sebastian Heise
Sebastian Heise  von opentabs. (Foto: opentabs.de)

Sebastian: In erster Linie ist der jetzige Fokus ein reines Vertriebsthema. In den Augen der Investoren ist es somit nur konsequent, den Vertrieb zu halten. Mit Nico und seinem Mitarbeiter haben sie auf jeden Fall motivierte und sehr gute Verkäufer.

Dirk: Schließlich hat das Team um Nico ja namhafte Kunden wie Burger King, Dunkin Donuts oder dean&david geholt.

t3n: Letztes Jahr hat der High-Tech-Gründerfond eine nicht näher bezifferte Summe in opentabs investiert. Was ist seitdem passiert?

Sebastian: Wie schon erwähnt, entfällt auf die Personalkosten der größte Kostenblock. Mit der Kapitalerhöhung waren wir in der Lage, neue Mitarbeiter einzustellen, um die Software weiterzuentwickeln. Wir sind daraufhin in ein größeres Büro an die Theresienwiese gezogen – pünktlich vor dem Oktoberfest 2014.

Dirk: Mit neuen Kunden sind die Bestellungen langsam aber stetig angestiegen. Letztlich waren auf der Plattform über 140 Akzeptanzstellen in vier Ländern: Deutschland mit Schwerpunkt München, Schweiz mit Zürich, Luxemburg und Österreich.

opentabs
Auch Burger King ist Kunde von opentabs.

t3n: 20.000 Nutzer sind nicht so schrecklich viel, warum glaubt ihr, nicht mehr Nutzer generiert haben zu können?

„Der deutsche Markt ist schlicht noch nicht reif für diese Lösung.“

Dirk: Der deutsche Markt ist schlicht noch nicht reif für diese Lösung. Die Akquise hat sich sehr schwierig gestaltet, weil die Branche nicht sehr innovativ und die Digitalisierung absolutes Neuland ist. Gleichzeitig haben die Deutschen ein ambivalentes Sicherheitsbedürfnis. Einerseits teilen sie Privates auf Facebook oder WhatsApp und nutzen Android-Smartphones, andererseits haben sie einen weltweit einmaligen Hang zum Bargeld und geradezu Angst vor Kreditkarten.

Dann haben wir sicher auch Fehler gemacht, wie zum Beispiel das Marktpotential für Essenslieferungen falsch einzuschätzen. Wir haben keinen Markt neben Lieferando gesehen. Nach dem Erfolg von foodora und nicht zuletzt der Nachfrage von unseren Kunden haben wir mit der Konzeption für die Lieferoption im Frühjahr begonnen. Das Marketingbudget hat ein Wachstum von etwa 500 Nutzern im Monat zugelassen, das ist natürlich in jedem Markt zu wenig. Vor allem aber, wenn die Bürger noch Vorbehalte haben.

Sebastian: Die Nutzerquote unserer aktiven Nutzer hat bei guten 2,7 Mal pro Monat gelegen. Die PayPal-App kommt auf 1,7. Hier zeigt sich, dass der Mehrwert, Zeit zu sparen, Menschen überzeugt. Unsere Top 100 kamen sogar auf Werte jenseits der 8.

Markvoraussetzungen für opentabs verbessern sich

t3n: Wie schätzt ihr den Markt generell für solche Apps – nicht nur in Deutschland – ein?

Dirk: Vor allem in den USA feiert Starbucks wahnsinnige Erfolge. Analysten haben nach den Quartalsergebnissen Anfang 2015 gesagt, Schultz habe den heiligen Gral gefunden – und damit war die Gewinnsteigerung um 18 Prozent mehrheitlich durch die Bestell- und Bezahl App gemeint. Seit ungefähr anderthalb Jahren ist mit Tapingo ein Aggregator, wie wir es sind, in Kalifornien unterwegs. Das Startup konnte in zwei Runden 30 Millionen US-Dollar einsammeln. Wir wären froh gewesen, eine Runde über fünf Prozent der Summe zu kriegen.

Sebastian: Hier in Neuseeland ist YQ erfolgreich – oder „beat the Q“ in Australien. Jede internationale Fast-Food-Kette hat in den USA schon entsprechende Apps am Start und McDonald's lässt in Frankreich und Österreich mobil bestellen und bezahlen. Es ist somit quasi garantiert, dass auch die Deutschen in wenigen Monaten völlig selbstverständlich ihr Essen vorbestellen. Vapiano plant seit über anderthalb Jahre eine entsprechende App, ebenso McDonald's Deutschland.

Nico hat jetzt die Chance, unsere Idee zum Erfolg zu führen, denn die Marktvoraussetzungen verbessern sich hier ständig. Wir drücken ihm die Daumen.

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2 Antworten
  1. von Warteschlangen-Management am 27.11.2015 (17:25 Uhr)

    Mieten in München sind also kein großer Kostenfaktor ?
    Die guten Startups von denen man hier fast nichts hört weil sie kein Geld brauchen weil sie Gewinne machen sind meist dort wo es billig ist und man pro Euro maximale Grundstücksmenge kriegt. Wo es nur eine Ampel pro Dorf gibt und man mit 60-100 km/h 50-80 Kilometer praktisch durchfahren kann während in Großstädten der Durchschnittsspeed viel kleiner und Wartezeiten viel viel größer sind... Und wo jeder Kunde und Firma ein paar Parkplätze vor der Tür haben. Schon das spart im Gegensatz zur Großstadt pro Fahrt 5-10 Minuten für Parkplatz-Suche ein.

    Aber schöner Artikel mit den wahren Hintergründen über das Verhältnis Gründer zu Investoren... Von einem Aki-Aka/Steganos-Gründer gibts auch ein TV-Interview bzgl. Investoren-Einflussnahme welches vermutlich online abrufbar sein dürfte.

    Interessant als Zielgruppe wären repetitive Bezahlungen. Beispielsweise Parkhäuser. Schon peinlich für manche Diplom-Informatiker und zigtausende Boni-Manager wenn Starbucks mit purer Software-User-Interface-Design besser sind als die meisten anderen Firmen die ihre wiederkehrenden Kunden nicht mit guten Apps schneller organisiert bekommen und Starbucks den ganzen Ruhm und Ehre einheimst. Wenn die App nichts taugt ruft der Kunde per Telefon an. Dafür braucht man locker einen zusätzlichen Mitarbeiter pro Filiale oder SOHO/KMU-Verwaltung. Und wie wir grade lesen konnten sind Personalkosten der Löwenanteil also das was die Firma oft genug zu Fall (=Insolvenz, Arbeitslosigkeit, ...) bringt.

    Du willst was, du kriegst was, du bezahlst was. Sowas wurde schon vor Jahrzehnten für alle Warteschlangen gefordert. Schaut die Dokus über das Ausländer-Amt (Meldebescheinigungen) oder schaut wenn ihr in der Nähe seit bei den Arbeitsämtern und natürlich KFZ-Stelle die Warteschlangen. Starbucks würde das doppelt so schnell machen. Aber manche korrupten Wareschlangen-Dikaturen kriegen ihre Studenten nicht mal angemeldet...
    Bei diesen Apps sind keine krassen Algorithmen dahinter. Es ist einfach nur wer was wann wo will und bekommt. Bill Gates hat die Führerscheinstelle im M$-Headquarter bis heute verutlich nicht digital verbessert. Google auch nicht. Ist denen wohl egal das tausende Mitarbeiter jährlich dort tausende "Mann-Jahre" an Arbeitszeit/Lebenszeit nutzlos durchs herum-warten verlieren. Als Google-Free-Time-Projekt scheint es auch irrelevant zu sein. Die Googles wollten auch damals lieber fest-bezahlung statt Leistungs-Prämien. Dank ABC ändert sich das hoffentlich und ohne Leistung wird man abverkauft...

    Warteschlangen und standartisierbare Protokolle/"Prozesse" sind überall. Die App behandelt ja anscheinend genau dieses Problem.

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  2. von Thomas am 29.11.2015 (00:23 Uhr)

    Spannendes Konzept! Das Verhalten des High-Tech Gründerfonds passt ins Bild http://www.gruenderszene.de/allgemein/erfolg-htgf

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