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Analyse

So funktionieren die Methoden von Social Bots und Fake-Accounts

    So funktionieren die Methoden von Social Bots und Fake-Accounts

(Screenshot: Pinterest)

Worüber reden wir eigentlich bei betrügerischem Influencer Marketing oder Meinungsmanipulation in den sozialen Netzwerken? Welche Tools gibt es? Und wie lassen sich Fake-Accounts identifizieren?

Soziale Netzwerke geraten aktuell vermehrt in die Schusslinie. Für politische Ergebnisse und Stimmungsmache werden sie verantwortlich gemacht. Aber auch für die zweifelhafte Marketingrolle selbst vermeintlicher Influencer. Die Netzwerke erscheinen als ein neues „Dallas“ voller Manipulation, Schein und Betrug. Die Frage ist nur: Worüber reden wir hier eigentlich? Und wie bekommt man den Realitätscheck hin?

Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass zahlreiche Bots in sozialen Netzwerken aktiv sind. Vor allem der Twitter-Account eines passionierten Golfers und nebenberuflichen US-Präsidenten steht dabei im Mittelpunkt des Interesses, dessen Follower ersten Analysen zufolge zu über 50 Prozent aus Bots bestehen sollen. Längst wird über die politische Reichweite der Bot-Gefahr diskutiert, und sicherlich gibt es irgendwann ein unwirksames Gesetz gegen den Einsatz.

Dabei braucht man für die Manipulation in den sozialen Netzwerken gar nicht so sehr auf die großen Accounts schauen. Schon gar nicht muss mit riesigen Botnetzen um sich geworfen werden. Die Manipulation von Likes, Followern und Kommentaren durch Boost-Tools ist in den sozialen Netzwerken längst Alltag.

Der Nutzen von Boost-Tools in sozialen Netzwerken

Dabei sind die erhältlichen Tools nicht grundsätzlich böse. Die Tools werden erst zur unsauberen Waffe, wenn sie auch als solche genutzt werden. Das Stichwort ist Skalierung. An anderer Stelle können sie als effektive Methode einer passgenauen Zielgruppenansprache und Sichtbarkeitsstrategie durchaus sinnvoll sein.

Anschubfinanzierung

Gefolgt wird, wem andere bereits folgen. Sichtbar werden Posts, die längst beliebt sind. Und natürlich schaue ich mir einen Post näher an, wenn dieser bereits eine hohe Anzahl an Interaktionen aufweist.

Wer heute in den sozialen Medien startet – ob als Privatperson, Gründer oder Unternehmen – hat den schwarzen Peter gezogen. Die Nischen sind besetzt, die Influenceraccounts unerreichbar, das Grundrauschen ohrenbetäubend. Man leidet unter dem Makel des Zweitgeborenen.

Doch mit etwas Nachhilfe können sich auch komplette Newcomer im kreischenden Rauschen der sozialen Medien Gehör verschaffen. Es ist eine Art Anschubfinanzierung – die natürlich nur dann nachhaltig wirkt, wenn die Inhalte punktgenau auf die Zielgruppen ausgerichtet sind. Sie kann dann etwas Bewegung in die eigene Positionierung bringen und dafür sorgen, die eigenen Posts in die überfüllten Timelines und Empfehlungen der anvisierten Zielgruppe zu drücken. Das bedarf noch immer einer Content-Strategie und erheblichem Fingerspitzengefühl. Sonst kann sich der eigene Account ganz schnell in den Universen der Social Media verlieren.

Meinungsbildung

Das Hinkebein der Tools ist die ungeheure Skalierbarkeit. Was im Kleinen die eigene Positionierung in Gang setzen kann, bewirkt im Großen schnell ein Besetzen ganzer News-Felder. Im härtesten Fall kann damit eine ganze Debatte gelenkt werden – kurz: populistische Meinungsmache betrieben werden.

Wenn der Post eines mittelgroßen deutschen Politikers binnen einer halben Stunde 4.000 Mal geteilt wird, nimmt ihn ein soziales Netzwerk wie Facebook als relevant wahr und spielt ihn weiter aus. Der Effekt wird verstärkt, wenn der Post mit hoher Interaktionsrate nachfolgend zusätzlich beworben wird. Dabei ist unerheblich, ob die Interaktion echt oder fake ist.

Es ist die Grundannahme in den Algorithmen der Netzwerke, dass Posts mit hoher Interaktion relevant sind. Nachfrage schafft Nachfrage. Damit wird jede Timeline und die in die Suchmaschinen sickernde Sichtbarkeit manipulierbar. Resonanz bedeutet in sozialen Netzwerken eben Relevanz.

Auch beim Fall des deutschen Politikers könnte im ersten Moment ganz kühl von einer Anschubfinanzierung gesprochen werden. Am Ende bleibt es ein moralisches Dilemma, ob der Zweck die Mittel heiligt. Ist ein aufklärender Post legitimer als ein selbstbeweihräuchernder, werblicher oder gar hetzerischer Post? Welche Ethikkommission entscheidet das? Und wo beginnt der Betrug am Wähler oder den unternehmerischen Auftraggebern?

Bisher kommen Bots über einfachste Sätze und Emojis nicht hinweg. In der Twitter-Timeline fällt das jedoch selten auf. (Screenshot: Twitter)

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Eine Reaktion
arnego2

Klasse Artikel, hoffentlich lesen ihn auch viele und lernen dadurch sich nicht so einfach über den Tisch ziehen zu lassen (sich beeindrucken lassen). Darin liegt der Kernpunkt, der User ist im allgemeinen nicht sehr aufgeklärt.

Ein Vortrag in den Schulen, schickt den Artikel an die Lehrer, die dann auch den Eltern etwas erzählen können. Aufklärung tut not.

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