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Keine Arschlöcher! Ein Leitfaden für den Aufbau eines glücklichen, gesunden und kreativen Teams

Keine Arschlöcher! Ein Leitfaden für den Aufbau eines glücklichen, gesunden und kreativen Teams

In der Design-Community hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es nur einen einzelnen Visionär braucht, um tolle Produkte zu schaffen. Das ist Unsinn.

Keine Arschlöcher! Ein Leitfaden für den Aufbau eines glücklichen, gesunden und kreativen Teams

(Foto: Julian Bleecker)

Einleitung

Tolle Teams schaffen tolle Produkte, meiner Erfahrung nach priorisieren und fördern die besten Teams sogar eine gesunde und positive interne Kultur, weil sie wissen, dass das entscheidend für den eigentlichen Gestaltungsprozess ist.

„Einfache Anpassungs-Fähigkeit ist nicht genug. Für mich hat sich gezeigt, dass das Wertschätzen von Lachen, Empathie, gemeinsamer Verantwortung und ein ausgeprägter Mangel an Ego viel wichtiger sind.“

In zwanzig Jahren Führung von Design-Studios und Teams, von einer spezialisierten Beratungsfirma bis hin zu einigen globalen Unternehmen, habe ich mich ausführlich mit den Unterschieden zwischen einem erfolgreichen und einem lediglich effektiven Studio beschäftigt. Was unweigerlich über den Erfolg eines Studios entscheidet, hängt davon ab, ob es in der Lage ist, Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln und zugleich kreativ zu arbeiten. Dennoch ist einfache Anpassungsfähigkeit nicht genug. In einer sich ständig verändernden hyper-konkurrierenden Umgebung hat es sich für mich gezeigt, dass das Wertschätzen von Lachen, Empathie, gemeinsamer Verantwortung und ein ausgeprägter Mangel an Ego viel wichtiger sind.

Mein Gradmesser für Erfolg – neben großartigen Produkten – war es, Studios und eine Studio-Kultur aufzubauen, bei denen die kreative Kompetenz des Gesamt-Teams greifbar ist, bei dem die Designer gern zur Arbeit gehen und Besucher bemerken, wie positiv und kreativ es zugeht.

Im Folgenden versuche ich, einen Leitfaden zu erstellen für die (oft übersehenen, eher humanistisch orientierten) Verhaltensweisen, die ein Studio glücklich, funktionierend und zukunftsfähig machen. Ich glaube daran, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen dem, wie sich das Studio fühlt, wie wir Designer miteinander umgehen, und der innovativen Wirkung eines Teams. Die Eigenschaften eines effektiven Studios zu benennen, wird hoffentlich jeden im Team zu einem bewussteren Mitwirkenden machen. Natürlich variieren diese Eigenschaften zu gewissen Teilen und sollten nicht als konkrete Regeln betrachtet werden. Eher noch fungieren diese Eigenschaften als Richtlinie zur Schaffung eines durchwegs positiven und im Ergebnis stetig kreativeren Arbeitsplatz.

Sag Guten Morgen und Gute Nacht

(Foto: Julian Bleecker)
(Foto: Julian Bleecker)

Ich weiß, das klingt komisch, aber es ist eine Sache der Höflichkeit, dass du, wenn du einen Raum betrittst, „Hallo“ sagst und und wenn du gehst „Tschüss“. Es ist gar nicht so kompliziert. Aber diese übliche Sitte ist so wichtig und spielt eine funktionale Rolle im Studio.

Weil Design-Arbeit von Natur aus gemeinschaftlich ist, braucht es dazu ein paar Arten von Ansagen, die erklären „Hier bin ich. Ich arbeite jetzt mit.“ Als jemand, der ein Team leitet und ihm zuhört, nutze ich die Art in der jemand „Guten Morgen“ sagt, oft als ein Barometer für seine Laune. Es verrät mir, wie sie sich fühlen, ohne dass ich nachfragen muss.

„Ein ‚Gute Nacht‘ beim Gehen zu sagen, bringt unterschwellig einen familiären Spirit in das Studio.“

Genauso wichtig ist es, dass wir den Tag mit „Gute Nacht, ich gehe jetzt“ beenden. Praktisch gesagt ist es einfach gut zu wissen, wenn jemand nach Hause geht, weil man nicht weiß ... ob er am nächsten Morgen wiederkommt. Aber im Ernst, „Gute Nacht“ ist etwas, was wir zu unseren Kindern sagen, unseren Lebenspartnern und unseren Eltern. Ein „Gute Nacht“ beim Gehen zu sagen, bringt unterschwellig einen ähnlich familiären Spirit in das Studio.

Ich denke auch, dass es wichtig ist, vor Businessreisen Hände zu schütteln. Ich weiß, das klingt verrückt, aber das ist eine kraftvolle und zugleich intime Geste. Leute, die auf solche Reisen gehen, übernehmen oft die Arbeit, die das gesamte Team repräsentiert, es ist eine Chance, einander in die Augen zu sehen und zu sagen „Gute Reise, ich hoffe, alles läuft gut“.

Und wenn sie wiederkommen, ist das ein Anlass zum Feiern. Wir sind ein Team, wenn also Leute vom Team weg sind, fehlen sie. Und wenn sie wiederkommen, ist das gemeinsame Team wieder hergestellt. Das ist gut. Lasst es uns feiern.

Obwohl das trivial wirken mag, verbessert der Akt des Beachtens (und sogar des Förderns) dieser subtilen kulturellen Rituale die Funktionalität des Studios, weil es das persönlicher macht.

Sei optimistisch, hab keine Angst vorm Scheitern und lache mehr

(Foto: Nicole Ryan)
(Foto: Nicole Ryan)

„Die Rolle von Lachen in einem effektiven Studio kann gar nicht genug betont werden.“

Designer wissen, dass gutes konstante Wiederholung benötigt. Wiederholung heißt Scheitern und wiederholtes Scheitern. Die Herausforderung ist dabei „Wie gehst du mit wiederholtem Scheitern während des Design-Prozesses um?“. Design, durch eine humanistische Brille gesehen, sieht Optimismus als bewusste Entscheidung und Kreativität als einen optimistischen Akt an.

Darum ist konstanter Optimismus eine Schlüsselzutat für Wiederholung. Er fördert das Festhalten und die Beharrlichkeit, die notwendig ist, um den kreativen Prozess am Leben zu erhalten, vor allem in schwierigen Zeiten. Die Schwierigkeit beim Einführen von Neuerungen innerhalb von großen Unternehmen zeigt sich zum Beispiel in einer Arbeitsumgebung, in der Leute oft „Nein“ oder „Ich verstehe nicht“ sagen, weil Veränderungen in der Unternehmenskultur oft unbequem und langsam sind. Im Ergebnis muss man sich Negativität stellen und dagegenhalten – nicht nur in Brainstorming-Sitzungen oder während eines Vorschlags – sondern täglich.

Die Rolle von Lachen in einem effektiven Studio kann gar nicht genug betont werden. Ein Lachen kann äußerlich oder innerlich sein: Wie man die Rolle des Lachens innerhalb des Studios definiert, bestimmt das Studio selbst. Wenn wir nicht über oder mit ihm lachen können, können wir nicht funktionieren.

Lachen entschärft einen Konflikt, wenn ein Moment zu ernst wird.

Lachen ist ansteckend und schweißt ein Team enger zusammen.

Lachen ist ein Schlachtruf („Lachen trotz aller Widrigkeiten“), vor allem wenn „das Business“ das Team darum bittet, „mehr mit weniger zu schaffen.“

Lachen macht kreativ.

Lachen ist eine ernste Sache.

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3 Antworten
  1. von rappel am 26.05.2015 (10:17 Uhr)

    Gute Nacht beim Rausegehen ... das sagt schon viel über die Agentur. Bei uns sagt man Tschüss oder Ciao, aber man geht zu "christlichen Uhrzeiten".

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  2. von Jürgen Schulze am 26.05.2015 (10:32 Uhr)

    Wenn ich die Eierköppe auf dem Hach-Wie-Lustig-Wir-Sitzen-Auf-Ner-Plastik-Wiese-Foto sehe.... bah!

    Antworten Teilen
  3. von Esteban am 26.05.2015 (11:28 Uhr)

    Ich fand den Artikel ziemlich gut. Erfahrungsberichte > Theorie.
    Es handelt sich hier natürlich um ein sehr komplexes Thema und im Artikel wurden nur einige kleine Aspekte beleuchtet - klar. Mit jedem Team funktionieren andere Kulturen besser oder schlechter, das muss man austesten. Aber zur Motivation und Inspiration waren hier viele gute Tipps dabei denke ich. Danke dafür.

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