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Kolumne

Technologiesprünge: Wieso die Fintech-Nutzung in reichen Ländern hinterherhinkt

    Technologiesprünge: Wieso die Fintech-Nutzung in reichen Ländern hinterherhinkt

(Foto: Aris Suwanmalee / Shutterstock)

In Schwellenländern ist die Bereitschaft zur Nutzung von Fintech-Diensten größer als in entwickelten Nationen. Martin Weigert analysiert in seiner Kolumne Weigerts Word, was dahintersteckt.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft EY attestiert China und Indien die höchste Nutzung von Fintech-Diensten unter insgesamt 20 untersuchten Ländern. 69 beziehungsweise 52 Prozent der Online-Anwender haben demnach innerhalb der vergangenen sechs Monate mindestens zwei Fintech-Services verwendet. In Deutschland sagen das nur 35 Prozent von sich – immerhin zwei Prozent mehr als in den USA und fünf Prozent mehr als in der Schweiz, aber weniger als in Mexiko und Brasilien. Generell schlagen sich in dem Ranking die Schwellenländer deutlich besser als die wirtschaftlich entwickelten Nationen.

„Altmodische Banken und Kreditkarten-Anbieter“

Der Tenor der EY-Studie wurde vor einigen Tagen vom Schweizer Uhrenhersteller Swatch bestätigt. Das Unternehmen präsentierte gerade die zweite Generation seiner Uhr mit kontaktloser Zahlungsfunktion. Anders als die Vorgänger-Lösung wird „Swatch Pay“ aber in der Schweiz gar nicht erst angeboten. Stattdessen fokussiert sich die Traditionsfirma mit dem neuen Produkt erst einmal komplett auf China. Swatch begründet die Entscheidung, den Service nicht in Europa anzubieten, mit „altmodischen Banken und Kreditkarten-Anbietern“ bei uns, so die Schweizer Handelszeitung.

Das Beispiel der hinterherhinkenden Nutzung von Fintech-Diensten in den reichsten Nationen der Erde repräsentiert ein wiederkehrendes Phänomen, bei dem langjährige Innovationsführer plötzlich von anderen, bislang wirtschaftlich und in Sachen Infrastruktur weitaus schwächeren Ländern durch technologische Sprünge überholt werden. Die Dynamik erinnert an Clayton Christensens berühmtes „Innovators Dilemma“. Nur stehen hier nicht einzelne, durch Erfolg träge gewordene Unternehmen im Fokus, sondern makroökonomische und gesamtgesellschaftliche Tendenzen.

Die offensichtlich höhere Bereitschaft von Menschen in Schwellenländern, Fintech-Services auszuprobieren, hängt eng mit der besonderen Bedeutung des mobilen Internets dort zusammen. Während die meisten Bürger in den wohlhabenden Ländern ihre ersten Gehversuche im Digitalen mittels PC und Festnetzinternet unternahmen, ist für Hunderte Millionen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern das Smartphone das selbstverständliche – und häufig ihr erstes eigenes – Werkzeug, um ins Netz zu gehen. Unternehmen in diesen Märkten reagierten früh, indem sie ihre Dienste primär oder ausschließlich für Smartphones entwickelten. So entstand eine sich selbst verstärkende Dynamik, die zu einer breiten Akzeptanz des Smartphones als Universal-Tool für jedes Alltagsproblem führte. Dazu gehören eben auch Finanzgeschäfte. Und da viele Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländer kein Bankkonto besitzen, fehlen häufig die bei uns ausgeprägten Wechselbarrieren. Für Newcomer im Fintech-Bereich sind dies paradiesische Verhältnisse.

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5 Reaktionen
Julia Nikolaeva
Julia Nikolaeva

Na das war doch endlich mal ein schöner Artikel, der die Lage gut analysiert und sogar einen Schimmer Hoffnung mit einfließen lässt.

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Martin Weigert
Martin Weigert

Danke danke :)

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Miingno

Schon lange würde ich z.B. gerne mit dem Smartphone an der Kasse zahlen. Doch leider sind die Banken hier sowas von im Hintertreffen, dass es wohl noch sehr lange dauern könnte bis endlich eine vernünftige Lösung eingeführt wird.
Hauptproblem welches ich bemerkt habe ist, dass Banken und Zahlungsanbieter hier einfach zu viel vom Kuchen haben wollen. Schon seit Jahren haben alle großen Einkaufshäuser hier Zahlungsterminals welche mit NFC und allem anderen Goodies ausgerüstet sind. Doch die Banken wollen alle ihre eigene App, ihre eigene Zahlungsplattform aufbauen und nicht auf bestehende wie Android Pay oder Apple Pay aufsteigen, da sie Angst haben, zu viel Gewinn abgeben zu müssen.
Die Bereitschaft, vor allem in der jüngeren Generation, solche neue Dienste zu benutzen finde ich ist vorhanden. Da diese aber nicht über "das große Geld" verfügen sind die Banken abgeneigt hier viel Zeit und Kapital zu investieren.

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dennis
dennis

Ganz einfach: Wer nichts zu verlieren hat, geht Risiken ein. Es gibt, besonders in Deutschland nicht die Offenheit eine derartige Schnittstelle zu benutzen. Man schaue einfach mal auf die Statistiken der Karten-Nutzung. Bis heute ist Bargeld das, was bevorzugt wird. Fintechs sind einfach unsicher und das will niemand eingehen. Die junge Generation hat nichts zu verlieren, weshalb sie das auch eingehen würde. Etablierte Mitmenschen sehen das (zurecht) eher kritisch.

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Lars
Lars

Ein "mobile Device" ist kein sicheres Kommunikations-, und erst recht kein sicheres Zahlungsmittel. Abgesehen davon bietet es keine Anonymität. In der Schweiz kann ich zu meinem Konto Nummernkreditkarten bekommen, die eine Auswertung von Zahlungsströmen durch Datensauger halbwegs verhindern.

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