Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 43

Outsourcing für Startups: So funktioniert Gründen mit Komponenten

    Outsourcing für Startups: So funktioniert Gründen mit Komponenten

Foto: Double Gajus / iStock

Immer mehr Startups und Solopreneure entdecken das Gründen mit Komponenten: Sie bauen ihr Business aus Outsourcing-Bausteinen auf und binden externe Dienstleister systematisch in ihre Unternehmensarchitektur ein. Statt schwerfällige Apparate verwalten zu müssen, können sie so flexibler agieren.

Spätestens seit der Entrepreneurship-Professor Günter Faltin in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ die netzwerkartige Unternehmensgründung mit Komponenten empfiehlt, ist das Thema für viele Startups präsent: „Aus vorhandenen Komponenten gründen, statt alles selbst aufzubauen“, bringt Faltin diesen Ansatz auf den Punkt. Gründer können dabei zum Beispiel mehrere externe, spezialisierte Unternehmen per Cloud-Software miteinander vernetzen. Der Solopreneur oder das Gründerteam werden dadurch in die Lage versetzt, sich auf ihre Kernbereiche zu konzentrieren.

Faltin hat dieses Konzept nicht im Elfenbeinturm entwickelt, sondern selbst praktiziert. Vor rund 30 Jahren gründete er die Teekampagne. Die Idee: Darjeeling-Tee per Direktimport beziehen und in großen Packungen mit kleinen Preisen an Endverbraucher versenden. Die Teekampagne hat weder eine eigene Logistik noch ein Auftrags-Management. Diese sind an Partner ausgelagert. Faltin wurde so zum weltgrößter Darjeeling-Tee-Importeur.

Das Komponenten-Startup

Ähnlich hat es sein ehemaliger Mitarbeiter Rafael Kugel gemacht. Für sein Startup RatioDrink hat er sich einen schwer zugänglichen Markt ausgesucht: Die Saftbranche. Nicht allein, dass etablierte Marken sowie die Handelsmarken den Markt dominieren. Kugel hatte zum Start außer seiner Geschäftsidee keine Infrastruktur.

Dennoch gelang es ihm, in wenigen Jahren ein Unternehmen in einer Marktnische als feste Größe aufzubauen. Sein Produkt: Saftkonzentrat in Vorratspackungen. Das Besondere: RatioDrink hat weder Produktionsstätten noch Logistik – das erledigen externe Dienstleister. Ein Hersteller liefert das Saftkonzentrat zu einem Abfüllbetrieb, der es in Bag-in-Box-Verpackungen abfüllt. Von dort gehen die Boxen über einen Versanddienst an die Kunden.

Aufträge der Kunden bearbeitet RatioDrink auch nicht selbst – er leitet diese automatisiert an einen Bürodienstleister, der sie in ein Warenwirtschaftssystem eingibt. Für jeden Bereich des Workflows hat Kugel also die Leistungen professioneller Partner zu einem Gesamtkonstrukt zusammengefügt. Er selbst hat so den Rücken frei für's Marketing und erweitert nach und nach sein Produktsortiment um neue Getränkesorten.

Die Komponenten-Gründung basiert letztlich auf einem uralten ökonomischen Prinzip: der Arbeitsteilung. Das Outsourcing einzelner Unternehmensfunktionen war allerdings lange Zeit eine Domäne größerer Unternehmen. Gründer und Selbstständige fühlen sich dagegen oft verpflichtet, alle Leistungen selbst zu erbringen. Doch damit bremsen sie sich selbst aus. Günter Faltins Bestseller dürfte hier für ein Umdenken gesorgt haben. Auch das wachsende Ökosystem aus Dienstleistern, die ihr Angebot auf die Bedürfnisse kleiner Unternehmen ausrichten, macht die Komponenten-Gründung leichter und interessanter.

Flexible Bausteine

Das Outsourcing hat Vorteile: Startups und Solopreneure können sich in kurzer Zeit neue Leistungen aneignen. Das macht sie extrem flexibel, was gerade in der Anfangszeit – in der die Position eines Unternehmens im Markt keineswegs gefestigt ist – von Bedeutung ist. Für Tim Chimoy – der mit seinem Solo-Startup Tuscheteam einen CAD-Service für Architekten anbietet und als Digitialnomade kein festes Büro hat – ist es ein klarer Vorteil, dass er „Komponenten auch wieder abstoßen“ kann. Niemand könne schließlich mit Gewissheit sagen, ob das im Business-Plan skizzierte Bild aus Leistungen, Zielgruppe und personellen Kapazitäten auch tatsächlich so hinhaue. Nicht selten müssen Gründer nach den ersten Erfahrungen im Markt ihren Kurs anpassen. Dabei können selbst aufgebaute Kapazitäten schnell zum (finanziellen) Ballast werden.

Der Digitalnomade Tim Chimoy schätzt an der Komponenten-Gründung vor allem die Flexibilität und die Freiheit: Er ist auf keinen festen Standort oder ein festes Büro angewiesen.
Der Digitalnomade Tim Chimoy schätzt an der Komponenten-Gründung vor allem die Flexibilität und die Freiheit: Er ist auf keinen festen Standort oder ein festes Büro angewiesen.

Durch die Komponenten-Gründung können Startups und Solopreneure zudem gut auch Schwankungen in der Auslastung ausgleichen. Zieht beispielsweise im Weihnachtsgeschäft die Auftragslage stark an, würden kleine Teams schnell an ihre Grenzen kommen, während größere Partner das problemlos abfedern.

Günstiger und schneller

Vor allem, wenn Startups per Bootstrapping – also ohne externes Kapital – durchstarten wollen, kommt ihnen der Ansatz entgegen: Investitionen in Personalaufbau, Maschinen oder andere kostspielige Bereiche fallen weitgehend weg, da sich die Outsourcing-Partner meist nutzungs- oder mengenabhängig bezahlen lassen.

Auch Schnelligkeit ist ein Trumpf der Komponenten-Denkweise: Startups können mit minimalem Personal in kurzer Zeit zu komplexen und leistungsstarken Unternehmen werden. Das sollten Gründer bei Komponenten von Anfang an berücksichtigen. Chimoy hatte etwa schon zum Start den Telefonservice ebuero als feste Komponente integriert und über die Freelancer-Börse Elance erste Freiberufler beauftragt.

Auch RatioDrink-Gründer Rafael Kugel setzte von Anfang an auf Komponenten: „Nach der Entwicklung der ersten Idee habe ich die Prototypen unserer Produkte bereits bei einem Dienstleister als erste Komponente produzieren lassen“, erklärt er. „Nach einem ersten Markttest habe ich mir mit einem Abfüller und Verpackungshersteller weitere Komponenten gesucht“. Weiter ging es bei RatioDrink mit Komponenten für die Lagerung, Konfektionierung und Bestellabwicklung.

Links und Literatur

  1. Kopf schlägt Kapital
  2. Tuscheteam
  3. Make my Podcast
  4. Liste mit Freelancer-Portalen

Finde einen Job, den du liebst

3 Reaktionen
Sommerfeld
Sommerfeld

Ich arbeite in einem Start-up-Unternehmen und bin der Meinung, dass Outsourcing eine optimale Idee für einige Dienstleistungen wie z.B. Steuerberatung ist. Für Warenwirtschaftssystem, Lager, Versand usw. besser wäre eine Komplettlösung mit einem guten Support-Team aussuchen. Wir hatten einen Dienstleister gehabt, bei dem sehr oft technische Störungen auftraten, sodass wir auch viele Kunden verloren haben, weil unser Dienstleister nicht rechtzeitig uns unterstützen konnte. Auch hatten wir nicht alle Komponenten in unserem ERP System, z.B. Kasse und Schnittstellen zu Frachtführer gab es nicht. Jetzt testen wir einen Monat ERP Komplettlösung von http://www.reybex.com , die CRM, Lager, Kasse usw. hat. So wollen wir mit so einem cloud basierten System mehr Aufgaben in unserem kleinen Start-up-Team lösen, wobei von der professionellen Unterstützung in Marketing und Steuerberatung verzichten wir auch nicht.

Mit freundlichen Grüssen
M. Sommerfeld

Antworten
Peter

Wer möglichst wenig Kapital riskieren will und seine Idee, vielleicht sogar nebenberuflich, ersst mal ausprobieren will, sollte diesen Weg gehen. Outsourcing gibt es schon sehr lange, aber nie war es so einfach und preiswert umzusetzen, wie in der digitalisierten Welt.

Antworten
Manuel Beck

Gerade wenn man am Anfang steht sind Outsourcing, bzw. professionelle Unterstützer, sehr wichtig. Es fängt schon bei grundlegenden Dienstleistern an, wie dem Steuerberater. Als Gründer und Startup war es uns wichtig von Beginn an den Kopf für das eigene Tagesgeschäft frei zu haben und uns nicht selbst um die Buchhaltung zu kümmern.
Aufgaben abzugeben war eines der wichtigsten Learnings.
Die vier besten Tipps, die wir von einem Vortrag von Prof. Faltin mitgenommen haben, haben wir hier zusammengefasst: http://www.elseno.at/der-weg-in-die-selbststaendigkeit/

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden