t3n News Design

Agentur-Chaos Deutschland: Warum viele Webprojekte scheitern und wie es sich vermeiden lässt

Agentur-Chaos Deutschland: Warum viele Webprojekte scheitern und wie es sich vermeiden lässt

Es gibt viele Webworker da draußen: kleinere & größere Agenturen, Freelancer, Inhouse- Teams und Offshore-Lösungen. Mehr oder weniger gemeinsam sind diese Menschen dafür verantwortlich, das Internet von morgen zu erschaffen und das ist in einer so schlecht regulierten Branche wie der unseren manchmal gar nicht so einfach. Wie schafft man es also Teams, Projekte und Kunden zu skalieren und zu koordinieren, um gemeinsam ein bestmögliches Ergebnis zu erzeugen? Gerrit Sturm, Geschäftsführer der Internetagentur Browserwerk beschreibt in diesem Artikel die Erfahrungen seiner Agentur und mögliche Stolperfallen.

Agentur-Chaos Deutschland: Warum viele Webprojekte scheitern und wie es sich vermeiden lässt

Die Internet-Branche boomt. Gerade in einer wirtschaftlich starken Zeit wie der jetzigen bekommen das wahrscheinlich viele von euch zu spüren. Doch mit der Auftragslage wächst auch die Verantwortung – die Verantwortung, Wort gegenüber dem Kunden oder dem Vorgesetzten zu halten, die Projekte optimal in der gegebenen Zeit umzusetzen und dabei immer den Überblick zu behalten, welche Vorgänge Priorität haben und was viellicht auch erst ein paar Tage später erledigt werden sollte. Des Weiteren spielen wirtschaftliche Faktoren für das Fortbestehen einer jeden Unternehmung eine primäre Rolle. Wenn man dazu noch selbständig ist, muss man sich auch noch darauf konzentrieren, was das Finanzamt, die Berufsgenossenschaft, das Steuerbüro etc. alles von einem wollen und dabei bestenfalls nach Möglichkeit auch noch an übermorgen denken; all das „neben“ dem Tagesgeschäft.

Warum es bei den „Internetagenturen“ teilweise drunter und drüber geht

In Agenturen geht es oft drunter und drüber, wenn einer nicht  weiß, was der andere tut. (Grafik: mayrum /Shutterstock)
In Agenturen geht es oft drunter und drüber, wenn einer nicht weiß, was der andere tut. (Grafik: mayrum /Shutterstock)

Nicht selten bekommen wir Anfragen zu Projekten bei denen uns nichts weiter übrig bleibt, als zu sagen, dass wir diese nicht übernehmen werden oder relaunchen müssen. Das tut weh, denn der Kunde hat zu diesem Zeitpunkt bereits viel Arbeit, Herzblut und oftmals auch eine Menge Geld in ein Produkt gesteckt und im Laufe der Entwicklung hat sich herausgestellt, dass die Anforderungen beziehungsweise Erwartungen nicht erfüllt wurden. Genau so schlimm ist es auch, wenn man es nicht schafft, dem Kunden ein Verständnis für die Fehltritte der bis dato Beteiligten zu vermitteln, da dieser denkt, man wolle ihm lediglich etwas verkaufen.

Das Problem ist, dass wir einen unglaublichen Fachkräftemangel in gewissen Bereichen haben und sich jeder dahergelaufene, auf Tasten drücken könnende Mensch „Webdesigner“ nennen darf. Das bedeutet, dass sich von der Hausfrau, die mal einen Wochenend-Kurs bei der IHK oder einer Volkshochschule (nichts gegen die Kurse dort und auch nichts gegen Hausfrauen) besucht hat, bis hin zum studierten Informatiker, Mediendesigner etc. auf diesem Gebiet rumtreiben. Beides ist kein Garant für saubere Arbeit und ein gelungenes Projektmanagement, aber was ich damit sagen will, ist, dass die Qualität bei der Umsetzung extrem stark variieren kann.

Einige (Open-Source-) Communities versuchen sich beispielsweise daher mit Mitgliedschaften Abhilfe zu verschaffen, welche sich jedoch meist nur für größere Agenturen wirklich lohnen. Man sollte daher nicht nur einen Blick in die Referenzen einer Agentur werfen, sondern auch schauen, dass die Projekte wirklich online sind und sich gegebenenfalls auch mal im Impressum vergewissern, ob die Agentur das Projekt auch wirklich erstellt hat beziehungsweise welche Aufgabenbereiche von ihr übernommen wurden. Des Öfteren habe ich schon festgestellt, dass genannte Referenzen gar nicht mehr online waren. Dann sollte man sich immer die Fragen stellen: warum?

Probleme beim Outsourcing: „Verlass dich auf andere und du bist verlassen“

Outsourcing geht oft bei der Kommunikation schief – wer kennt das nicht vom Spielen von Stille Post in der Schule. (Grafik: Dooder / Shutterstock)
Outsourcing geht oft bei der Kommunikation schief – wer kennt das nicht vom Spielen von Stille Post in der Schule. (Grafik: Dooder / Shutterstock)

Manche Agenturen arbeiten mit Freelancern im Ausland zusammen und übernehmen nur das Projektmanagement. Das scheint auf den ersten Blick aufgrund der hohen Differenzen im Bereich der Stundenlöhne auch durchaus profitabel, jedoch kann dies ohne eigene Qualitätskontrolle „Made in Germany“ oftmals nur schief gehen. Der Kunde hört dann vom Projektleiter Sätze wie: „Das muss ich erst mit der Technik besprechen“ oder „Ich habe das mal so notiert und wir werden sicherlich eine Lösung finden“. Danach wird in meist gutem Englisch dem ausländischen Entwickler eine Übersetzung angefertigt, dieser fehlinterpretiert die Umsetzung und das Problem des Kunden ist immer noch nicht gelöst (#stillepost).

Outsourcing kann also nur funktionieren, wenn die Agentur das Produkt auch selbst erstellen könnte und hier das nötige Fachwissen besitzt, um gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Auch ist es nicht immer einfach, die Prozesse zu überwachen, denn schließlich sitzt der Freelancer oder die Partneragentur an einem völlig anderen Standort, kennt den Kunden nicht, hat oftmals eine andere Arbeitseinstellung und arbeitet im schlimmsten Fall unordentlich und die Zeit rennt einem davon. Wir persönlich haben (zumindest bis jetzt) mit dem Outsourcing weniger gute Erfahrungen gemacht und setzen unsere Projekte lieber selbst um, um einen genauen Überblick zu behalten.

Newsletter

Bleibe immer up-to-date. Sichere dir deinen Wissensvorsprung!

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
5 Antworten
  1. von Josef am 15.06.2015 (11:29 Uhr)

    Schöner Artikel und ich kenne das ganze und deren Diskussionen aus dem Fotografie Bereich. Hat sich was geändert? Nein. Es ist leider in der Katastrophe geendet und das Netz und Co sind voller schlechter Fotos. Ich für meinen Teil habe meine Kunden. Weil ich mich auch auf einen Bereich spezialisiert habe und darin eben sehr gut bin.

    Aber ich habe schon so viele "Webdesigner" un Co kennengelernt, die meinten sie müssen den Fotografie Job übernehmen und der Kunden bräuchte keinen Fotografen. Jaja. Zum Gruseln die Ergebnisse. Und dann kommt der Kunde auch immer zurück.

    Aus diesem Grunde habe auch kein Mitleid mit dieser Branche. Soll sie zusammenbrechen unter der eigenen Ignoranz.

    Vielleicht aber auch nur vielleicht lernen sie ja dann "Schuster bleib bei Deinen Leisten". Glaube ich aber nicht, da die Branche min zu 75% aus asozialen Ignoranten besteht.

    Antworten Teilen
    • von cartz am 15.06.2015 (16:27 Uhr)

      Das Problem liegt sicherlich vor allem in der ungenauen Beschreibung von Qualifikationen. Ich kenne es aus meinem Arbeitsumfeld (Bildungsbereich), dass wir schon häufiger mit "Webdesignern" Kontakt hatten, die sich völlig überschätzen. Es vielleicht tatsächlich eine fachliche Grundqualifikation eingeführt werden, die ganz klare Grenzen aufzeigt, jedoch auch ein Minimum sichert. Ich lasse mir ein Haus schließlichlich auch nicht von einem Deutschlehrer planen. Trotz der hohen Dynamik in all diesen Bereichen muss dies doch möglich sein!

      Antworten Teilen
    • von riegeo am 16.06.2015 (10:34 Uhr)

      Ich kenne da aber auch gar einige Fotografen, die meinen Sie müssten auch "Webseiten" verkaufen. Diese nennen Sie dann "Homepages" und sind meist irgendwelche zusammengeschusterten Vorlagen.

      Das Ganze lässt sich also auch umdrehen :-)

      Ich persönlich sehe das Ganze allerdings nicht so eng, denn schließlich ist nicht jeder Kunder der richtige Kunde für mich. Wenn jemand bei einer Fotoagentur eine Website bestellt oder umgekehrt bei einem Webdesigner ein Fotoshooting, dann erhält er in den meisten aller Fälle eben auch das entsprechende Endergebnis. Jeder bekommt sozusagen was er verdient.

      Antworten Teilen
  2. von Piter am 16.06.2015 (07:46 Uhr)

    Das Generalisieren ist logischerweise nicht in Ordnung. Ich betreibe Nearshore Outsourcing seit vielen Jahren. Wir arbeiten mit Agenturen und KMU's zusammen. 80% der Probleme liegen an der mangelnden Organisation der Agenturen. Meistens ist es leider so, dass eine Agentur bzw. der verantwortliche Projektmanager versucht die Arbeit ohne jegliche Vorbereitung (nur Minibriefing anstatt einer klaren technischen Spezifikation oder zumindest Drehbuch/Mockup/Storyboard) abzugeben, dazu tut er das schon fast zu spät ("früher ging nicht, weil wir mit der Konzeption nicht fertig waren") und erwartet dann, dass der externe Dienstleister genau das realisiert, was der Kunde erwartet (was ihm selbst anscheinend bis zum letzten Moment auch nicht ganz klar war). Auf diese Art und Wiese bin ich auch anfangs schon mal auf die Nase gefallen. Deswegen kann ich heute nur appellieren: Liebe Agenturen... erstmal in eigenem Garten die Organisation in Ordnung bringen. Die meisten von euch werden dabei feststellen, dass für die meisten Projekten keine externe Unterstützung notwendig ist und vor einer Projektabgabe die Nächte und Wochenende nicht durchgearbeitet werden müssen!

    Antworten Teilen
    • von Web_Diver am 16.06.2015 (14:53 Uhr)

      Dem muss ich zustimmen. Manche Kunden meinen, als Dienstleister könne man Gedanken lesen.

      Ebenfalls problematisch ist die Mentalität, immer mehr Extras rausholen zu wollen, ohne dass sich am Endpreis was verändert.

      Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Marketing
Diese Faktoren bestimmen, wieviel ein Freelancer verdient
Diese Faktoren bestimmen, wieviel ein Freelancer verdient

Es gibt unzählige Faktoren, die Einfluss darauf haben, was man als Freelancer verdient – also zahlreiche Stellschrauben, an denen ihr drehen könnt. Habt ihr alle auf dem Schirm? » weiterlesen

Marktplatz für Pull-Requests: So sollen Freelancer auf GitHub Geld verdienen
Marktplatz für Pull-Requests: So sollen Freelancer auf GitHub Geld verdienen

CodeMill ist ein Marktplatz für Pull-Requests. Geht es nach den Machern, soll aus GitHub so eine Plattform für bezahlte Freelancer-Gigs werden. » weiterlesen

On-demand-Freelancer: Dieses Startup will die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Freiberuflern perfektionieren
On-demand-Freelancer: Dieses Startup will die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Freiberuflern perfektionieren

Ein norwegisches Startup will Unternehmen dabei helfen, Aufgaben an Freelancer auszulagern. So sollen Firmen und Freiberufler Zeit sparen. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?