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Interview

Steckt das Crowdinvesting in der Krise, Mr. Companisto?

Companisto-Gründer Tamo Zwinge über das Crowdinvesting. (Foto: Companisto)

Nach zuletzt einigen Millionen-Pleiten sorgte das Crowdinvesting für viele Negativ-Schlagzeilen. Jetzt wehrt sich Companisto-Chef Tamo Zwinge gegen die Kritik an der Finanzierungsform.

t3n.de: Tamo, hast du dich eigentlich selbst schon mal mit Crowdinvesting an einem Startup beteiligt? 

Tamo Zwinge: Ja. Zu Anfang habe ich mich tatsächlich noch an fast jeder Kampagne beteiligt. Nicht, weil ich es musste, sondern weil ich die Gründer vorher immer persönlich kennengelernt habe. Da fiel es mir leicht, ein paar Hundert Euro zu investieren. Aber das wurde dann problematisch.

t3n.de: Warum? Hast du dich verzockt?

Nein. Damals war es noch so, dass jeder Investor mit Klarnamen auf einer Kampagnenseite genannt wurde. Auch meiner. Viele Leute haben dann einfach geschaut, wie viel Geld ich in welche Startups investiert habe und versucht, daraus Chancen für gute oder schlechte Deals abzuleiten.

t3n.de: Was nicht in eurem Sinne gewesen ist.

Genau. Deswegen haben wir die Funktion später auch deaktiviert. Beim Crowdinvesting muss sich jeder sein eigenes Bild machen und entscheiden, ob er in ein Startup investiert oder nicht.

t3n.de: Wie erfolgreich waren deine Investments? 

Die Beteiligungen haben sich alle ziemlich gut entwickelt. Doxter war mein erstes Investment, und das hat vor einigen Monaten sogar einen Exit hingelegt. Auch an Ludufactur oder E-Porträt habe ich mich mit kleinen Beträgen beteiligt. Rückblickend war das für mich sehr lukrativ. Doxter war auch monetär gesehen das beste Investment, was ich seit Langem getätigt habe. Ich bin bisher nicht reich geworden damit, aber darum geht es beim Crowdinvesting ja auch nicht.

t3n.de: Ist das aber nicht das Versprechen von Crowdinvesting? Dass auch Otto-Normalverbraucher am Reichtum erfolgreicher Gründer teilhaben können? 

Ich glaube, dass es da oft noch große Missverständnisse gibt. Die Aussicht auf Reichtum sollte nicht der primäre Grund dafür sein, warum man sich privat an einem Startup beteiligt. Auch ich habe nicht hier mal 250 und dort mal 500 Euro investiert, nur damit ich nach fünf Jahren eine horrende Rendite davontrage.

Das E-Bike-Startup Freygeist sammelte bei Companisto 1,5 Millionen Euro per Crowdinvesting ein. Später musste es Insolvenz anmelden. (Foto: dpa)

t3n.de: Was war dann der Grund?

An Doxter habe ich mich etwa beteiligt, weil ich die Idee super fand. Ich habe ständig das Problem, dass ich einen Arzttermin machen will, mich aber erst mühsam durch Google klicken muss, um den richtigen Arzt zu finden. Am Telefon heißt es dann: Sorry, nur Privatpatienten. Doxter hat dieses Problem gelöst, das wollte ich unterstützen.

t3n.de: Die Rendite war dir also gar nicht wichtig?

Es war nicht meine primäre Motivation. Ich hätte es sicher auch nicht toll gefunden, wenn ich nach dem Verkauf von Doxter keine Rendite erzielt hätte. Das war aber nicht der Fall. Trotzdem verstehen wir uns hauptsächlich als Plattform für Pioniergeister, die dabei hilft, neue Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen.

t3n.de: Trotzdem bringt man Crowdinvesting in letzter Zeit eher mit Negativ-Schlagzeilen in Verbindung. Die Protonet-Pleite hat große Wellen geschlagen. Was bedeutet das für die Zukunft der Finanzierungsform?

Zu Protonet kann ich aus der Ferne leider nicht viel sagen. Weder habe ich dort investiert, noch kenne ich die Details. Ich bin mir aber sicher, dass auch hinter Protonet passionierte Leute stehen, die mit Herzblut dabei sind. Insofern bedaure ich die Insolvenz sehr. Letztlich gehört das Scheitern beim Crowdinvesting aber genauso dazu wie bei der klassischen Venture-Kapital-Finanzierung.

t3n.de: Zuletzt gab es allerdings auffällig viele Crowd-Pleiten. Neben Protonet, Triprebel und Returbo etwa auch das E-Bike-Startup Freygeist, das zuvor über Companisto 1,5 Millionen Euro einsammeln konnte. Alles nur ein blöder Zufall? 

Es gab zuletzt einige Pleiten, ja, auch bei uns. Wenn aber über einen längeren Zeitraum auf mehreren Plattformen viele Startups finanziert werden, halte ich eine zeitweilige Häufung von Insolvenzen nicht für ungewöhnlich. Über Companisto wurden in den vergangenen fünf Jahren übrigens über 70 Startups finanziert. Davon sind gerade mal zwölf Prozent ausgefallen. Der Rest ist bis heute am Markt aktiv. Das ist im Vergleich zum klassischen VC-Bereich eine sehr gute Quote.

t3n.de: Laut crowdfunding.de wächst Crowdinvesting aber nur noch bei Immobilien sehr stark. Bei Startups hingegen stagniert das Wachstum. Wie erklärst du dir das?

Die Erhebung von crowdfunding.de bezieht sich auf abgeschlossene Finanzierungsrunden und damit auf Zahlen, die öffentlich einsehbar sind. Das ist eine völlig andere Erhebungsmethode, als sie zum Beispiel der Bundesverband Crowdfunding anwendet. Dort gibt es offizielle Daten von den Crowdinvesting-Plattformen selber. Und die zeigen, dass es auch weiterhin Wachstum gibt. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass uns einige Steine in den Weg gelegt wurden.

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5 Reaktionen
deebee
deebee

Man steckt auf jeden Fall in der Krise, wenn man mit einer Fake-Medaille Werbung macht . Muss das sein?

http://www.toptestsieger.de/companisto-erfahrungen/

Michel Harms

Da die Frage zum stagnierenden Startup-Crowdinvesting Markt - statt mit einer Einschätzung zur Marktentwicklung - mit einem Statement zur Methodik unserer Datenerhebung beantwortet worden ist, hier unser Kommentar:

Der Crowdinvesting Marktreport von crowdfunding.de folgt einer einfachen und transparenten Marktabgrenzung. Die zeitliche Zuordnung nach Abschluss einer Finanzierungsrunde hat deutlich mehr Vor- als Nachteile. Der größte Vorteil: öffentliche Nachvollziehbarkeit. Die dem Report zugrundeliegende Datenbasis ist unter https://www.crowdinvest.de für jeden einsehbar.

Die Performance der einzelnen Crowdinvesting-Segmente und Plattformen wird im Monitor laufend aktuell nachgehalten. So z.B.
Monitor Startup-Crowdinvesting: http://www.crowdinvest.de/startups
Monitor Companisto: https://www.crowdinvest.de/companisto

Ergänzungen und mögliche Korrekturen zur offenen Datenbank können von jedem übermittelt werden. Dieses Crowd-Prinzip ermöglicht eine bestmögliche Datenqualität in Bezug auf Vollständigkeit, Aktualität und Nachvollziehbarkeit.

Die Interpretation der Zahlen obliegt dann jedem selbst.

Viele Grüße
Michel von crowdfunding.de

Jaques Defraudes
Jaques Defraudes

Nach den im crowdinvesting-forum am 7.04.2017 geposteten Ermittlungen gab es bei Companisto bisher 18 Pleiten mit einem Schaden (Investmentsumme) von 6.236.730 €. Dazu kommt noch Kyl21 mit fast 1 Mio. €, wo David Marx als einziger Verbliebener gerade alles Anlagevermögen verkauft hat und mit neuen Partnern in LA mit Dream Pops weitermacht. Allerdings mit der derselben Form und derselben Geschichte aus der Companisto Kampagne in 2014 und ohne dass die Companisten irgendetwas davon hätten (in der Kampagne versprach er, für die Companisten in LA zu eröffnen). Lesenswert auch DER SPIEGEL 2016/34 "Sauercrowd", wonach Companisto zwei Mal erfolgreich wegen ihrer Bewertungen der Start-ups verklagt worden war, z.B. Paulus Neef einfach so sein Projekt Unyite Yoga auf Companisto mit 6 Mio. € bewerten ließ bevor es dann nach weniger als einem Jahr in die Insolvenz ging. Companisto selbst hat über ihre Plattform Mitte letzten Jahres 2 Mio. eingesammelt, mit wahnsinnig hohen Prognosen und offensichtlich weil sie das Geld aufgrund ihrer beunruhigenden Verluste (fast 1 Mio.) dingend benötigten. Das zeigt sich auch an den gegenwärtigen Start-ups: 2 von den 4 wurden weniger als einen Monat vor der Kampagne auf Companisto erst mit Mindeststammkapital gegründet, golf4you mit der Website, über die das Geschäft laufen soll, die erst noch einmal zum Laufen gebracht werden soll (vielleicht Ende Mai), und Diversicon ohne dass sie die Anträge, die sie für ihr Geschäft brauchen, überhaupt gestellt hätten. Kommt beides erst noch, und natürlich mit Bewertungen im Millionenbereich und toatl irreal-optimistischer Finanzplanung. Companisto: leider der Sargnagel für eine an sich tolle Idee.

Sebastian
Sebastian

Sorry, aber kann es sein, dass 20% der 70 Investment nicht mehr aktiv sind und nicht 12% ?? Insgesamt sind von den 70 ganze 14 Investments ( also 20%) nicht mehr aktiv oder insolvent.

Dort auch einzusehen:
https://www.companisto.com/de/investments

Cristin Liekfeldt

Hej Sebastian,

hier schreibt Cristin, ich bin Head of Content bei Companisto.
Zu deinem Einwand: Wir haben die Daten von Januar 2017 genommen. Außerdem nutzen wir auf unserer Website auch bei den Startups, bei denen die Insolvenz oder Liquidation noch nicht durch ist und wir noch nicht wissen, wie es weitergeht schon die Wordings "Insolvenz/Liquidation". Diese, bei denen das Ende noch offen ist, zählen deshalb nicht in die 12 % Ausfall hinein.
Sollte es in allen Fällen zu einem Ausfall kommen, beträgt die Quote 20,86%, um genau zu sein.
Ich hoffe, ich habe jetzt alles ganz genau klargestellt. Danke für deinen Hinweis.
Grüße, Cristin

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